Inmitten der bislang schwersten Krise bei offenen Immobilienfonds bereitet die Anlagegesellschaft Kanam ein neues Produkt vor. Wie Kanam gegenüber der FTD bestätigte, soll der neue Fonds kommendes Jahr mit einem Anfangsvolumen von bis zu 200 Mio. Euro Eigenkapital starten.
Bis es so weit ist, wartet die Münchner Gesellschaft allerdings noch die endgültige Verabschiedung des Gesetzentwurfs für Investitionen in alternative Anlageklassen (AIFM) ab. Dieser sieht vor, dass Anleger ab dem 1. Juli 2013 nur noch einmal im Jahr aus offenen Immobilienfonds aussteigen können. Tägliche Anteilsrückgaben, wie sie bisher möglich sind, gäbe es dann nicht mehr. Mit dem Gesetzentwurf mache die Bundesregierung das Anlageprodukt "schockresistent", sagt Hans-Joachim Kleinert, geschäftsführender Gesellschafter bei Kanam. Damit bestehe die Möglichkeit, neue sichere Fonds aufzulegen. Insbesondere Privatanleger könnten so mit kleinen Beträgen in eine Immobilienkapitalanlage investieren. Der Fonds soll kommen, "sobald das Gesetz verabschiedet ist", so ein Kanam-Sprecher.
Offene Immobilienfonds zählten über Jahrzehnte hinweg zu den beliebtesten Anlageprodukten konservativer Anleger in Deutschland. Zwischen 2007 und 2012 ist das Volumen nach Angaben des Fondsverbands BVI jedoch von 99,2 Mrd. Euro auf 83,2 Mrd. Euro zusammengeschmolzen. In der Finanzkrise gerieten etliche Produkte in Liquiditätsnöte, weil Anleger auf einen Schlag mehr Kapital abziehen wollten, als die Fonds bereitstellen konnten.
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Elf offene Immobilienfonds müssen deshalb abgewickelt werden, darunter auch zwei Produkte von Kanam - der Grundinvest und der US-Grundinvest Fonds. Die Misere der offenen Immobilienfonds bescherte fast einer Million Anlegern zum Teil beträchtliche Verluste. Derzeit sind Einlagen im Wert von mehr als 15 Mrd. Euro dem Zugriff der Sparer entzogen.
Branche verhinderte Verbot
Aus diesem Grund wollte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) die Auflage neuer Fonds zunächst ganz verbieten. Dies konnte die Branche jedoch verhindern. "Der Gesetzentwurf schützt bei neuen Fonds effektiv die Achillesferse der Anlageklasse", heißt es bei Kanam. Die lange Kündigungsfrist für Anteile werde verhindern, dass Fonds eingefroren werden müssen, weil Anleger nicht mehr in kurzer Zeit sehr viel Kapital abziehen können, sagt Sonja Knorr, Analystin bei der Fondsratingagentur Scope. "Die Produkte werden dadurch krisenfest." Knorr hält es für gut möglich, dass andere Anbieter Kanam mit neuen offenen Immobilienprodukten an den Markt folgen könnten.
Zwar sind auch die beiden Kanam-Fonds in den Mahlstrom der Krise geraten. Kleinert ist aber überzeugt, Anleger für den neuen Fonds gewinnen zu können. Denn Kanam ist bei der Abwicklung erfolgreicher als die Mitbewerber. Laut einer Untersuchung von Scope liegt die Auszahlungsquote bei einer Reihe von Fonds bislang unter zehn Prozent des eingezahlten Kapitals. Hingegen hat Kanam den US-Grundinvest bereits komplett aufgelöst. Bei dem erst seit März in Auflösung befindlichen Fonds wurden aus dem einst 6,3 Mrd. Euro schweren Portfolio bislang sieben Immobilien im Gesamtwert von 1,9 Mrd. Euro veräußert.
Der neue Fonds werde in langfristig vermietete Büroimmobilien europäischer Metropolen nördlich der Alpen investieren, sagt der Kanam-Sprecher. "Als Beimischung sollen mittelfristig auch einige Objekte in den Kernzentren nordamerikanischer Großstädte hinzukommen."