Kopf des Tages:Hamid Bin Sajid Al Nahjan - Großkaliber
Als neuer Chef des weltgrößten Staatsfonds Adia verwaltet Hamid bin Sajid al Nahjan 625 Mrd. $. Für kapitalhungrige deutsche Unternehmen ist die Ernennung eine gute Nachricht: Der Hobbyjäger ist Deutschlandfan.
von Claus Hecking
Wenn Hamid Bin Sajid Al Nahjan mal wieder auf Deutschlandtour geht, ruft er gern bei Gunther Stoschek an. Stoschek ist Verkaufschef des Allgäuer Jagdgewehrherstellers Blaser - und der Prinz aus Abu Dhabi ein glühender Verehrer seiner Präzisionswaffen. Erst kürzlich hat Blaser eigens für den besten Einzelkunden die R 93 Duo Hamed entworfen: eine Sonderanfertigung, mit der der leidenschaftliche Jäger aus Arabien in wenigen Sekunden vier Patronen abfeuern kann. Die Repetierbüchse mit vergoldetem Abzug sowie Rosenornamenten und Arabesken auf dem Verschluss dürfte Hamid locker 100.000 Euro oder auch mehr kosten. Peanuts für ihn.
Hamed bin Said al-Nahjan, der neue Chef des Staatsfonds Abu Dhabi Investment Authority (ADIA)
Künftig gebietet der 39-Jährige über rund 625 Mrd. $. So groß ist nach Schätzung von Finanzexperten das Vermögen der Abu Dhabi Investment Authority, des größten Staatsfonds der Erde. Am Mittwoch hat das Königshaus Hamid zum neuen Adia-Chef ernannt: als Nachfolger seines Bruders Ahmed, der Ende März bei einem Flugzeugabsturz in Marokko ums Leben kam.
Szenekenner halten den langjährigen Wirtschaftsminister für den richtigen Mann auf dem wichtigsten Managerposten im Nahen Osten. "Er ist hochintelligent", lobt der britische Abu-Dhabi-Experte Christopher Davidson, "diskret und vor allem erfahren."
Schon als Chef der Behörde für Planung und Wirtschaft bis 2006 liefen alle wichtigen Entscheidungen in Abu Dhabi über Hamids Tisch. Dann saß der Absolvent der Cardiff University im Supreme Petroleum Council, der die verstaatlichte Ölindustrie mit ihren Tageseinnahmen von derzeit gut 200 Mio. $ überwacht. Und nebenbei verantwortete Hamid als Chairman von Etihad Airways die rasante Expansion der Fluggesellschaft in alle Welt.
Für Deutschland hat der Prinz seit jeher ein Faible. 2004 initiierte er den geplanten Einstieg von Abu Dhabi bei Volkswagen, der schließlich am Preis scheiterte. Wenig später rief Hamid gemeinsam mit dem damaligen Kanzler Gerhard Schröder das erste deutsch-emiratische Wirtschaftsforum ins Leben. Dieses Treffen von Managern aus Deutschland und seinem Land sei vorbildhaft für die Beziehungen zwischen Europa und der Golfregion, sagte Hamid damals.
Seine Adia ist schon jetzt an einer Reihe hiesiger Unternehmen beteiligt - abgesehen vom Immobilienentwickler Colonia Real Estate allerdings nur im kleinen Stil. Bis vor Kurzem blieb die verschwiegene Adia bei Aktienkäufen fast immer unter der Meldeschwelle. Erst zuletzt leitete Hamids Vorgänger Ahmed eine vorsichtige Öffnung ein. "Dieser Kurswechsel wird unter dem neuen Chef weitergehen", prophezeit Abu-Dhabi-Kenner Davidson. Vielleicht ruft Hamid Al Nahjan dann ja auch bald mal bei einem Dax-Konzern an. Am liebsten jagt er nämlich Großwild.
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