Merken
Drucken
11.05.2009, 12:27
Schriftgröße: AAA
Portfolio:
Frei und doch gebunden
Die Idee klingt verlockend: Multi-Asset-Fonds können nicht nur in Papiere einer einzigen Anlageklasse investieren. Stattdessen genießt der Portfoliomanager große Freiheiten.
von Christoph Hus
Er darf neben Aktien und Anleihen auch in Immobilien, Private Equity, Hedge-Fonds oder Rohstoffe investieren. Selbst Derivate sind erlaubt. Außerdem verändert der Manager die Kombination verschiedener Anlageklassen, die sogenannte Asset-Allocation, je nach Marktlage. Vorteil für Anleger: Durch die Diversifizierung sinkt das Risiko.
Doch das Prinzip hat zuletzt nicht funktioniert. Das Problem: Im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise kamen Papiere nahezu aller Anlageklassen unter die Räder. Ausgenommen waren allenfalls Staatsanleihen. "Dadurch war erstmals in der Nachkriegszeit eine Absicherung durch Diversifizierung nicht möglich", klagt Jens Ehrhardt. Der Vermögensverwalter hat mit dem Tri Style Fund ein Multi-Asset-Produkt im Programm. Die Performance liegt auf Jahressicht genauso wie die von Produkten anderer Emittenten zweistellig im Minus.
Aus der Erfahrung der vergangenen Monate hat Ehrhardt für sich die Lehre gezogen: Sollte noch einmal eine ähnliche Baisse drohen, will er nicht versuchen, Verluste zu vermeiden indem er weiter diversifiziert oder in defensive Branchen investiert: "Stattdessen werden wir die Barquote weiter heraufsetzen."
Steckbrief Multi-Asset-Fonds
Mehrere Anbieter von Multi-Asset-Fonds haben sich diese Optionen von vornherein verbaut. Zum Beispiel der LBB Invest Stratego Offensiv. Er legt laut Verkaufsprospekt einen Schwerpunkt auf den Aktienmarkt und kann maximal 49 Prozent des Kapitals in den Geldmarkt investieren. Das hat Anleger zuletzt viel Geld gekostet. In den vergangenen zwölf Monaten haben sie rund 29 Prozent verloren. Anders der Fidelity Multi Asset Strategic Fund. Er ist zu 42 Prozent in Anleihen investiert, weitere 20 Prozent des Kapitals sind am Geldmarkt geparkt.
Auch wenn mithilfe einer solchen Strategie die Verluste begrenzt werden konnten - zu einer positiven Einjahresrendite führte das nicht. So auch beim Multi-Asset-Dachfonds Unistrategie Flexibel: Portfoliomanager Andreas Brandt muss jeweils zehn Prozent des Anlagekapitals in Aktien, Renten, Immobilien und alternative Investments wie Hedge-Fonds und Rohstoffe investieren. Nur über die restlichen 60 Prozent kann er frei entscheiden. An dieser Strategie will Brandt trotz der Verluste in den vergangenen Monaten festhalten. "Wir wollen in den unterschiedlichen Anlageklassen Risikoprämien vereinnahmen", sagt er. "Das ist ein langfristiger Ansatz, der nicht in jedem Jahr aufgehen kann."
Teil 2: Wann Multi-Asset-Fonds Leistung bringen
-
Aus der FTD vom 11.05.2009
© 2009 Financial Times Deutschland,
Bookmarken
Drucken
Senden
Leserbrief schreiben
Fehler melden