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Merken   Drucken   17.11.2008, 10:00 Schriftgröße: AAA

Investmentfonds: Warten auf den Einstieg

Nach zum Teil kräftigen Einbußen im vergangenen Jahr bieten Unternehmensanleihen so hohe Zinsaufschläge wie selten zuvor. Spezialisierte Fonds bringen sich dafür in Position. von Jochen Hägele
Noch warten viele Fondsmanager wie Kornel Schweers auf den optimalen Einstiegszeitpunkt: Der Manager des Cominvest Euro Corporate Bond Fund spezialisiert sich in seinem Fonds auf Anleihen, die von Firmen begeben werden. Diese sogenannten Corporate Bonds haben unter der Finanzkrise extrem gelitten und sind nach Meinung vieler Experten ein guter Kauf - sobald sich die Lage entspannt.
Die Papiere bieten derzeit extrem hohe Renditen: Bonds mit BBB-Rating im Schnitt knapp acht Prozent Effektivzins auf zehn Jahre. Und das obwohl Bundesanleihen gleicher Laufzeit mit 3,74 Prozent sehr niedrig rentieren. Der Grund: Die Risikoaufschläge im Unternehmensanleihensegment sind extrem angestiegen.
Die Folge waren Kursverluste. Auch die auf Firmenbonds spezialisierten Fonds verzeichneten über die vergangenen zwölf Monate im Schnitt Einbußen von rund zehn Prozent, sogar die Topfonds liegen im Minus. Doch gerade wegen der extremen Aufschläge werden die Experten nach und nach optimistisch.
Ansteigende Zahlungsausfälle
"Die Katastrophenszenarien, die derzeit eingepreist werden, halten wir für übertrieben", sagt etwa Michael Mewes von JP Morgan Asset Management. Er vergleicht das Geschehen mit der Krise der Jahre ab 2001. Damals hatten die US-Konzerne Enron und Worldcom mit spektakulären Pleiten und Anleihenausfällen in zuvor am Corporate-Bond-Markt ungeahnter Höhe die Märkte geschockt. Doch nicht einmal damals waren die Zinsaufschläge im Markt so hoch wie derzeit.
Wer in Unternehmensanleihen investiert, erhält bis Laufzeitende die zum Kaufzeitpunkt geltende Rendite - vorausgesetzt, er hält das Papier bis Fälligkeit und der Emittent leistet alle Zahlungen. Und gerade daran scheinen immer mehr Anleger ihre Zweifel zu haben. "Insgesamt werden die Zahlungsausfälle vom aktuell niedrigen Niveau aus sicher ansteigen", sagt Mewes.
Unter den Schuldnern gibt es zahlreiche, die von "guten" Ratingbereichen unter die kritische Note BBB bei der Agentur Standard & Poor's oder Baa3 bei Moody's abgestuft wurden. Dazu zählen auch die US-Autobauer General Motors oder Ford. Die Risiken sind akut: So verabschiedete der US-Senat erst vor Kurzem ein Hilfspaket im Volumen von 25 Mrd. $ zugunsten der US-Autoindustrie.
Höhere Chancen
Unterschieden wird am Markt zwischen Investmentgrade und High-Yield-Papieren. Unterhalb des Investmentgrade - also unter BBB-/Baa3 - ist für die Mehrzahl der Fonds die Grenze erreicht, bei der sie aussteigen müssen. Nur High-Yield-Fonds setzen überwiegend auf Papiere mit extrem schwachem Bonitätsrating.
Hier sind die Chancen höher, denn die Papiere bringen meist deutlich höhere Zinsen. Allerdings steigt das Risiko sprunghaft an: Ein Grund dafür, dass diese Anleihen bei jedem wirtschaftlichen Abschwung deutlich nachgeben. Das zeigt sich auch in der Performance der Fonds. Auf Hochzinspapiere spezialisierte Fonds liegen weit hinter denen, die in Investmentgrade investieren.
Besonders stark wurden ausgerechnet die sonst als sicher geltenden Banktitel abgestraft. Hier waren die Spreadausweitungen am deutlichsten. Defensivere Branchen haben sich besser gehalten. Dennoch hat die jüngste Krise noch keine größeren Opfer gefordert unter den Industriefirmen. Und in Bankanleihen haben die meisten Fonds nur in geringerem Maße investiert. Die Schwergewichte in den meisten Fonds bilden Telekomfirmen und Versorger.

Teil 2: Für besonders optimistische Anleger

  • FTD.de, 17.11.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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