Trends ändern sich - besonders schnell in Schwellenländern. Eine wachsende Mittelschicht entwickelt neue Bedürfnisse, wie man derzeit in China beobachten kann: Wenn Chinesen shoppen gehen, landen immer häufiger Computer oder Smartphones in ihrem Einkaufskorb. Nicht mehr nur Basiskonsumgüter für die Masse oder Luxusartikel für die Reichen sind gefragt, sondern auch Lifestyleprodukte aus der Telekommunikation und dem IT-Bereich. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht des Analysehauses S&P Capital IQ.
Konsumtrends können Managern von Schwellenländerfonds nicht egal sein. Die meisten von ihnen setzen stark auf den wachsenden Binnenkonsum. Schwenken Verbraucher von einem Sektor auf einen anderen um, stehen Fondsmanager vor der schwierigen Entscheidung, ob sie mitgehen - oder abwarten, ob es sich nicht nur um ein Strohfeuer handelt. Die richtige Wahl kann für die Rendite des Fonds eine große Rolle spielen.
Nick Price versucht vor allem, langfristige Entwicklungen im Konsumverhalten auszumachen. "Ein gutes Beispiel für einen Trend mit langfristigem Potenzial ist der Bierkonsum in Nigeria", sagt der Manager des Fonds Emerging Europe, Middle East & Africa der Investmentgesellschaft Fidelity. Dort liege der Pro-Kopf-Verbrauch bei elf Litern im Jahr. Im nahe gelegenen Ghana seien es fast 50 Liter jährlich. Zweistellige Wachstumsraten seien also weiterhin wahrscheinlich. Price hält Aktien der lokalen Großbrauerei Nigerian Breweries und des britischen Bierproduzenten SAB Miller, der ein starkes Standbein in Schwellenländern hat.
Grundsätzlich seien Trends im Binnenkonsum an den Entwicklungsstand eines Landes gekoppelt, ist der Fidelity-Manager überzeugt. "Je weiter ein Land in seiner Entwicklung ist, desto höher ist die Chance auf Wachstum im Markt für teure Konsumgüter", sagt er. "Umgekehrt bieten Länder, die noch am Anfang ihrer Entwicklung stehen, großartige Möglichkeiten für Hersteller von Basiskonsumgütern."
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Viele Manager von Schwellenländerfonds zeigen sich gegenüber neuen Konsumtrends erst einmal skeptisch. Für sie ist wichtig, dass ein Unternehmen langfristige Wettbewerbsvorteile mitbringt, etwa Marktführer in seiner Nische ist. Und nicht, dass es um jeden Preis kurzfristig aufflackernde Verbrauchergelüste bedient. "Konsumtrends fließen bei uns in die langfristige Bewertung von Unternehmen ein", sagt Amit Mehta, Manager des Fonds JPM Emerging Markets Small Cap der Investmentgesellschaft JP Morgan Asset Management, der aktuell zu rund 40 Prozent in Konsumunternehmen investiert ist. Mehta unterscheidet zwischen kurzen, zyklischen Trends und strukturellen, also langfristigen Entwicklungen. Interessant findet er vor allem Letztere. "Weiterhin steht die Frage im Raum, ob Unternehmen Wettbewerbsvorteile vorweisen können, um von einem Trend überproportional zu profitieren", sagt er. Am Ende schaut er sich noch an, ob das überdurchschnittliche Wachstum durch einen Trend bereits im Aktienkurs vorweggenommen ist.
Bei der Fondsgesellschaft der Banque de Luxembourg ist man noch vorsichtiger. "Wir bevorzugen in den meisten Fällen, uns nicht an neuen Trends zu beteiligen", sagt Marc Erpelding, Manager des Fonds BL-Emerging Markets. Großes Wachstum in einem Sektor sei schließlich nicht gleichzusetzen mit hoher Rentabilität. "Oft müssen Unternehmen in neuen Wachstumsbereichen hohe Investitionskosten aufbringen, und die künftigen Erträge sind mit einer größeren Unsicherheit behaftet. Zudem entdecken viele Unternehmen diese neue Wachstumsnische für sich." Der Wettlauf um den höchsten Marktanteil könne sich negativ auf die Margen der Unternehmen auswirken.
Um von Konsumtrends in Schwellenländern zu profitieren, können Anleger auch in ausgewiesene Konsumgüterfonds investieren. Denn die sind oft stark in Schwellenländern engagiert. Und haben zuletzt bessere Ergebnisse geliefert als Schwellenländer-Aktienfonds - bei geringerem Risiko, zeigen Zahlen der Fondsratingagentur Morningstar: Auf Drei-Jahres-Sicht brachten sie mit rund 15 Prozent Plus jährlich fast das Doppelte wie globale Emerging-Markets-Produkte.