Es ist noch nicht lange her, da galt die deutsche Fondsbranche als relativ stetig und verlässlich. Die großen Gesellschaften deckten mit ihren Produkten die großen Märkte ab, und der ein oder andere spezialisierte sich auf eine Branche oder Region, für die er über besonders viel Expertise verfügte. Nur selten wurden Fonds geschlossen oder zusammengelegt.
In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Situation grundlegend geändert. Ob Klimawandel, Schwellenländer oder Rohstoffe, für jedes große Thema muss jede Gesellschaft heute mindestens einen neuen Fonds auflegen - egal, ob sie das dazu nötige Know-how hat oder nicht. Der Vertrieb gibt dabei den Takt vor: Wer kein Produkt in der Palette hat, ist draußen. Die Gesellschaften sind so zu Kaufhäusern geworden, die von allem etwas anbieten, aber vieles nicht richtig machen.
Besonders schlimm wurde es 2008: Wer die Abgeltungsteuer und die erhoffte Schlussverkaufsstimmung der Anleger zum Verkauf neuer Fonds nutzen wollte, der musste auch eine möglichst große Palette vorweisen. Nun bezahlen die Anleger für diese Strategie. Vordergründig werden die Fonds wegen mangelnden Volumens geschlossen. Doch das ist in der Regel nur ein Abbild schlechter Performance. Jede Schließung oder Fusion ist das Eingeständnis, dass das Fondsmanagement versagt und der Anleger ein schlechtes Geschäft gemacht hat - eine Ausnahme kann es allenfalls geben, wenn zwei Investmentfirmen fusionieren.
Für die Fondsgesellschaften haben die Aufräumaktionen dagegen sogar Vorteile: Indem sie schlechte Fonds schließen oder zusammenlegen, hübschen sie ihre Gesamtbilanz auf, wenn am Ende des Jahres abgerechnet wird.
Langfristig werden sie mit dieser Strategie jedoch nicht durchkommen. Dort, wo sie die Wahl haben, stecken die Anleger ihr Geld schon jetzt oft nicht mehr in aktiv gemanagte Produkte, sondern in Discountangebote: günstige Indexfonds, die ohne hoch bezahlte Fondsmanager auskommen. Spezialthemen werden zudem immer stärker und oft besser von kleinen Fondsboutiquen abgedeckt.
Die großen Gesellschaften, allen voran
DWS und Allianz Global Investors, stehen dazwischen. Sie müssen sich schleunigst überlegen, wie sie sich positionieren wollen. Sonst droht den Anlagekaufhäusern ein ähnliches Schicksal wie den Warenhäusern: zwischen Discountern und Spezialanbietern zerrieben zu werden.