So sehen die Anzeichen für einen Aufschwung aus: Der deutsche Aktienmarkt hat in den vergangenen Monaten kräftig zugelegt, die Frühindikatoren klettern nach oben, die Wirtschaft verzeichnet im zweiten Quartal wieder Wachstum, und jetzt endlich erholen sich auch die Exporte. Da passt es nicht ins Bild, dass ausgerechnet jene, die am nächsten dran sind an der Lage in den Unternehmen, den Optimismus nicht zu teilen scheinen: Manager in Deutschland wie auch in den USA haben zuletzt so viele Aktien ihrer Konzerne verkauft wie seit Jahren nicht - offenbar, weil sie erwarten, dass der Hausse an den Börsen bald wieder die Luft ausgehen könnte.
Doch so eklatant die Kluft zwischen der Skepsis der Unternehmensinsider und der allgemein guten Anlegerstimmung auch ist, man sollte ihre Aussagekraft mit Vorsicht genießen. Natürlich haben Manager einen gravierenden Wissensvorsprung gegenüber anderen Marktteilnehmern, wenn es um ihre eigenen Unternehmen geht. Werfen die Insider jetzt Aktien auf den Markt, kann das jedoch zweierlei bedeuten. Entweder wissen sie mit dem Blick auf ihre Auftragslage, dass sie bald schlechte Nachrichten verkünden müssen und wollen vorher Kasse machen. Oder sie gehen davon aus, dass die jüngste Hausse an der Börse den Aufschwung bereits vorweggenommen hat - dass die Unternehmen also schon ausgesprochen positive Überraschungen liefern müssen, damit der Aktienkurs weiter kräftig zulegt.
Vieles spricht derzeit für die zweite Erklärung. Zwar kann man tatsächlich davon ausgehen, dass die Folgen der Rezession auch in vielen Bilanzen von Unternehmen aus der Realwirtschaft in den kommenden Quartalen noch Spuren hinterlassen werden. Betrachtet man die konjunkturellen Frühindikatoren und die ersten harten realwirtschaftlichen Daten, steht ein neuer Absturz aber nicht bevor.
Die kräftigen Aktienverkäufe der Konzerninsider nehmen daher keinen realen Einbruch vorweg. Sie weisen aber darauf hin, dass der beste Teil der Börsenparty vorbei ist.