Die Begründung für eine von Fondsgesellschaften erhobene Erfolgsgebühr lautet in der Regel: "Die erfolgsabhängige Vergütung erhöht die Motivation des Fondsmanagers." Tatsächlich aber bringt die Extragebühr den Kunden gar nichts. Im Gegenteil: Investmentfonds mit einer Performance-Fee schneiden im Schnitt schlechter ab als ihre Pendants, die keine solche Gebühr erheben.
Auf Sicht von drei Jahren schaffen Produkte mit Erfolgsgebühr eine jährliche Rendite von 8,9 Prozent, Produkte mit klassischer Vergütung erreichen 10,5 Prozent, ermittelten die Ratinggesellschaft Scope Analysis und die Beratungsfirma MDD Multi Manager. Auch für einen Zeitraum von fünf Jahren bleiben Produkte mit Performance-Fee zurück: Sie erzielen im Schnitt pro Jahr ein Minus von 0,4 Prozent, während Fonds ohne eine Extragebühr auf plus 1,5 Prozent kommen. "Ein Fondsmanager, der erst durch ein Performance-Fee motiviert wird, hohe Renditen für seine Anleger zu erzielen, hat definitiv den falschen Beruf gewählt", sagt MMD-Geschäftsführer Klaus-Dieter Erdmann.
Scope und MDD haben für ihre Untersuchung die Renditen von 7748 Investmentfonds geprüft. Knapp ein Viertel davon verlangt eine erfolgsabhängige Vergütung. Die Analyse verdeutlicht, dass die Argumentation der Fondsanbieter für Erfolgsgebühren ins Leere läuft.
Die erfolgsabhängige Vergütung stammt ursprünglich aus dem Geschäft mit professionellen Investoren. Diese Kunden zahlen häufig eine relativ niedrige Grundvergütung und entrichten dafür zusätzlich eine Gebühr, die sich am Erfolgs des Fonds orientiert. Dieses Konzept wird nun zunehmend auf Produkte für Privatanleger übertragen - allerdings in der Regel, ohne die Grundgebühren zu senken. Sprich: Die Fonds werden teurer. "Die Anbieter haben in den vergangenen Jahren die Performancegebühren auf die bereits bestehenden Fondskosten draufgesattelt", sagt Sasa Perovic, Director Investmentfonds bei Scope. Daher sei es nur logisch, dass Fonds mit der zusätzlichen Belastung im Schnitt schlechtere Renditen erzielten.
Problematisch bei den Erfolgsgebühren ist vor allem ihr asymmetrischer Charakter: Nach einem guten Jahr müssen Anleger die Zusatzgebühr berappen, nach einem schlechten Jahr bekommen sie kein Geld erstattet. Meist werden die Erfolgsgebühren fällig, wenn ein Fonds seinen Vergleichsindex - etwa den Stoxx 50 - innerhalb eines Jahres übertrifft. Anleger müssen dann zum Beispiel 20 Prozent der Mehrrendite zahlen. Etliche Studien haben jedoch gezeigt, dass nur ein Bruchteil der Fonds dauerhaft den Markt übertrifft, was jährliche Erfolgsgebühren somit noch fragwürdiger macht. Teils berechnen Anbieter die Performance-Fee auch pro Halbjahr oder pro Quartal, was für Anleger noch unvorteilhafter ist. Eine andere Variante: Die Extravergütung fällt an, wenn ein Fonds eine bestimmte Renditegröße, beispielsweise fünf Prozent, übertrifft. Perovic nennt deshalb die sogenannte High-Water-Mark als wichtigstes Kriterium. Sie stelle sicher, dass der Investor erst eine Erfolgsgebühr zahlt, wenn der Fonds einen neuen Höchststand erreicht und vorherige Verluste wieder aufgeholt habe.
Besonders oft langen Manager von Mischfonds zu: Gut ein Drittel der 1660 Mischfonds berechnet eine Erfolgsgebühr - was sich auch in der Wertentwicklung besonders negativ bemerkbar macht: Auf Sicht von drei Jahren erzielen Mischfonds ohne Performance-Fee eine jährliche Rendite von 6,5 Prozent, Produkte mit Extravergütung kommen auf nur 3,7 Prozent. Auf lange Sicht entgehen den Kunden somit nennenswerte Erträge. Extrem groß ist der Unterschied bei flexiblen Mischfonds, die hohe Freiheiten genießen - aber mit ihrer Anlagestrategie auch leicht völlig danebenliegen.
Für Anleger bedeuten die Scope-Ergebnisse, dass sie Fonds mit Erfolgsgebühr genau prüfen sollten - im Hinblick auf die Renditeentwicklung und die Ausgestaltung der Vergütung.