Branchenfonds zählen in der Krise zu den Favoriten der Anbieter. Doch ihr enger Fokus macht sie für Privatanleger ungeeignet. Eine Analyse. von Olaf Wittrock
Kann man sein Geld überhaupt noch in Aktien anlegen? Fondsanbieter beantworten diese Frage aus naheliegenden Gründen optimistisch. Da die Weltwirtschaft gerade wenig Anlass zur Zuversicht gibt, läuft die Argumentation vermehrt über sogenannte Branchenfonds.
Die britisch-südafrikanische Fondsgesellschaft Investec lässt wissen, dass Energieaktien im schwankungsreichen Umfeld "extremes Potenzial" besäßen, schließlich seien die Aktienkurse der Öl- und Gasproduzenten gemessen an den Rohstoffpreisen niedrig, die Fusionslust in der Branche sei zugleich hoch. Swiss & Global Asset Management verweist ebenfalls auf die unsicheren wirtschaftlichen Rahmendaten, um dann über "gute Einstiegsmöglichkeiten" bei Luxusgüteraktien zu berichten.
Die seien mit der schlechten Stimmung zwar eingebrochen, entwickelten sich durch weltweit steigenden Wohlstand und Konsum langfristig aber besser als der Gesamtmarkt. Janus Capital macht Stimmung für Pharmaaktien, da viele neue Wirkstoffe in der Erprobung seien, Henderson trommelt für IT-Aktien, Fidelity sieht in China ein "goldenes Konsumzeitalter" anbrechen.
Unter Anlagestrategen rufen die Produkte allerdings wenig Begeisterung hervor. "Die Argumente, mit denen die Anbieter ihre Branchenfonds verkaufen wollen, mögen ja fundamental stichhaltig sein", sagt Natalia Wolfstetter, Analystin beim Fondsratinganbieter Morningstar. "Aber dass sich Rahmenbedingungen wie steigende Konsumnachfrage, Rohstoffknappheit oder die Alterung der Gesellschaft auch wirklich in Aktienkursen niederschlagen, ist keineswegs sicher."
Für Fonds aus der Pharmabranche werde zum Beispiel seit Jahren mit dem ewigen Argument neuer Medikamente getrommelt. "Aber die langfristige Outperformance lässt auf sich warten", sagt Wolfstetter. Für sie bleibt der schale Beigeschmack, dass die Anbieter Branchenfonds schlicht mit schöneren Geschichten verkaufen könnten als breite Fonds: "Denn bei denen müsste man ja gesamtwirtschaftlich argumentieren - und das fällt gerade doch schwer."
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