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Merken   Drucken   10.03.2008, 11:55 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Börse erspart Fondsgebühren

Gerade in unruhigen Zeiten verkaufen Anleger Fonds günstig auf dem Parkett. Einige Banken erschweren jedoch immer noch den Handel. von Wolf Brandes
Glatt verdoppelt hat sich das Volumen beim Fondshandel an den Börsen im turbulenten Börsenmonat Januar im Vergleich zum Vormonat. Vom rekordverdächtigen Orderbuchumsatz von 1,9 Mrd. Euro im ersten Monat des Jahres entfielen 86 Prozent auf Aktien- und Indexfonds, während Renten- und Immobilienprodukte auch in hektischen Zeiten nicht häufiger gehandelt werden als sonst. Im Februar jedoch ist der Fondsumsatz an den deutschen Parkettbörsen wieder auf Normalniveau zurückgegangen. Auch im November 2007 hatte die Hektik an den Märkten bereits für einen hohen Umsatz im börslichen Fondshandel gesorgt.
Anders als bei der regulären Fondsorder bekommt der Anleger an der Börse vom Makler stets einen Preis gestellt und kann sofort handeln. Auf dem herkömmlichen Weg erfährt er den Preis erst am nächsten Tag. Gerade in turbulenten Zeiten schätzen viele Anleger diesen Vorteil. In Korrekturphasen machen Verkäufe von Anlegern im börslichen Handel bis zu 80 Prozent der Geschäfte aus, nur 20 Prozent sind Käufe - obgleich Anleger ihre Anteile spesenfrei an die Fondsgesellschaft zurückgeben können. Aber eben nicht so schnell und mit ungewissem Ausgang, was den Preis angeht.
Fondsumsatz an deutschen Parkettbörsen   Fondsumsatz an deutschen Parkettbörsen
Keine Kaufgebühr
Es sind aber oft nicht die Schnelligkeit und Sicherheit beim Kurs, die Kunden beim Fondskauf an die Börse locken. An erster Stelle stehen immer noch die niedrigen Kosten, die für den Börsenhandel sprechen. Der Wegfall des Ausgabeaufschlags dürfte für die meisten Anleger das wichtigste Argument sein, bei der Kauforder statt der Fondsgesellschaft einen Börsenplatz anzugeben. Denn wer einen Fonds über die Börse kauft, zahlt nicht die hohe Kaufgebühr von meist fünf Prozent, sondern muss lediglich Orderspesen und Maklercourtage kalkulieren. Hinzu kommt der Spread, da Fonds an der Börse mit Geld- und Briefkursen gehandelt werden.
Insgesamt sind die Kosten für eine Fondsorder über die Börse meist niedriger als bei einem Auftrag an die Fondsgesellschaft. Das gilt auch bei dem üblichen Rabatt auf den Ausgabeaufschlag von 50 Prozent, den Direktbanken gewähren. Keine Konkurrenz ist der Börsenhandel dagegen für Fondsspezialisten, die oft 100 Prozent Nachlass auf den Ausgabeaufschlag geben. Dann ist der Weg über die Börse natürlich teurer.
Dennoch werden die meisten Aufträge weiterhin über die Investmentgesellschaften abgewickelt. "Weniger als ein Prozent des Fondsgeschäfts läuft bislang über die Börse", schätzt Oliver Szabries, Geschäftsführer bei DBM Deutsche Börsenmakler. Genaue Zahlen sind nicht zu ermitteln.
Am Angebot kann die Zurückhaltung der Anleger nicht liegen: Mittlerweile haben die Handelsplätze von Berlin über Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, München bis Stuttgart über 3000 Investmentfonds gelistet. Das Angebot bei Onlinebrokern und Fondsspezialisten ist zwar noch umfassender. Doch es kann sich lohnen, bei den Börsen nachzufragen, ob eine Aufnahme möglich ist. "Bei den meisten Kundenwünschen listen wir die Fonds nach ein bis zwei Wochen", sagt Kay Homann von der Börse Hamburg.
Nicht zuletzt sind es auch einige Banken, die den Börsenhandel immer noch schwer machen. So bieten viele Institute den schnellen Orderweg meist nicht von allein an, sondern nur auf Nachfrage. Andere kassieren zusätzliche Gebühren. Mit dem Hinweis auf die besonders gute Fondsberatung kostet bei der HypoVereinsbank der Kauf eines Fonds über die Börse happige 2,5 Prozent, während es bei Aktien ein Prozent sind. Bei der Berliner Sparkasse fallen bei Fondstransaktionen über eine Börse sogar drei Prozent an. Immerhin: In beiden Häusern müssen Kunden, die via Internet oder Telefon ordern, diese Sondergebühren nicht zahlen.
Besonders schlecht haben es Kunden der Citibank. Während Onlinekunden sonst über die Ordermaske einen Börsenplatz oder die Ausführung über die Fondsgesellschaft wählen können, schließt die Bank jegliche Käufe von Fonds über die Börse aus. Das gilt auch für börsengehandelte Indexfonds (ETFs), die besonders niedrige laufende Kosten haben. "Zurzeit nicht möglich" heißt es auf Anfrage - und das schon seit geraumer Zeit.
Wolf Brandes ist Redakteur beim Anlegermagazin "Börse online".
  • Aus der FTD vom 10.03.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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