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Merken   Drucken   15.12.2008, 15:22 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Hoffen auf die Wende

Der Boden bei Rohstoffpreisen ist noch nicht erreicht. Die Fonds setzen auf China und Sparprogramme der Konzerne. von Sibylle Schikora
Ein Barrel Öl der Sorte WTI kostet derzeit 49 $. Noch im Sommer hatte der Preis deutlich höher gelegen und mit knapp 147 $ sogar einen historischen Höchststand markiert. Danach ging es rasant bergab. Eine ähnliche Talfahrt haben auch andere Rohstoffe wie Kupfer, Mais oder Nickel hinter sich.
Trotz des Crashs gehen Analysten davon aus, dass die Preise bald wieder steigen könnten. Davon würden Unternehmen der Rohstoffbranche profitieren, deren Aktienkurse im Gleichlauf mit den Rohstoffpreisen in den Keller gerauscht sind.
Noch sind sich die Beobachter aber nicht einig, wann die Wende am Markt kommt. "Bisher ist die scharfe Korrektur noch nicht beendet", sagt Fondsanalyst Björn Drescher vom Wirtschafts- und Finanzinformationsdienst Drescher & Cie. Doch grundsätzlich sei der Markt intakt. "Rohstoffe sind weiterhin knappe Güter, weil sie nicht reproduzierbar sind. Doch Schwellenländer wie China und Indien benötigen immer mehr Energie, Lebensmittel und Industriemetalle." Der kurzfristige Preisabsturz sei deshalb ebenso wenig begründet wie die übertriebene Preisexplosion zuvor.
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Wer an eine baldige Wende glaubt, dem bieten Fonds die Möglichkeit, mit gedämpftem Risiko in Rohstoffaktien zu investieren. Fondsmanagerin Petra Kühl, die den Allianz-Dit Rohstofffonds verwaltet, setzt hauptsächlich auf etablierte Unternehmen. "Ist ein Anbieter neu im Geschäft, sind Erfolge und Risiken kaum einzuschätzen", sagt sie. Daher hält sie sich an bekannte Namen BHP Billiton oder Rio Tinto, die zu den größten Rohstoffanbietern gehören.
Auch Kühl rechnet mit einem baldigen Aufwärtstrend auf dem Rohstoffmarkt. "Anleger sollten sich nicht von der aktuellen Entwicklung beirren lassen", sagt sie. "Erfahrungsgemäß dauert eine solche Tiefstpreisphase nicht viel länger als ein Jahr." 2009 könne aber noch zu einer Durststrecke werden. Als Ausgangspunkt für den nächsten Aufschwung am Rohstoffmarkt macht Kühl China aus. "Das Konjunkturprogramm der Volksrepublik ist auf mindestens 460 Mrd. Euro dotiert", sagt Kühl. "Und wer Kraftwerke, Flughäfen, Straßen und Wohnungen bauen will, braucht Rohstoffe wie Stahl und Kupfer."
Zudem könnten die Aktien von Rohstoffkonzernen kurzfristig davon profitieren, dass die Unternehmen angesichts der globalen Wirtschaftskrise gezwungen sind, Sparprogramme einzuführen. Der Bergbaukonzern Rio Tinto etwa hat Anfang des Monats angekündigt, 14.000 Stellen abzubauen und im kommenden Jahr rund 5 Mrd. $ weniger zu investieren als geplant. "Der Aktienkurs ist daraufhin um fast 20 Prozent gestiegen", sagt Fondsmanagerin Kühl.
Doch zunächst einmal könnten die hohen Schwankungen der Güterpreise den Aktienkursen noch zu schaffen machen, warnt Manuel Tenekedshijew, Fondsmanager bei DWS. "Der Boden ist für einige Rohstoffe noch nicht erreicht", sagt er. Ein Grund dafür sei, dass Rohstoffhändler zuletzt ihre Lagerbestände reduziert hätten. Daher gebe es derzeit ein deutliches Überangebot am Markt, das auf eine geringe Nachfrage stoße.
Dem schwierigen Marktumfeld versucht der DWS-Manager zu begegnen, indem er die Anbieter von Industriemetallen übergewichtet. Sie haben einen Anteil von 50 Prozent am Portfolio, vor Aktien von Stahlherstellern mit 30 Prozent und Goldminen mit zehn Prozent. Besonders interessant sind für Tenekedshijew derzeit große, liquide Titel aus den Bereichen Stahl und Bergbau, obwohl er die Möglichkeit hätte, auch in Titel der Baustoff-, Chemie- und Papierindustrie zu investieren. "Im Portfolio gibt es eine Übergewichtung der Basisindustrie, das ist unsere Anlagephilosophie."
Mit dieser Strategie hat der DWS-Manager seinen Fonds in den vergangenen Wochen stabilisieren können. Dennoch rät Tenekedshijew risikoscheuen Anlegern, abzuwarten. Im Moment sei die Unsicherheit über die weitere Entwicklung des Markts noch sehr groß.
  • Aus der FTD vom 16.12.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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