FTD.de » Finanzen » Investmentfonds » Insiderindizes - Gehen, wenn's am schönsten ist

Merken   Drucken   08.09.2009, 20:44 Schriftgröße: AAA

Leitartikel: Insiderindizes - Gehen, wenn's am schönsten ist  

Die kräftigen Aktienverkäufe von Konzerninsidern in Deutschland und den USA nehmen zwar keinen Wirtschaftseinbruch vorweg. Sie weisen aber darauf hin, dass die größte Party an der Börse vorbei ist, weil die Märkte den Aufschwung bereits eingepreist haben.
So sehen die Anzeichen für einen Aufschwung aus: Der deutsche Aktienmarkt hat in den vergangenen Monaten kräftig zugelegt, die Frühindikatoren klettern nach oben, die Wirtschaft verzeichnet im zweiten Quartal wieder Wachstum, und jetzt endlich erholen sich auch die Exporte. Da passt es nicht ins Bild, dass ausgerechnet jene, die am nächsten dran sind an der Lage in den Unternehmen, den Optimismus nicht zu teilen scheinen: Manager in Deutschland wie auch in den USA haben zuletzt so viele Aktien ihrer Konzerne verkauft wie seit Jahren nicht - offenbar, weil sie erwarten, dass der Hausse an den Börsen bald wieder die Luft ausgehen könnte.
Doch so eklatant die Kluft zwischen der Skepsis der Unternehmensinsider und der allgemein guten Anlegerstimmung auch ist, man sollte ihre Aussagekraft mit Vorsicht genießen. Natürlich haben Manager einen gravierenden Wissensvorsprung gegenüber anderen Marktteilnehmern, wenn es um ihre eigenen Unternehmen geht. Werfen die Insider jetzt Aktien auf den Markt, kann das jedoch zweierlei bedeuten. Entweder wissen sie mit dem Blick auf ihre Auftragslage, dass sie bald schlechte Nachrichten verkünden müssen und wollen vorher Kasse machen. Oder sie gehen davon aus, dass die jüngste Hausse an der Börse den Aufschwung bereits vorweggenommen hat - dass die Unternehmen also schon ausgesprochen positive Überraschungen liefern müssen, damit der Aktienkurs weiter kräftig zulegt.
Vieles spricht derzeit für die zweite Erklärung. Zwar kann man tatsächlich davon ausgehen, dass die Folgen der Rezession auch in vielen Bilanzen von Unternehmen aus der Realwirtschaft in den kommenden Quartalen noch Spuren hinterlassen werden. Betrachtet man die konjunkturellen Frühindikatoren und die ersten harten realwirtschaftlichen Daten, steht ein neuer Absturz aber nicht bevor.
Die kräftigen Aktienverkäufe der Konzerninsider nehmen daher keinen realen Einbruch vorweg. Sie weisen aber darauf hin, dass der beste Teil der Börsenparty vorbei ist.
  • Aus der FTD vom 09.09.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 09.09.2009 11:15:00 Uhr   Hans K.: Alles Metapher

    Eingepreist wird ständig. Die Frage ist nicht, was bereits eingepreist ist, sondern was demnächst eingepreist wird. Diese Auskunft fehlt im Leitartikel. Sie muss natürlich fehlen, dann da handelt es sich um zukünftige Informationen. Und die Zukunft ist bekanntlich unsicher. Infofern ist Ihr Hinweis, dass die Märkte den Aufschwung bereits eingepreist hätten, nur eine schöne Metapher, sonst nichts. Davon abgesehen, ist über den Vorgang der Einpreisung von Informationen in Kursen wenig bekannt. Fama sagt dazu auch nichts Genaues. Manchmal muss man glauben, dass das auch niemand so genau wissen will, denn dann wäre Konkretheit gefragt und die Zeit der Metaphern vorbei. Übrigens: Mit der Effizienz scheint es genauso zu sein. Man behauptet einfach, Märkte seien effizient. Wer daran zweifelt oder mehr weiss, wird ignoriert. Basta.

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