Merken
Drucken
26.01.2009, 14:58
Schriftgröße: AAA
Pharmafonds:
Valium fürs Depot
In den vergangenen Monaten haben sich die Dividendenpapiere von Pharma- und Biotechnologieunternehmen als Hort der Stabilität erwiesen. Zwar verbuchten auch sie Kursverluste, jedoch deutlich weniger als der Gesamtmarkt.
von André Schmidt-Carré
Während etwa der MSCI World in Euro gerechnet binnen Jahresfrist um mehr als 30 Prozent einbrach, verzeichnete der Branchenindex Pharma und Biotechnologie nur ein Minus von rund sieben Prozent.
Auch in den kommenden Monaten werden die Unternehmen der beiden Branchen Stabilität in Aktiendepots bringen, prophezeit Thomas Bucher, Portfoliomanager beim Fondsanbieter DWS. "Die Unternehmen werden ihre Prognosen erfüllen", ist sich Bucher sicher. Anleger müssen also nicht befürchten, dass unerwartet schlechte Geschäftszahlen die Kurse drücken. Bucher rechnet für die Pharmaunternehmen sogar mit einem deutlichen Ertragswachstum: "Die Gewinne der Branche werden im laufenden Jahr durchschnittlich um acht Prozent zulegen."
Die Gesundheitswirtschaft gilt traditionell als besonders krisenresistent. Denn rund die Hälfte des Umsatzes stammt aus staatlichen Töpfen oder von Krankenversicherungen. "Die Nachfrage ist äußerst stabil", bestätigt Derek Taner, Portfoliomanager beim Fondsanbieter Invesco. "Selbst bei Ausgaben, die Versicherte selbst tragen müssen, sparen sie in der Regel auch in der Krise nicht." Zuallererst gilt das für lebenswichtige Medikamente.
Ausgewählte Pharmafonds
So steht es nicht im Widerspruch zur Konjunkturkrise, dass deutsche Gesundheitswirtschaftsfirmen zuversichtlich ins neue Jahr gestartet sind. Die Unternehmen zeigen sich für 2009 sogar optimistischer als ein Jahr zuvor, belegt eine Umfrage des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller: Fast drei Viertel der Firmen rechnen für das laufende Jahr mit einem steigenden Umsatz. Gerade einmal 12,5 Prozent warnen vor einem Rückgang.
Grundlegende Probleme
Die kurzfristige Euphorie kann aber nicht über die grundlegenden Probleme der Branche hinwegtäuschen. Vor allem die Pharmariesen stehen vor großen Herausforderungen: In den kommenden Jahren laufen reihenweise Patente für Medikamente aus, die den Konzernen bisher hohe Umsätze beschert haben. Doch Nachfolgeprodukte für diese sogenannten Blockbuster sind nur wenige in Sicht - trotz hoher Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Zuletzt blamierten sich mehrere Konzerne, als teure Neuentwicklungen kurz vor der Markteinführung scheiterten, zum Beispiel das Schmerzmittel Vioxx von Merck und das Cholesterinmedikament Lipobay von
Bayer .
So könnte die Outperformance von Pharma- und Biotechnologieaktien schon bald wieder ein Ende haben, wenn sich die Stimmung am Aktienmarkt aufhellt. "Dann werden sich Pharma- und Biotechnologieaktien erst einmal schlechter entwickeln als Papiere von Unternehmen anderer Branchen", warnt Bucher. Aktienmarktstrategen rechnen allerdings frühestens zur Jahresmitte mit einem Ende des Bärenmarktes.
Teil 2: Mit welchen Papieren Anleger weiterhin gut fahren
-
FTD.de, 26.01.2009
© 2009 Financial Times Deutschland,
Bookmarken
Drucken
Senden
Leserbrief schreiben
Fehler melden