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Merken   Drucken   20.11.2008, 10:00 Schriftgröße: AAA

Investmentfonds: Schwierige Währungsprognose

Nur wenige Devisenfonds konnten in den vergangenen Monaten überzeugen. Dass die Mehrheit dieser Produkte enttäuscht, ist kein Zufall. von Andreas Preissner
Noch vor wenigen Wochen wurde mit Shopping-Trips in die USA geworben - wegen des günstigen Dollars. Wer damals gebucht hat und heute reist, wird sich wundern, wie teuer es inzwischen wieder ist: Der Dollar hat innerhalb von Wochen um mehr als zehn Prozent zugelegt. Viele Anleger fragen sich, ob man auch bei solchen Schwankungen mitverdienen kann, und zwar unabhängig vom Aktienmarkt.
Sieht man sich jedoch nach Devisenfonds um, tritt Ernüchterung ein. "Die Renditen der Devisenfonds sind insgesamt nicht überragend", sagt Andreas Köchling, Rating-Experte bei Feri. "Wenn der beste Fonds in unserer Datenbank, die 27 Produkte verzeichnet, auf Jahressicht bei neun Prozent liegt, der Durchschnitt jedoch bei gut einem Prozent, dann spricht das eine deutliche Sprache."
Dabei ist es kein Zufall, dass die Mehrheit der Produkte enttäuscht. "Die Problematik des Währungsmarkts liegt in der schlechten Prognostizierbarkeit. Volkswirtschaftliche Modelle wie die Kaufkraftparitäten mögen zwar langfristig gelten, übersteigen aber oftmals den Zeithorizont des Anlegers. Kurzfristigen Trends zu folgen fällt aber eher in den Bereich der Spekulation, nicht der Geldanlage", sagt Köchling.
Kurzfristige Gewinne nur mit Derivaten
Wer also die spontanen Wechselkursschwankungen beobachtet und daran verdienen will, muss mit Derivaten selbst spekulieren. Fonds werden diese Leistung nicht erbringen können und auch nicht wollen. So sehen die Manager in ihnen eher ein Produkt zur Diversifikation, das unabhängig vom Aktienmarkt ist.
Bei der DWS gibt es gleich zwei Fonds, die in der Kategorie "Absolute Return" geführt werden. "Im DWS Forex Strategy haben wir in Anbetracht der Finanzkrise keine Carry-Strategien umgesetzt, um unserer Absolute-Return-Orientierung gerecht zu werden", erklärt Asoka Wöhrmann, Bereichsleiter Währungen bei der DWS.
Carry-Trades bezeichnen die Verschuldung in einer Niedrigzinswährung und Anlage der Gelder in Hochzinswährung. Die Schwankungen des Fonds blieben gering, das Ergebnis fällt mit zwei Prozent auf Sicht von zwölf Monaten allerdings bescheiden aus.
Geringe Korrelation mit Aktien- und Rentenmärkten
Da war der DWS Best Global FX Selection Plus mit einer Wertentwicklung von knapp vier Prozent die bessere Alternative. Er ist strategisch ganz anders ausgerichtet: "Hier wurde zeitweise eine Carry-Strategie umgesetzt, inzwischen verfolgen wir stark eine volatilitätsorientierte Strategie", sagt Wöhrmann. Der Fonds enthält allerdings grundsätzlich einen geringeren Anteil an finanzmarktlastigen Floater-Papieren.
Es kamen aber auch besondere Faktoren hinzu, die die Wertentwicklung im Segment beeinträchtigten: Grundsätzlich ist ein Devisenfonds im Hinblick auf seine geringe Korrelation mit Aktien- und Rentenmärkten interessant.
Allerdings liefen die Aktienmärkte in den vergangenen Jahren gut. Anleger zogen sich dementsprechend aus Devisenfonds zurück, die Fonds mussten Rückflüsse verkraften und Bestände zu ungünstigen Kursen abbauen.
Strategien der Fonds uneinheitlich
Sieht man sich die Strategien der Fonds an, stellt man fest, dass es viele verschiedene Ansätze gibt. So legen einige Fonds schwerpunktmäßig in Geldmarktpapieren unterschiedlicher Währungen an, während andere Devisentermingeschäfte betreiben. Das beeinflusst auch das Risiko, die Volatilitäten sind so unterschiedlich wie die Wertentwicklungen.
Man sollte also genauer hinsehen, was die Fondsmanager jeweils machen. Und auf ihr Gespür vertrauen. Es ist keineswegs sicher, dass die Kursveränderungen zwischen Euro und Dollar richtig vorhergesehen und Aufschwungphasen wie die der osteuropäischen Währungen bis zum Sommer dieses Jahres mitgenommen werden.
Vor allem gibt es keinen Vergleichsindex wie bei Aktien oder Anleihen. Anleger können daher nur einen absoluten Anstieg erwarten, wobei aber gegenwärtig der Geldmarkt kaum zu schlagen ist. Immerhin fällt dann oft keine Performancegebühr an, die die meisten Gesellschaften sehr üppig bemessen.
  • FTD.de, 20.11.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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