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Merken   Drucken   31.12.2008, 10:00 Schriftgröße: AAA

Investmentfonds: Wegweiser im Fondsdschungel

Fondsratings sollen den Anleger bei der Suche nach dem richtigen Produkt unterstützen. Die Urteile werden derzeit jedoch oft mit den umstrittenen Kreditratings in einen Topf geworfen. Dabei sind die Unterschiede riesig. von Heino Reents
Ob Sterne, Noten oder Buchstaben - die Urteile der Fondsratingagenturen geben hierzulande Anlegern und Beratern angesichts eines Universums von mehr als 9000 zugelassenen offenen Investmentfonds häufig eine erste Orientierung bei der Produktsuche. Laut Ratingagentur Feri greifen immerhin mehr als 90 Prozent der erfahrenen Anleger auf Fondsratings zurück.
Angesichts der anhaltenden Finanzkrise stellen viele Anleger allerdings die Frage nach der Rolle der Ratingagenturen und der Aussagekraft ihrer Bewertungen. Dabei unterscheiden sich Kredit- und Fondsratings deutlich. Während erstere die künftige Kreditwürdigkeit eines Unternehmens bewerten, nehmen Fondsratings die Leistung eines Investmentfonds beziehungsweise des Managers unter die Lupe.
"Das eine hat also mit dem anderen nichts zu tun", sagt Alexander Ehmann, Fondsanalyst bei der Ratingagentur Morningstar. "Unser Fondsrating basiert auf einem quantitativen Bewertungsmodell." Das Fondsrating fällt also ein Urteil über die bisherige Performance und das dazu eingegangene Risiko. Zur weiteren Wertentwicklung oder der Wahrscheinlichkeit, dass die Anleger ihr Geld zurückhalten, kann das Fondsrating keine Aussagen treffen.
Unberücksichtigte Auswirkungen
Denn diese Parameter sind abhängig von der weiteren Entwicklung an den Märkten. Nach einer Aufstellung des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI) bewerten in Deutschland mehr als ein Dutzend Ratingagenturen Fonds und Investmentgesellschaften. Neben Feri und Morningstar zählen S&P und Lipper zu den wichtigsten Playern hierzulande.
Und da die Anbieter ihr Arbeitsfeld immer weiter ausdehnen, steigt auch die Zahl der Ratings pro Investmentfonds. In der Regel basieren die Urteile der Experten auf den Wertentwicklungen der Vergangenheit, gegebenenfalls spielen auch Kosten eine Rolle. Solche quantitativen Verfahren, die auf Gespräche mit den Fondsmanagern und die Analyse von Fondsberichten verzichten, werden etwa von Morningstar genutzt.
Bei Feri Rating & Research verfolgt man einen anderen Ansatz. "Beim Feri Fondsrating handelt es sich um eine relative Bewertung der Fonds innerhalb einer Vergleichsgruppe", erläutert Tobias Schmidt, Leiter Capital Markets & Funds bei Feri Rating & Research. "Die Auswirkungen der Finanzkrise, die eine Vergleichsgruppe als Ganzes betreffen, bleiben dabei unberücksichtigt."
Unterschiedliche Bewertungsparameter
Feri verwendet bei der Erstellung der Ratings einen strukturierten und standardisierten Bewertungsansatz. "Sowohl die Bewertungsmethodik als auch die Bewertung der Einzelkriterien eines Fonds sind öffentlich zugänglich und für alle bewerteten Fonds nachvollziehbar", wehrt sich Schmidt gegen Kritik an der Unabhängigkeit der Bewertung.
"Alle Fonds, auch solche, die in einem anderen Zusammenhang von Feri-Gesellschaften beraten werden, werden nach dem gleichen Ansatz bewertet", sagt Schmidt. Aktuell hat das Bad Homburger Rating-Haus in Deutschland knapp 3000 Fonds geratet. "Fondsratings sind nur der Blick in den Rückspiegel - das machen die Ratingagenturen aber auch vorbildlich kenntlich", sagt Björn Drescher, Geschäftsführer des Finanzinformationsdiensts Drescher & Cie.
Der Fondsexperte weist darauf hin, dass die Agenturen zum Teil völlig unterschiedliche Bewertungsparameter verwenden, was die Übersichtlichkeit für den Privatanleger deutlich erschwert. "Ratings eignen sich als grober Wegweiser, für den taktischen Einsatz bei der persönlichen Asset- Allokation sind sie allerdings nicht zu gebrauchen", sagt Drescher.

Teil 2: Qualitative Ratings

  • FTD.de, 31.12.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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