Es ist die schlimmste Naturkatastrophe seit Menschengedenken in Japan. Schwere Erdstöße und ein anschließender Tsunami verwüsten weite Landstriche. FTD.de berichtet über das Beben und seine Folgen.
Es ist kaum zwei Wochen her, da meldete sich Investorenlegende Marc Faber mit einer Empfehlung für japanische Aktien zu Wort. Nach 20 Jahren, in denen der Leitindex Nikkei 225 rund drei Viertel seines Wertes eingebüßt hat, sei nun die Zeit für den Einstieg gekommen. "Wenn ich für die kommenden zehn Jahre auf einen Aktienmarkt wetten sollte, dann würde ich eine besonders starke Gewichtung in Japan erwägen", erklärte Faber.
Inzwischen muss der 65-Jährige, der mit seiner Vorhersage des Börsencrashs von 1987 einige Berühmtheit erlangt hat, um seinen Ruf fürchten. Der Nikkei 225 brach am Dienstag um mehr als zehn Prozent ein, nachdem er bereits am Montag mehr als sechs Prozent verloren hatte - als Reaktion auf das schwere Erdbeben. Und so ein Ereignis lässt sich eben nicht vorhersehen.
Und Faber war beileibe nicht der Einzige, der Japan nach Jahren des Stillstands eine Renaissance vorhergesagt hatte. Die sogenannten Value-Investoren, die auf günstig bewertete Unternehmen mit stabilen Geschäftsmodellen achten, schwören schon seit geraumer Zeit auf japanische Aktien.
Und dafür gibt es auch gute Gründe. Viele Unternehmen erzielen dank ihrer Exportstärke und dem hohen Wirtschaftswachstum in Asien solide Zuwächse. Auch fundamental spricht viel für Japan. In kaum einem anderen Industrieland sind die Bewertungsrelationen so günstig. Die Unternehmen im Nikkei notieren mit einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 1,1, verglichen mit 1,4 im DAX. Auch die Cashflow-Rendite pro Aktie von fast elf Prozent und die geringe Schuldenquote sprechen für japanische Aktien.
Doch seit Freitag ist das alles nur noch Makulatur. Investoren befürchten, dass die Naturkatastrophe die ohnehin lahme Konjunktur weiter bremsen könnte. Zwar hat das Beben nur den schwach industrialisierten Nordosten getroffen, die Auswirkungen sind aber landesweit spürbar. Firmen wie Toyota , Honda , Nissan und Sony haben wegen Lieferengpässen ihre Produktion vorübergehend eingestellt. Und selbst wenn es gelingt, die Lieferketten rasch wieder in Gang zu bringen, drohen auch künftig Produktionsausfälle, da rund sechs Prozent der nationalen Energiekapazitäten durch den Ausfall mehrerer Kernkraftwerke weggefallen sind.
Dennoch sind die Experten für die Zukunft verhalten optimistisch. Verlässliche Prognosen seien wegen der unklaren Lage schwierig, sagt Mikio Kumada, Stratege bei LGT Capital. "Nach erster Einschätzung könnten die Auswirkungen der Katastrophe in Japan die Finanzmärkte voraussichtlich nur kurzfristig beeinträchtigen."