Der Kurseinbruch an den Weltbörsen hat die Privatanleger vollkommen verunsichert und alles andere überlagert. Allein im Monat Oktober zogen Anleger aus deutschen Publikumsfonds 46,3 Mrd. Euro ab.
Vor allem ist bislang aus dem mehrfach prophezeiten Siegeszug der Dachfonds wenig geworden. Tatsächlich befinden sich diese Fonds, die selber in Aktien-, Renten- und andere Fonds investieren, seit Jahren auf einem absteigenden Ast. Das belegen Zahlen der DAB Bank über Veränderungen in ihren Anlegerdepots seit dem Jahr 2000. Hatten damals noch knapp zwölf Prozent der DAB-Kunden einen Dachfonds im Depot, waren es im Oktober 2008 nur noch gut sieben Prozent.
Die DAB Bank als größte unabhängige Fondsplattform mit einem verwalteten Fondsvermögen in Höhe von über 14 Mrd. Euro, das auf rund eine halbe Million Depots verteilt ist, hat in einer umfangreichen Auswertung die Bedeutung von Fonds in den Privatanlegerdepots analysiert. Die Zahlen der Direktanlagebank sind ein guter Spiegel für die Entwicklung der Vorlieben der Anleger, weil die Anlageentscheidung kaum durch Beratung seitens der Bank verzerrt ist.
Dachfonds wurden in den vergangenen Monaten gepriesen als besonders geeignet zur Vermögensanlage vor der zum Jahreswechsel kommenden Abgeltungsteuer. Ab 2009 fällt auf den Wertzuwachs von Aktien und Anleihen wie von Investmentfonds die Abgeltungsteuer von 25 Prozent plus Solizuschlag an. Wer noch vor Jahresende kauft, genießt jedoch noch Bestandsschutz. Bei Dachfonds geschieht die Umschichtung auf Ebene der Fondsgesellschaft und bleibt damit abgeltungsteuerfrei. Die weiterhin geringe Bedeutung von Dachfonds bestätigt die Beobachtung von Branchenkennern, dass die Abgeltungsteuer bislang für das Anlageverhalten der Deutschen kaum eine Rolle gespielt hat.
Im Gegenteil. Jüngste Zahlen des Branchenverbands BVI vom Oktober zeigen dramatische Mittelabflüsse aus Investmentfonds. Danach waren die Abflüsse aus Renten- und Geldmarktfonds besonders hoch.
Noch geben die Fondsvertriebschefs das Jahr allerdings nicht verloren und hoffen auf ein gutes Dezembergeschäft. Bestärkt werden sie darin von jüngsten Umfragen des Marktforschungsinstituts Psychonomics, wonach gut ein Drittel der Deutschen "gelegentlich darüber nachdenkt", wegen der Abgeltungsteuer die Vermögensstruktur zu ändern. 38 Prozent der Bürger, denen die Abgeltungsteuer grundsätzlich bekannt ist, wollen sich laut Psychonomics bis zum Jahresende daher noch persönlich beraten lassen.
Weitgehend stabil in der Anlegergunst hielten sich in den zurückliegenden Jahren Aktienfonds. In etwa drei Vierteln der Depots findet sich mindestens ein Aktienfonds. Aufgrund der Aktienkursverluste ist der Volumenanteil allerdings von 62,1 Prozent im Jahr 2006 auf zuletzt nur noch 47,3 Prozent abgestürzt. Und: Erstmals seit Langem haben die Deutschen mehr Vermögen in Renten- als in Aktienfonds.
In der Gunst der Anleger verloren haben in den vergangenen Jahren thematisch ausgerichtete Branchenfonds. Hatten im Jahr 2000 zum Höhepunkt der Technologie-Hausse fast 60 Prozent der DAB-Kunden einen solchen Branchenfonds im Depot, waren es zuletzt nur noch rund 33 Prozent. Dahinter verbirgt sich vor allem der Frust der Anleger über die Entwicklung von Internet-, Biotech- und Medientiteln nach 2000. Die stark zunehmende Popularität von Fonds mit Nachhaltigkeitsanspruch und von Rohstofffonds konnte den Rückgang nur teilweise kompensieren. "Die Erfahrung hat gezeigt, dass es mit Branchen auf- und auch wieder abwärtsgehen kann. Die Depotinhaber wollen sich daher immer weniger auf eine Branche festlegen", sagt Jürgen Eikenbusch von der DAB Bank.
Der Renner der vergangenen Jahre waren börsengehandelte Indexfonds (ETFs). Im Jahr 2000 fehlten sie noch völlig. Heute sind sie bei der DAB Bank in fast acht Prozent aller Depots. "Hier dürfte die günstige Kostenstruktur eine Rolle gespielt haben", so Eikenbusch.