Die Schieflage des Golf-Emirats belastet die gesamte Region. Dabei bietet sie Anlegern durchaus Einstiegschancen. FTD.de zeigt interessante Fonds, die in der Region investieren. von Erich Gerbel
Die Schuldenkrise in Dubai hat der gesamten Region die Party verdorben. Während sich die Investoren in den vergangenen zehn Monaten auf die Aktienmärkte in Asien und Lateinamerika stürzten, führten die Börsen im Nahen Osten und in Nordafrika wegen der Finanzprobleme des Emirats ein Schattendasein.
Doch die Region deshalb abzuschreiben wäre zu kurz gegriffen. Aktien aus Dubai machen gerade einmal sieben Prozent der Marktkapitalisierung der Region aus. Zudem ist das auf Pump basierende Wirtschaftssystem des Emirats einzigartig und mit den restlichen Volkswirtschaften, die zum Teil auf enormen Öl- und Gasvorräten sitzen, nicht zu vergleichen.
Ausgewählte Dubai-Investments
Ganz im Gegenteil. Die geringe Verschuldung und die hohen Liquiditätsreserven in der Region sind für Investoren gerade jetzt ein beruhigendes Argument. Von Verschuldungsraten unter 50 Prozent des BIPs, wie sie Länder wie Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) oder Saudi-Arabien nach einer jahrelangen Ölhausse aufweisen, können die meisten Industriestaaten nur träumen. Bereits bei einem Ölpreis von 40 bis 50 $ ist der Staatshaushalt ausgeglichen.
Für Sicherheit sorgen zudem Hunderte Milliarden, die in diversen Staatsfonds stecken. Allein der Fonds der VAE ist mit mehr als 676 Mrd. $ prall gefüllt - genug Geld, um das in Schieflage geratene Föderationsmitglied Dubai mit Verbindlichkeiten von rund 150 Mrd. $ aufzufangen. Nicht zuletzt wegen dieser Reserven sei Dubai vom Staatsbankrott "meilenweit entfernt", meint Patryk Jablonowski, Manager des Middle East and Africa Fonds der Dekabank.
Weil die Kurse zurückblieben, sind die Aktien billig. "Die Bewertungen sind auf historischen Tiefständen", sagt Andrea Nannini, der den Aktienfonds Middle East and North Africa von HSBC lenkt. Im Schnitt liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) in Nordafrika und dem Nahen Osten auf Basis der Gewinnschätzungen für 2010 bei weniger als 13. Die Aktienmärkte in den Golfstaaten haben ein KGV von etwas über zehn. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis liegt bei 1,4. Im Schnitt werden Schwellenländer bei gleichem Gewinnwachstum mit einem KGV von 13,3 und einem Kurs-Buchwert von zwei gehandelt.
Asien oder Lateinamerika sind durch die Zuflüsse schon bei KGVs von mehr als 18 angekommen. Trotz der niedrigen Bewertung bieten die arabischen Länder mit mehr als 19 Prozent unter allen Wachstumsmärkten die höchste Eigenkapitalrentabilität. "Früher oder später wird dieses Ungleichgewicht ausgeglichen", prophezeit Nannini. Ähnlich sieht das Jablonowski: "Wenn die Investoren erkannt haben, dass Dubai nicht vor dem Bankrott steht, wird sich der hohe Bewertungsabschlag verringern."
Ein Treiber für die Region mit ihren rund 360 Millionen Einwohnern ist das günstige demografische Profil. In Länder wie Ägypten oder Saudi-Arabien ist die Bevölkerung besonders jung und damit konsumfreudig. 40 Prozent der Saudis sind jünger als 30. Der Trend hält an.
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