FTD.de » Finanzen » Investmentfonds » Teuer bezahlte Fonds

Merken   Drucken   20.09.2009, 09:00 Schriftgröße: AAA

Investmentfonds: Teuer bezahlte Fonds

Bei guter Performance klingeln verstärkt auch die Kassen der Fondsgesellschaften. Manchmal hängt die Latte für diese zusätzliche Gebühr jedoch sehr tief. von Wolf Brandes 
Nun gilt der alte Wahlspruch der FDP auch für die Fondsgesellschaften: "Leistung muss sich wieder lohnen" - so lässt sich die Einführung von erfolgsabhängigen Gebühren bei immer mehr Fonds umschreiben. Während in anderen Wirtschaftszweigen bei schwacher Nachfrage über niedrigere Preise nachgedacht wird, geht die Tendenz in der Investmentindustrie in die andere Richtung: Die Performancefee genannten Kosten kommen in der Regel auf die unveränderten Vergütungen obendrauf.
"Der Zeitpunkt der Einführung ist völlig daneben", kritisiert Andrea Hoffmann, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Sachsen. Ohne breit darüber zu informieren, haben die Fondsgesellschaften der Sparkassen und Volksbanken vor etlichen Monaten damit begonnen, Schritt für Schritt für viele Produkte die Gebühren zu erhöhen. Neben der Managementgebühr müssen die Anleger nun auch eine erfolgsabhängige Gebühr bezahlen. Diese kann 25 Prozent der Outperformance ausmachen und so einen Teil der Mehrrendite im Vergleich zum Index wieder auffressen.
Deka und Union, die Nummern zwei und drei der Branche, folgen damit Häusern wie DWS und Allianz Global Investors, die schon seit Längerem bei einem Teil ihrer Produkte an der Performance beteiligt sind. Der Sparkassen-Tochter Deka zufolge ist geplant, die Erfolgsbeteiligung grundsätzlich für alle Fonds einzuführen. Betroffen sind Produkte wie Arideka, Dekafonds und Deka-Europabond.
Transparenz
Seit einigen Jahren sind die Fondsgesellschaften verpflichtet, die sogenannte TER zu veröffentlichen. Damit ist die sogenannte „Total Expense Ratio“ gemeint oder auf deutsch: die Gesamtkostenquote. Nachteil: Die Performancefee ist nicht in die TER eingerechnet.
Aufschlag
Immer mehr Fondsanbieter hierzulande halten die Hand auf und verlangen eine Erfolgsgebühr. Je nach Fondskategorie kann die Extrazahlung einen wesentlichen Teil der Mehrrendite wieder auffressen. Am gängigsten ist die Zahlung bei Aktien und Mischfonds.
Extrazahlungen drücken die Rendite   Extrazahlungen drücken die Rendite
Gebühren für kaum messbaren Erfolg
Dass die Gebühren nicht nur auf dem Papier stehen, hat Union Investment gezeigt. Die Gesellschaft hat beim Mischfonds Unirak für einen kaum messbaren Erfolg abkassiert. Auch bei dem beliebten Uniglobal kann das Haus ein Viertel der Mehrrendite einstreichen, wenn der Manager den MSCI World schlägt.
Allerdings soll es dazu nach Aussagen von Union nicht kommen. Grund für die Ausnahme: Der Uniglobal ist im Riester-Produkt des Hauses enthalten, und das Sparen für die Altersvorsorge will man nicht mit Zusatzkosten belasten. An der Grundidee einer erfolgsabhängigen Vergütung ist nach Ansicht von Fachleuten wenig auszusetzen. Schließlich haben Anleger und Fondsanbieter ein gleichgerichtetes Interesse an guter Performance.
Wenn diese Gebühr allerdings einfach auf die unveränderten fixen Verwaltungskosten aufgeschlagen wird, kommt das nur der Investmentfirma zugute. Umgekehrt gibt es für die Fondsgesellschaft aber auch keine Strafgebühr für den Fall, dass sie künftig unter der Messlatte bleibt. Performancegebühren sind oft umstritten, weil häufig keine "High Watermark" festgeschrieben ist.
Wann Anleger keine Perfomancegebühren zahlen sollten
Die Anbieter können also auch dann kassieren, wenn der Kurs des Fonds den höchsten zuvor erzielten Wert noch nicht wieder erreicht hat. "Wenn ein Fonds 2008 schlechter abschnitt als sein Vergleichsindex, sollten Anleger keine Performancegebühr zahlen müssen, solange der Fonds dies nicht wieder wettgemacht hat", urteilt Morningstar-Analystin Sonya Morris.
"Wenn die Perfomancegebühren ungünstig gestaltet sind, belohnen sie den Fondsmanager selbst dann, wenn er die Mindestanforderungen seines Jobs nicht erfüllt." Ein Beispiel für dreistes Abkassieren lieferte der Griffin Eastern European. Lange Zeit galt das von Jürgen Kirsch gemanagte Produkt als Maßstab für alle Osteuropafonds. Doch dann fiel der Fonds zurück. Ein Grund für die schwache Entwicklung lag in der performanceabhängigen Gebühr.
Der Manager kassiert 15 Prozent der Performance, die über den Drei-Monats-Libor hinausgeht. Um eine Erfolgsvergütung zu erreichen, musste Kirsch also nur den Geldmarkt schlagen - eine unpassende Benchmark für einen Osteuropa-Aktienfonds. In der Spitze lag die Gesamtkostenquote des Griffin Eastern Europe bei zehn Prozent, und erst nach Protesten wurde die Performancefee bei 1,25 Prozent gekappt.

Teil 2: Performancefees aufgrund von gestiegenen Kosten

  • FTD.de, 20.09.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  

Newsletter:   Eilmeldungen Finanzen

Wenn die Deutsche Bank durch einen Stresstest fällt, erfahren Sie es zuerst in unserem Finanznewsletter.

Beispiel   |   Datenschutz
markets - Das Finanzinformationsportal
  DAX 6315,89  [30.14 +0,48%
  Euro Stoxx 50 2156,52  [22.47 +1,05%
  Dow Jones 12529,75  [33.6 +0,27%
  Nasdaq Composite 2839,38  [-10.74 -0,38%
  Euro 1,25379 USD  [-0.00191 -0,15%
  Brent-Öl 106,56 USD  [0.25 +0,24%
Tweets von FTD.de Finanz-News

Weitere Tweets von FTD.de

Immobilien-Kompass
Partnerangebot Immobilien suchen in ...
  • Kursverluste, Ärger mit Behörden und der Nasdaq: Das Börsenparkett ist zu glatt für Facebook. Die Internetstars aus Kalifornien sehen am Aktienmarkt aus wie Anfänger. Damit es Ihnen nicht so geht: Testen Sie Ihr Börsenwissen.

    Bei einem Verlust von 30 Prozent - wie stark müsste der Aktienkurs steigen, damit Sie wieder beim Anfangsniveau angelangt sind?

    Börsen-Quiz: Machen Sie es besser als Facebook

    Alle Tests

  14.03. Quiz Kennen Sie sich aus im DAX?

Wer seit Jahresbeginn auf Aktien setzt, kann sich bislang über einen satten Gewinn freuen. Mischen Sie mit bei der Rally - im Quiz von FTD.de. Testen Sie ihr DAX-Wissen.

Seit wann gibt es den DAX?

Quiz: Kennen Sie sich aus im DAX?

Alle Tests

 



AKTIEN + MÄRKTE

mehr Aktien + Märkte

DERIVATE

mehr Derivate

INVESTMENTFONDS

mehr Investmentfonds

IMMOBILIEN

mehr Immobilien

ALTERNATIVE ANLAGEN

mehr Alternative Anlagen

FINANZCHECK

mehr Finanzcheck

FTD-SPEZIAL: FINANZKOMMUNIKATION

mehr FTD-Spezial: Finanzkommunikation

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote