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Merken   Drucken   27.11.2008, 17:41 Schriftgröße: AAA

Investmentfonds: Wo kleine Anbieter Vorteile haben

Mit Spezialthemen kennen sich kleine Fondsanbieter oft besser aus als die Platzhirsche - etwa mit Trendfolgemodellen. Dabei greifen sie auf ein erfolgreiches Computermodell zurück. von Christoph Hus
Die großen Namen der Investmentfondsbranche kennen selbst Bankkunden, die sich nicht regelmäßig mit Anlagethemen beschäftigen. Schließlich preisen DWS, Allianz Global Investors, Deka, Cominvest und Union Investment ihre Produkte in Fernsehwerbespots und großformatigen Anzeigen an. Darin erwecken sie gern den Eindruck, von allen Anlagedisziplinen etwas zu verstehen - vom aktiven Management von Schwellenländeraktien über Total-Return-Strategien bis zur sicherheitsbetonten Anlage in Rentenpapieren.
Doch gerade bei Spezialthemen gehören die Platzhirsche meist nicht zu den ersten Adressen. Kleine Kapitalanlagegesellschaften und Fondsboutiquen haben hier oft die Nase vorn. So haben kleine Anbieter zum Beispiel in den vergangenen Jahren erfolgreich das Marktsegment der Trendfolgefonds besetzt.
Das größte Asset dieser zahlreichen kleineren Anbieter ist jeweils ein Computermodell, das nach Trends auf Aktien-, Renten- und Rohstoffmärkten sucht. Dazu beobachten die Rechner in der Regel die Kurse von mehreren 100 oder sogar 1000 Wertpapieren und Futures. Haben sie einen Trend entdeckt, der stabil zu sein scheint, springt der Portfoliomanager auf den fahrenden Zug auf. Sobald der Rechner Anzeichen findet, dass sich der Trend dem Ende zuneigt, steigt der Manager wieder aus.
Kleine Anbieter feiern Erfolge
Mit dieser Strategie haben mehrere kleine Anbieter in den vergangenen Jahren Erfolge gefeiert. So legte zum Beispiel der HWB Victoria Strategies Portfolio-Fonds in den vergangenen drei Jahren im Schnitt um 18,7 Prozent zu. Und dem Tri Style Fund gelang im gleichen Zeitraum immerhin eine durchschnittliche Jahresrendite von 5,5 Prozent.
Viele Fonds litten allerdings darunter, dass kaum klare Trends zu erkennen waren - weder nach oben noch nach unten. So verlor der Trendconcept-Universal-Fonds-Aktien-Europa binnen Jahresfrist 21,6 Prozent. Der C-Quadrat Arts best Momentum rauschte sogar um 23,6 Prozent in den Keller. "Trendfolger haben in volatilen Märkten, wie wir sie derzeit an der Börse beobachten, einen schweren Stand", sagt Christian Michel, Fondsanalyst bei Feri Rating & Research.
Kleines Trostpflaster für Anleger: Mehrere der Trendfolgefonds zeichnen sich durch eine vergleichsweise niedrige Verwaltungsgebühr aus. So verlangen die Anbieter des PEH Empire und des Top Trend Ami nur ein Prozent Verwaltungsvergütung pro Jahr. Noch günstiger ist mit 0,8 Prozent der Trendconcept-Universal-Fonds-Aktien-Europa.
Die Gesundheits- und Pharmabranche geben Hoffnung
In den vergangenen Monaten konnten die Trendfolger allenfalls Schadensbegrenzung betreiben, während die Aktienmärkte rund um den Globus auf breiter Front einbrachen. So auch beim österreichischen Fondshaus C-Quadrat. "Unser Modell sucht nach Hinweisen, welche Sektoren und Branchen am wenigsten unter dem Kursrutsch leiden werden", sagt Portfoliomanager Leo Willert.
Im Moment sind das Dividendenpapiere von Unternehmen aus den Branchen Gesundheit und Pharma sowie Konsumgüter. Sie sollen das Portfolio stabilisieren, während die Aktien von Banken und Finanzdienstleistern kräftig in den Keller rauschen. Auch der Anbieter Trendconcept verfolgt das Ziel, Verluste in schlechten Börsenzeiten zu begrenzen - allerdings mit einem radikaleren Ansatz als C-Quadrat. Die Frankfurter Experten beobachten per Computer die Kurstrends der Aktien, die im Index EuroStoxx 50 enthalten sind.
Geht der Aufwärtstrend bei einer festgelegten Zahl dieser Papiere zu Ende, sichern die Portfoliomanager die Fonds gegen Verluste ab. So auch zuletzt: "Schon im Januar lag der Investitionsgrad nur noch bei 65 Prozent", sagt Trendconcept-Chef Caspar von Zitzewitz. "Danach haben wir ihn weiter gesenkt, jetzt liegt er bei null Prozent."
Urteil des Computers
Von Zitzewitz sieht seine Trendfolgefonds mit dieser Strategie sowohl für Aufwärts- als auch für Abwärtsphasen an den Börsen gerüstet. "Während eines Aufwärtstrends ist man zu großen Teilen investiert", sagt er. Weil im Portfolio aber stets ein gewisser Risikopuffer enthalten sei, schlagen die Fonds bei steigenden Kursen niemals ihren Vergleichsindex. Doch dieser Nachteil zahlt sich in der Krise aus. "In solchen Zeiten können wir den größten Teil der Verluste vermeiden", verspricht der Portfoliomanager.
Auf das Urteil eines Computers verlässt sich auch der Anbieter HWB Capital Management. "Der Algorithmus unseres Modells erkennt, wenn ein Index zum Beispiel aus einem Seitwärtsmuster nach oben oder unten ausbricht", sagt HWB-Kundenbetreuer Carsten Salzig. "Deswegen bezeichnen wir das Modell auch als Breakout-Modell."
Ähnlich wie andere Anbieter versucht auch HWB, das Risiko zu steuern. Die Manager sichern dabei allerdings nicht die einzelnen Positionen im Portfolio ab, also das sogenannte Alpha, sondern minimieren das Marktrisiko, von dem Experten als Beta sprechen. HWB weiß aus langjähriger Erfahrung, dass auch der Computer einmal danebenliegen kann. "Selbstverständlich kommt es auch in unserem Modell zu Fehlsignalen", sagt Salzig. Im Durchschnitt liege die Fehlerquote bei 20 Prozent. Deshalb setzen die Portfoliomanager Stopmarken: Überschreitet eine Position im Portfolio diese Marke, schreiten die Manager sofort ein.
Ausgesuchte Trendfolger-Fonds
           
Name ISIN Performance   Agio Gebühr
    1 Jahr 3 Jahre    
           
           
HWB Victoria Str. Portf. LU0141062942 -15,4 18,7 5,0 1,9
Tri Style Fund AT0000701164 -17,1 5,5 5,0 1,75
PEH Empire LU0086120648 -7,6 2,9 4,0 1,0
C-Quadrat Arts best Mom. AT0000825393 -23,6 -0,5 5,0 1,95
Trendconcept-Un.-Fonds DE0009781773 -21,6 -8,2 5,0 0,8
Top Trend Ami DE000A0EAFX1 -7,9 - 5,0 1,0
           
Angaben in Prozent; Quelle: Onvista; Stand: 08. 10. 2008
  • FTD.de, 27.11.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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