Verkaufen Einzelinvestoren schlagartig viele Anteile an einem Investmentfonds, verursacht das hohe Transaktionskosten. Die werden gleichmäßig auf alle Anleger verteilt, denn laut Gesetz müssen diese Kosten alle tragen. von Olaf Wittrock
Zu den am heftigsten debattierten Folgen der Finanzkrise gehört die Tatsache, dass die Gewinne vieler Banken jahrelang privatisiert wurden in Form von Dividenden, die Milliardenrisiken und -verluste hingegen häufig sozialisiert wurden - und bei Regierungen und Steuerzahlern landeten. Das Prinzip der Sozialisierung der Verluste - oder präziser: von Kosten - findet jedoch auch an anderen Stellen in der Finanzwelt Anwendung.
Etwa bei fast allen Investmentfonds. Der Reihe nach: Diese sind - technisch gesehen - stets so viel wert wie die Summe ihrer Teile. Nicht Angebot und Nachfrage nach Fondsanteilen, sondern der sogenannte Nettoinventarwert (Net Asset Value) - also die Summe aller im Sondervermögen verwalteten Aktien, Anleihen und sonstigen Vermögensteile - bestimmt den Wert und somit auch Preis des Fonds.
Im Alltag kann das für Schwierigkeiten sorgen. Denn die Vermögensgegenstände, mit denen Fondsmanager handeln, haben am Markt in der Regel zwei Preise: Einen An- und einen Verkaufspreis. Und auch der Handel selbst kostet Geld. Genau das macht die Feststellung eines Fondswerts zu einem komplizierten Unterfangen: Kauft nämlich ein Anleger an einem Tag einen Fondsanteil und gibt ihn am nächsten Tag zurück, fallen dafür zweimal Transaktionskosten an. Und diese senken den Nettoinventarwert für alle übrigen Anleger. Die Branche spricht von einem Verwässerungseffekt. Er ist umso größer, je höher die Mittelabflüsse im Fonds sind.
Fondsgesellschaft des Jahres
"Grundsätzlich kann ein Fondspreis nicht unfair sein, weil bei der Preisermittlung der jeweils aktuelle Verkehrswert zugrunde zu legen ist", sagt ein Sprecher des deutschen Fondsverbands BVI: "Allenfalls in Krisenzeiten können sich deutliche Spreads ergeben." In Großbritannien sieht man das anders: Hier hält man das in Deutschland übliche sogenannte "Single Pricing" - also die Nutzung von Mittelkursen zwischen Kauf- und Verkaufskurs - für problematisch. Wenn nämlich einzelne Investoren viele Anteile auf einen Schlag kaufen oder verkaufen, können Fondsmanager zum schnellen Handel an der Börse gezwungen sein. "Solche erzwungenen Handelsgeschäfte können hohe Kosten verursachen", erklärt Christopher Traulsen, Research-Direktor für das europäische Geschäft der Ratingagentur Morningstar in London. "Das schädigt alle übrigen Investoren, weil diese Kosten den Wert ihrer Anteile verwässern."
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