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Merken   Drucken   29.07.2009, 08:45 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Geldmarktfonds bluten aus  

Die starken Abflüsse aus Euro-Geldmarktfonds halten an. Laut der aktuellen Absatzstatistik des Bundesverbands BVI zogen Privatanleger im ersten Halbjahr 11,1 Mrd. Euro aus den Produkten ab. Grund sind nicht nur die niedrigen Renditen. von Wolf Brandes
Bereits im zweiten Halbjahr 2008 hatten die Sparer Anteile im Wert von 22,1 Mrd. Euro zurückgegeben. Damit ist das verwaltete Vermögen der Geldmarktfonds - unter Berücksichtung der Wertveränderungen der Portfolios - in nur einem Jahr um 32 Prozent geschrumpft. Demgegenüber reduzierte sich das in Aktienfonds verwaltete Kapital nur um 20 Prozent - trotz der hohen Kursverluste. Bei offenen Immobilienfonds blieb das Volumen konstant.
Deutliche Zuwächse im Neugeschäft verbuchten unter den Publikumsprodukten die Aktienfonds. Die Anteilsklasse gewann im ersten Halbjahr 4,9 Mrd. Euro netto dazu. Nach Angaben des BVI entfällt ein Großteil der Zuflüsse auf Aktienfonds mit Schwerpunkt Deutschland und auf global investierende Fonds. Spitzenreiter im laufenden Jahr waren jedoch börsengehandelte Indexfonds mit 3,5 Mrd. Euro, die überwiegend von institutionellen Investoren gekauft werden - und nicht von Privatanlegern.
Dazu passen die Ergebnisse einer Umfrage im Auftrag der Fondsgesellschaft Axa Investment Managers, die am Dienstag präsentiert wurden. Demnach hat das Vertrauen der Anleger in Investmentfonds deutlich abgenommen: Nur noch 42 Prozent der Deutschen halten die Produkte für ein geeignetes Altersvorsorge-Instrument; im Vorjahr waren noch mehr als zwei Drittel der Befragten der Ansicht.
Die starken Abflüsse bei Cash-Produkten haben mehrere Gründe. Neben dem Zinsrückgang, der die Erträge schmälert, sorgte die Anlagepolitik sogenannter chancenorientierter Geldmarktfonds für großes Misstrauen unter den Anlegern. Sie hatten ihren Portfolios Wertpapiere beigemischt, die mit Immobilienkrediten besichert waren. Während der Finanzkrise verloren die Papiere jedoch dramatisch an Wert, was auch bei den als sicher geltenden Geldmarktfonds zu Verlusten führte. Viele Geldmarktfonds wurden zudem als Steuersparprodukt verkauft, doch dieser Anreiz besteht seit Einführung der Abgeltungsteuer zu Jahresbeginn nicht mehr.
Für die Anbieter hält sich die Überraschung denn auch in Grenzen. So hatte Union Investment selbst hohe Abflüsse von 1 Mrd. Euro aus dem steueroptimierten Uniopti 4 erwartet. "Wie auch bei den Geldmarktfonds sind die niedrigen Renditen für viele Anleger hier das entscheidende Argument für den Verkauf", so Rüdiger Ginsberg, Chef von Union Investment. Ein Teil der Gelder konnte "in höher rentierliche Anlagen wie offene Immobilienfonds oder Garantiefonds" umgeschichtet werden. Ginsberg zufolge sind besonders offene Immobilienfonds gefragt. "Derzeit fließen pro Tag circa 15 Mio. Euro in unsere offenen Immobilienfonds."
Union Investment sammelte allein im Juni fast 500 Mio. Euro für ihre drei offenen Immobilienfonds ein und liegt mit einem Zufluss von insgesamt 1,4 Mrd. Euro im laufenden Jahr auf Platz eins unter den Anbietern von Immobilienfonds. Auch Marktführer Deka kommt in den ersten sechs Monaten auf ein gutes Neugeschäft von 1,1 Mrd. Euro. Die Zuflüsse der beiden Häuser sind umso erstaunlicher, als immer noch sieben Produkte die Anteilsrücknahme ausgesetzt haben, weil sie nicht über genug Liquidität verfügen.
  • Aus der FTD vom 29.07.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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