Nach jahrelangen Ausschüttungsrekorden fallen 2009 die Überweisungen der Unternehmen an ihre Anleger deutlich niedriger aus. Darunter leiden Aktionäre und Fondssparer, Derivateanleger dagegen nicht unbedingt.
Während Aktienanlegern in der Regel kurz nach der Hauptversammlung das Geld überwiesen wird, kommen Fondsanleger entweder direkt oder indirekt in den Genuss der Ausschüttung. Die gängigste Variante sind herkömmlich ausschüttende Fonds. Hier werden die Dividenden der Unternehmen gesammelt und an bestimmten Stichtagen überwiesen. Im Gegensatz dazu werden bei thesaurierenden Fonds die Dividenden wieder angelegt. Dadurch steigert sich im Lauf der Jahre das Fondsvermögen.
Auf indirektem Weg erhalten Anleger die Ausschüttungen, wenn Fondsmanager Derivate einsetzen, etwa Swaps. Mit diesen Tauschgeschäften sichern sich die Fondshäuser die Performance der Basiswerte in einem Index. Üblich ist das bei börsengehandelten Indexfonds (Exchange-Traded Funds, ETFs).
Anleger gehen bei Derivaten nicht leer aus
Bei Derivaten existiert zwar kein Anspruch auf eine Dividende, aber auch bei diesen Produkten gehen Anleger in der Regel nicht leer aus. Je nach Zertifikateart wird die Zahlung unterschiedlich berücksichtigt, und Dividendenkürzungen wirken sich nicht immer gleich aus.
"Bei Derivaten mit Optionskomponenten wie Aktienanleihen, Bonus-, Discount-, Sprint- oder Outperformance-Zertifikaten wird die Dividende bereits vorab bei der Preisbildung berücksichtigt", sagt Holger Bosse, Derivateexperte der Deutschen Bank. Hier muss der Anleger am Tag nach der Hauptversammlung, wenn die Aktie ex Dividende notiert, im Normalfall mit keinen erratischen Kursausschlägen rechnen. Generell gilt bei diesen Papieren, mit denen Anleger auf eine Seitwärtsentwicklung oder auf steigende Kurse setzen können: Je höher die Dividende ist, desto besser sind die Renditechancen für den Investor. Da der Emittent bei der Preisfestlegung die Dividende berücksichtigt, kann er bei einer hohen Ausschüttung beispielsweise bei einem Discountzertifikat mehr Rabatt gewähren oder beim Bonuspapier größere Puffer bieten.
Deutlich sichtbar wird der Dividendenabschlag bei endlos laufenden Knock-out-Papieren: Basispreis und Knock-out-Schwelle werden am Ex-Tag bereinigt. Pascal Nörrenberg, Derivateexperte der Citibank, erklärt das Vorgehen am Beispiel eines Knock-out-Calls, mit dem Anleger auf steigende Kurse wetten: "Wenn ein Unternehmen 2 Euro ausschüttet und vorher die Basis bei 40 Euro lag, dann beträgt die neue Basis 38 Euro. Die Barriere wird entsprechend ebenfalls um 2 Euro reduziert." Nörrenberg sagt für sein Haus: "Wir passen die Bruttodividende voll an." Ebenso verfahren BNP Paribas und Commerzbank. Dem Beispiel folgen aber nicht alle Anbieter: Marktführer Deutsche Bank, der ein Viertel aller Umsätze in Knock-outs verbucht, berücksichtigt bei Wave-XXL-Calls beispielsweise nur 85 Prozent der Dividende. So verfährt inzwischen auch die Royal Bank of Scotland. Die frühere ABN Amro hatte noch 100 Prozent der Dividende berücksichtigt. Wird nicht voll angepasst, geht das zulasten der Anleger. Anders bei Puts für Wetten auf fallende Kurse: Hier berücksichtigen alle Häuser die Dividende voll.