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Merken   Drucken   02.02.2009, 11:36 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Geldmarktfonds unter Renditedruck

Unerfreuliche Nebenwirkungen: Durch die Zinssenkungen der EZB werden auch die Renditen für Sparer deutlich geringer. Und auch für die Fondsmanager wird es immer schwerer, aus dem Niedrigzinsmarkt noch ein paar Punkte herauszuquetschen. von Olaf Wittrock
Die Trendwende in der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) vollzog sich schnell: Im Oktober verbilligten die Währungshüter erstmals seit fünf Jahren das Geld. Im November, Dezember und Januar ging der Preis weiter runter. Jetzt steht der Leitzins bei zwei Prozent - im Herbst lag er noch bei 4,25 Prozent. Nach den Andeutungen einiger Zentralbanker ist eine weitere Senkung im Frühjahr nicht ausgeschlossen, um den Wirtschaftsabschwung abzumildern.
Für Anleger haben die Zinssenkungen aber eine unerfreuliche Nebenwirkung: Je billiger die Zentralbank Geld vergibt, umso geringer sind die Renditen für Sparer, die ihr Geld verleihen. Vor allem sichere Staatsanleihen rentieren kaum über dem Leitzins. Für Geldmarktfonds, die diese Papiere gern kaufen, sind Niedrigzinsphasen Gift.
Nachdem die Aktienmärkte 2008 weltweit eingebrochen sind, haben sich viele Anbieter auf ebendiesen Markt geflüchtet. Dank der höheren Zinsen bis Herbst lohnte sich die Anlage in Geldmarktfonds über die vergangenen zwölf Monate betrachtet auch noch. Zum Teil machten die Fonds über vier Prozent Gewinn. Ein Eonia-Indexfonds, der den Übernachtzins nachbildet, zu dem Banken in Europa untereinander Geldgeschäfte abwickeln, brachte im selben Zeitraum immerhin noch 3,7 Prozent ein.
Ausgewählte Geldmarkt- und geldmarktnahe Fonds   Ausgewählte Geldmarkt- und geldmarktnahe Fonds
Damit ist es längst vorbei: Der Eonia-Zins hat sich an das neue Niedrigzinsniveau angepasst und steht, nachdem die EZB den Geldmarkt flutet, sogar nur noch bei 1,2 Prozent. Zugleich haben Staatsanleihen wegen der hohen Ausfallsicherheit eine derart hohe Nachfrage, dass die Kurse in die Höhe geschnellt sind - und die Renditen entsprechend stark gesunken. Viel mehr als zwei Prozent sind auch hier nicht mehr zu holen.
Die Folge für Geldmarktfonds: "Klassische Produkte, die ausschließlich auf kurzfristige Staatsanleihen setzen, können den EZB-Leitzins nur schwer übertreffen", heißt es bei Allianz Global Investors.
Auch Peter Klingseisen, Gruppenleiter im Produktmanagement von Union Investment, gibt zu: "Die aktuellen Zinssenkungen haben die Renditeperspektiven verringert." Da bei zwei Prozent Rohertrag nach Abzug von einem halben Prozentpunkt Kosten und 25 Prozent Abgeltungsteuer kaum mehr als ein Prozent Ertrag übrig bleibt, können Geldmarktfonds beim heutigen Zinsniveau nicht mal mehr die Geldentwertung ausgleichen.
Wer seinen Kunden mehr bieten will, muss kreativ sein. Eine Möglichkeit, die viele Anbieter nutzen, sind staatsgarantierte Bankanleihen. Seit Oktober kommen immer mehr dieser Papiere auf den Markt. Dabei übernehmen die Länder eine Ausfallbürgschaft, falls die emittierende Bank pleitegehen sollte.
Die Renditen der neuen Produkte sind mit rund 2,6 Prozent etwa 0,8 Prozentpunkte höher als bei Staatspapieren mit gleicher Laufzeit. Das wiederum bedeutet aber, dass die Investoren den Garantien nicht uneingeschränkt trauen - Zinsaufschläge sind ja nichts anderes als ein Bonus für höhere Risiken.

Teil 2: Was für Tagesgeldkonten spricht

  • Aus der FTD vom 02.02.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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