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Merken   Drucken   05.02.2009, 12:50 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Aktiensparpläne lohnen nicht

Die Zeit heilt alle Wunden, heißt es im Volksmund. Und in der Tat müssen Anleger, die monatlich in einen Aktienfonds einzahlen, sehr geduldig sein. Denn der Börseneinbruch des vergangenen Jahres hat tiefe Wunden gerissen, die nur langsam verheilen. von Karsten Röbisch
Wer in den vergangenen zehn Jahren monatlich 100 Euro in einen deutschen Aktienfonds investiert hat, steht nach Berechnungen des Fondsverbands BVI aktuell mit einer Rendite von minus 3,4 Prozent da - pro Jahr wohlgemerkt. Erst über einen Zeitraum von 15 Jahren weisen die Fonds ein mageres Plus von 0,65 Prozent pro Jahr aus. Nach Abzug der Inflation bleibt jedoch noch immer ein Wertverlust.
Die Statistik ist eine Enttäuschung für viele Anleger und stellt einmal mehr den Sinn von reinen Aktiensparplänen infrage. Dabei propagiert die Finanzbranche regelmäßige Einzahlungen als erfolgreiches Rezept. Ihr Argument: Wer das Geld in kleinen Portionen investiert, meidet den Einstieg zu Höchstkursen, während er in schwachen Börsenphasen deutlich günstiger einkauft. Der durchschnittliche Preis je Anteil liege beim sogenannten Durchschnittskostenverfahren - auch Cost Average (CA) genannt - unterhalb des durchschnittlichen Kurses während der Laufzeit. Dieser Effekt ist unstrittig, er hat jedoch keine Auswirkungen auf den Erfolg. "Wer glaubt, über Sparpläne eine höhere Rendite zu erzielen, liegt falsch", sagt Thomas Langer, Finanzprofessor an der Universität Münster.
Aus 6000 Euro wurden ...   Aus 6000 Euro wurden ...
Zwar lassen sich sehr wohl Zeiträume finden, in denen das CA-Verfahren besser war als die Einmalinvestition. Wer etwa Anfang 2000 einen Betrag von 10.000 Euro in den Dax investierte, verbuchte bis Ende 2008 einen Verlust von 30,8 Prozent. Wer das Startkapital hingegen über acht Jahre verteilt zu jeweils 1250 Euro in Aktien anlegte und den Rest am Geldmarkt platzierte, verdiente schlussendlich 8,7 Prozent. Doch es gab auch Phasen, in denen der Investor mit der Einmalanlage günstiger eingestiegen ist - vor allem in Zeiten steigender Aktienkurse.
Ein Vergleich des Durchschnittskostenverfahrens mit der Vollinvestition ist ohnehin nicht sehr sinnvoll. Weil die Aktienquote bei der CA-Methode per Definition anfangs niedriger ist, unterschieden sich Chancen und Risiken beider Verfahren deutlich. Die Landesbank Berlin (LBB) hat in einer aktuellen Studie beide Strategien rückwirkend seit 1950 für den Dax verglichen. Der Einmalinvestor hätte mit 6000 Euro nach fünf Jahren im Schnitt eine Rendite von 12,5 Prozent pro Jahr erzielt. Ein monatlicher Sparplan für 100 Euro brachte im gleichen Zeitraum im Schnitt einen Jahresertrag von nur 8,9 Prozent. Die bessere Rendite bezahlte der Einmalinvestor jedoch mit einem höheren Risiko: Im schlechtesten Fünfjahreszeitraum verlor er 13,8 Prozent pro Jahr, der Sparplan-Investor dagegen nur 10,3 Prozent.
Für welche Strategie sich Anleger entscheiden, hängt somit von ihrer Risikoneigung ab. Zwar ist gemessen am Risiko das sukzessive Umschichten besser als die Einmalanlage - ein Argument für den Sparplan ist das jedoch nicht. Die LBB-Analysten haben eine bessere Alternative ermittelt: Sie heißt Risikostreuung. Wer zu Beginn der Sparphase 46 Prozent in Aktien angelegt und den Rest am Geldmarkt deponiert hatte, erzielte die gleiche Rendite wie bei der monatlichen Umschichtung - aber bei geringeren Wertschwankungen. Im schlechtesten Fünfjahreszeitraum lag der Ertrag mit minus 2,9 Prozent deutlich höher als beim Sparplan.
Daher sei auch das CA-Verfahren keine geeignete Methode, um einen größeren Betrag am Aktienmarkt zu investieren, resümieren die Analysten. Stattdessen ließe sich mit einer breiten Streuung des Vermögens auf mehrere Anlageklassen wie Aktien, Immobilien und Anleihen das Risiko besser reduzieren.
Die Ergebnisse lassen sich jedoch nicht eins zu eins auf die BVI-Statistik übertragen. Dies würde voraussetzten, dass Anleger vor zehn Jahren die Möglichkeit hatten, alternativ zum Sparplan einmalig 12.000 Euro anzulegen. Diese Wahl haben viele jedoch nicht. Dennoch macht die BVI-Statistik einmal mehr deutlich, auch bei kleinen Beträgen nicht alles auf eine Karte zu setzen. Zum gleichen Schluss kommt Langer: "Anleger sollten nicht glauben, bei einem Sparplan auf Diversifizierung verzichten zu können." Ein Vorteil bleibt: Sparpläne helfen dabei, sich zu disziplinieren. Denn nur wer spart in der Zeit, hat auch in der Not, sagt schon der Volksmund.
Schwankende Erträge
Sparplan Wer von einem Startkapital von 6000 Euro über fünf Jahre hinweg monatlich 100 Euro in den Dax investiert und den Rest am Geldmarkt angelegt hat, erzielte seit 1950 im Schnitt ein Endvermögen von 9197 Euro.
  • FTD.de, 05.02.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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