Bei Dachfonds des Fondsanbieters DWS soll sich künftig einiges ändern. Der neue Leiter der Sparte, Udo Rosendahl, verkündete zum Amtsantritt, er wolle stärker in Fonds investieren, die nicht aus dem eigenen Haus stammen. Dabei hat Rosendahl vor allem Produkte kleinerer Boutiquen im Sinn, etwa den britischen Rentenfondsspezialisten Blue Bay. Auch in börsengehandelte Indexfonds aus dem eigenen und anderen Häusern will er investieren. "Die Kunden erwarten von uns, dass interessante Produkte, die wir nicht selbst anbieten, Berücksichtigung finden", sagt Rosendahl. Der DWS-Dachfonds-Chef gibt sich vorurteilsfrei: "Wir investieren auch in Fonds der Konkurrenz, wenn sie dem strengen Selektionsprozess standhalten." Interessant findet Rosendahl etwa den Rohstofffonds Commodities Plus von Allianz Global Investors (AGI), einem der größten Konkurrenten.
Früher war es alles andere als selbstverständlich, dass Dachfondsmanager der großen Anbieter versuchten, unabhängig von der Kapitalanlagegesellschaft die besten Fonds einer Asset-Klasse ausfindig zu machen. Sie neigten vielmehr dazu, Anlegern ein "Best-of" des eigenen Hauses anzubieten. Mit seiner toleranten Haltung gegenüber hausfremden Zielfonds schließt sich DWS-Manager Udo Rosendahl nun einer neuen Bewegung an. Alle vier großen deutschen Fondshäuser haben sich für Produkte anderer Anbieter geöffnet, die mehr Rendite bringen als die eigenen Produkte oder spezielle Themen bedienen.
So legte Union Investment, die Kunden der Genossenschaftsbanken mit Fonds versorgt, im vergangenen Jahr vier neue Dachfonds auf, die nicht nur in Union-Produkte, sondern auch in Portfolios anderer Anbieter investieren. Im Fachjargon haben solche Fonds eine "offene Architektur". AGI hat 2007 alle Dachfonds auf offene Architektur umgestellt. Die Dachfonds der ehemaligen Commerzbank-Tochter Cominvest, die AGI Anfang des Jahres übernahm, investieren ohnehin schon seit 2004 überwiegend in Fremdfonds - damals war die Commerzbank noch recht einsam mit der Politik der Offenheit. Und die Dekabank, die seit dem Start ihrer Dachfonds vor zehn Jahren mit Kooperationspartnern wie Schroders, JP Morgan und Threadneedle arbeitet, hat die Liste ihrer Partner erst in den vergangenen Jahren nach und nach vergrößert.
Experten begrüßen die Entwicklung als längst überfälligen Dienst am Anleger. "Das ist ein durch und durch positiver Trend, der dem Charakter der Dachfonds entgegenkommt", sagt Wolfgang Schlaffer, Partner der auf Finanzdienstleister spezialisierten Unternehmensberatung ZEB Rolfes Schierenbeck. Schließlich könne eine vorurteilsfreie Zielfondsauswahl die Performance der Dachfonds erheblich verbessern. Dass die großen Anbieter sich nicht früher dazu durchgerungen haben, in hausfremde Zielfonds zu investieren, liegt seiner Einschätzung nach an finanziellen Überlegungen: Wer in Fremdfonds statt eigene Produkte investiert, verzichtet auf einen Teil des Gewinns. Und gibt nebenbei auch zu, dass er nicht überall die besten Produkte zu bieten hat.