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Merken   Drucken   10.12.2008, 10:00 Schriftgröße: AAA

Investmentfonds: Rückschlag für Emerging Marktets

Aufstrebende Länder haben der aktuellen Finanzkrise lange getrotzt: Doch zuletzt haben auch Zinspapiere aus den aufstrebenden Märkten Schwäche gezeigt. von Jochen Hägele
Der volkswirtschaftliche Aufstieg der Emerging Markets spiegelte sich in den vergangenen Jahren in einer hervorragenden Performance der Schwellenlandanleihen. Doch die Erfolgsstory hat zumindest aus Zinsanlegersicht einen unerwarteten Rückschlag hinnehmen müssen. Die meisten Manager von spezialisierten Rentenfonds sehen das aber nur als kurze Unterbrechung des Aufstiegs der Schwellenländer zu den neuen Großmächten der Wirtschaftswelt.
Den Experten zufolge lohnt es sich gerade jetzt, die Chance zu nutzen, die die globale Verunsicherung geschaffen hat. Mitte vergangenen Jahres waren die Zinsaufschläge auf Euro-Papiere aus Schwellenländern kaum noch attraktiv: Da markierten die Papiere mit durchschnittlich 151 Basispunkten Zinsaufschlag gegenüber sicheren Staatsanleihen ein neues Allzeittief. Doch damit ist es nun vorbei: Anfang Oktober schossen die Zinsprämien auf rund 470 Basispunkte nach oben.
Zum Verhängnis wurde allerdings den Papieren beim jüngsten Ausverkauf wohl ein Faktor, der eigentlich positiv zu werten ist: Sie sind im Gegensatz zu früheren Jahren inzwischen hochliquide und damit leicht in Stresszeiten zu verkaufen - im Gegensatz zu vielen anderen Risikoanlagen, bei denen der Markt zusammenbrach. Doch die grundlegende Frage lautet: Kann ein Ereignis wie die Finanzkrise das Risikogefüge zwischen etablierten und aufstrebenden Staaten aus dem Gleichgewicht bringen? Nach Meinung der meisten Experten ist das unwahrscheinlich.
Schwellenländer verlieren an Wachstum
Denn die Erfolgsgeschichte der Schwellenländer in den Jahren seit 2002 hat durchaus fundamentale Gründe. Die meisten Staaten nutzten die starke Weltkonjunktur, um ihre Staatshaushalte in Ordnung zu bringen, die Inflation zu bekämpfen und Schulden abzubauen, sie wechselten ihre Zahlungsbilanzpositionen von Defizit zu Überschuss und verbuchten in den Folgejahren extreme Anstiege der Devisenreserven.
So konnte es sich Russland zuletzt sogar leisten, in wenigen Wochen eben mal 50 Mrd. seiner insgesamt 58 Mrd. $ an Währungsreserven in das Bankensystem zu setzen, um Spekulationen abzuwehren. Dass aber die Abkopplungstheorie, der zufolge die Schwellenländer kaum oder gar nicht von der Krise getroffen werden, nicht ganz zutrifft, scheint von den volkswirtschaftlichen Fundamentaldaten mittlerweile bewiesen.
Inzwischen lässt auch in vielen Schwellenländern das Wachstum spürbar nach. Daran sind nicht nur die kräftig gesunkenen Rohstoffpreise schuld. Auch die Banken scheinen nicht völlig immun: Vor allem das russische Bankensystem gilt als angeschlagen. Zudem sinkt die Nachfrage nach zahlreichen Exportgütern infolge der Wachstumsschwäche der Industriestaaten.
Staatspleiten bleiben ihnen vorerst erspart
Schwellenländer blicken auf eine historisch lange Phase ohne größere Krise zurück: Denn seit Argentinien Ende 2001 crashte und seine Zahlungsunfähigkeit erklären musste, blieben größere Staatspleiten aus. Bislang zumindest. Die Ratingagenturen hatten zuletzt sogar noch die Bonität der großen Emittenten wie Brasilien nach oben gestuft: "Auf eine Abstufung kamen in den vergangenen Jahren etwa drei Hochstufungen", sagt Michael Mewes von JP Morgan Asset Management.
Kaum ein Experte erwartet, dass sich das derzeit gute Bild der Emerging Markets völlig wandelt. Doch ganz geschlossen präsentieren sich die Länder nicht: Vor allem die Staaten, die stark von Auslandskapital abhängen, sind volatil - etwa die Türkei. Folgerichtig stiegen die Zinsprämien besonders deutlich an. Unter den Regionen hat vor allem Osteuropa gelitten. Hier waren nach Aussagen von Experten vor allem viele institutionelle Anleger engagiert, die rasch ihre Fremdkapitalpositionen abbauen müssen.
Anleihen aus Asien und Lateinamerika haben sich besser gehalten: Asien ist in erster Linie von der US-Nachfrage nach Technologiegütern abhängig, die Volkswirtschaften Lateinamerikas - vor allem Brasilien - von Rohstoffen. Die Nachfrage bleibt hier trotz der jüngsten Preisrückgänge hoch. Größere Krisen in den Schwellenländern erwartet kaum ein Experte, daher dürften die jüngsten Kursrückschläge am Anleihenmarkt neue Einstiegschancen schaffen. Die Zinsaufschläge, die derzeit bei 470 Basispunkten stehen, sollten nach Expertenmeinung eher zwischen 200 und 300 Basispunkten liegen.
Ausgesuchte Rentenfonds
           
Name ISIN Performance   Agio Gebühr
    1 Jahr 3 Jahre    
           
           
SISF EM Debt Ab. Return LU0177592218 -1,54 10,48 5,26 1,5
PF(LUX)-Gl. Em. Debt-HP LU0170994346 -1,12 9,06 5,0 1,1
Thames River High Inc. IE0008009874 -3,63 7,09 5,0 1,5
UniEuroRenta EM LU0149266669 -2,11 6,8 3,0 0,9
ISI EM Bonds DK0016259690 -5,34 5,22 3,5 1,09
AXA WF - Gl. EM Bonds A LU0251658026 -0,92 - 5,5 1,25
           
Angaben in Prozent; Quelle: Fondsweb; Stand: 09. 10. 2008
  • FTD.de, 10.12.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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