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Merken   Drucken   22.11.2011, 09:57 Schriftgröße: AAA

Nachhaltiges Investment: Von Nachhaltigkeit und Rendite profitieren

Investmentfonds, die auf erneuerbare Energien oder andere Öko-Branchen setzen, liegen im Trend. Doch selbst die Bestseller unter den Nachhaltigkeitsfonds schneiden schlechter ab als der breite Markt. Das Depot bereichern Sie nur als vorsichtige Beimischung. von Wolf Brandes
Den Streit, ob grüne Geldanlagen eher Rendite kosten oder einen Zusatzertrag bringen, gibt es vermutlich schon seit 20 Jahren. Damals kam mit dem Hypo Umweltfonds eines der ersten nachhaltigen Produkte auf den deutschen Markt. Mittlerweile, so scheint es, ist die Debatte entschieden: Anleger können davon profitieren, wenn dem Depot nachhaltige Kapitalanlagen beigemischt werden - so das Fazit vieler Studien über nachhaltige Investments. "In unseren Beispielrechnungen zeigt sich, dass sich bei gleichbleibendem Risiko die jährliche Renditeerwartung im Portfolio um etwa 0,3 Prozentpunkte erhöhen lässt", sagt Steffen Hörter von Risklab, einer Tochter der Fondsgesellschaft Allianz Global Investors (AGI).
Ein Blick auf die Bestseller unter den nachhaltigen Investmentfonds legt einen anderen Schluss nahe: Die Spitzenfonds erzielten in den vergangenen Jahren eine deutliche schlechtere Wertentwicklung als der breite Markt. Viele Anleger, die auf nachhaltige Fonds gesetzt haben, mussten kräftige Verluste hinnehmen. So büßte der von AGI verwaltete Allianz RCM Global Ecotrends auf Sicht von drei Jahren 45 Prozent ein, während der Aktienmarkt gemessen am MSCI-World-Index elf Prozent verlor.
Empfindlicher Aderlass
Andere grüne Flaggschiffe hat es ebenfalls erwischt, etwa den DWS Klimawandel: "Als Fonds mit Fokus auf Energieeffizienz ist das Produkt kein klassischer Nachhaltigkeitsfonds. Ein Vergleich mit dem breiten MSCI World passt ohnehin nicht", wendet Nicolas Huber, Manager des Fonds, ein. Branchen wie Wind und Solar seien stark abhängig von der Politik. "Von dem Schwung der Klimakonferenzen ist aber nicht viel übrig geblieben", so Huber.
Nachhaltige Investmentfonds im Performancevergleich   Nachhaltige Investmentfonds im Performancevergleich
Trotz roter Zahlen boomt das Segment - jedenfalls auf den ersten Blick. "Nachhaltige Publikumsfonds im deutschsprachigen Raum: Wachstum setzt sich fort", heißt es im Newsletter der Analysefirma Oekom Research mit Bezug auf die Zahlen des dritten Quartals, die vom Sustainable Business Institute (SBI) ermittelt werden. Bei einer genauen Betrachtung zeigt sich indes, dass im laufenden Jahr in erster Linie die Anzahl der Produkte stark zugenommen hat, während das in nachhaltigen Fonds verwaltete Volumen eher bescheiden von 30 Mrd. auf 32 Mrd. Euro gestiegen ist. Und das auch nur deshalb, weil zahlreiche Fonds mit einem Gesamtvolumen von 1,9 Mrd. Euro neu in die Statistik aufgenommen wurden - Fonds, "die entweder bereits in anderen Ländern zugelassen waren oder neuerdings Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen".
So betrachtet sammelten ökologisch-ethische Fonds 2010 per Saldo kein frisches Geld ein. Das gilt speziell für grüne Aktienfonds, deren Vermögen in den ersten neun Monaten nur um 0,9 Prozent von 21,1 Mrd. auf 21,3 Mrd. Euro gestiegen ist, obgleich der MSCI World in diesem Zeitraum rund fünf Prozent zugelegt hat.
Viele grüne Flaggschifffonds leiden an einem empfindlichen Aderlass. Der DWS Klimawandel sammelte im ersten Jahr nach seiner Auflage 850 Mio. Euro ein, Ende 2010 war der Fonds nur noch 225 Mio. Euro schwer. Mittelabflüsse und Wertverluste haben ihn schrumpfen lassen. Anteilsverkäufe musste auch der Allianz RCM Global Ecotrends hinnehmen, aus dem 2010 rund 145 Mio. Euro abgezogen wurden. Auch der Ökoworld Ökovision Classic, der als "eine besondere Erfolgsstory für die gelungene Verbindung von Ökologie und Ökonomie" herausgestellt wird, weist seit 2008 in den Jahresbereichten ein negatives Mittelaufkommen aus.
Mittelabflüsse werden in der Branche eher zurückhaltend angesprochen. "Das Interesse an nachhaltigen Investmentprodukten wächst - aber nur dort, wo auch die Performance stimmt", sagt Björn Drescher, Herausgeber des Anlegerbriefs "Fonds im Visier", auf dem Sustainability-Congress 2010 in Bonn. Doch selbst wenn die Zahlen einigermaßen stimmen, fällt es den Anbietern schwer, die Kunden zu halten.
Zu den erfolgreicheren Portfolios zählt der Pioneer Global Ecology. Aber auch Manager Christian Zimmermann weiß, wie unbedeutend grüne Fonds nach wie vor sind: "Das Segment ist immer noch eine Nische. Wir reden über einen einstelligen Prozentsatz, der nachhaltig investiert ist." Mehr wird es bei ihm derzeit auch nicht, in den vergangenen drei Jahren sind aus dem Pioneer Global Ecology fast 300 Mio. Euro abgeflossen.
Trotz der Rückschläge sind viele Profis überzeugt, dass Anleger auf lange Sicht mit nachhaltigen Investment sowie Umwelttechnikfonds mehr Geld verdienen können als mit einem herkömmlichen Portfolio. Helfen könnten dabei auch neue Leute: Beim Allianz RCM Global Ecotrends hat man die Performanceschwäche erkannt und Mitte 2010 mit Vipin Ahuja einen neuen Fondsmanager verpflichtet. Der hat bereits in den ersten Monaten den Turnaround geschafft. Ob die Wende nachhaltig ist, wird sich zeigen müssen.
  • FTD.de, 22.11.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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