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Merken   Drucken   15.02.2010, 15:22 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Nehmen, was man kriegen kann

Stabile Ausschüttungen und geringere Kursgewinne rücken Dividendenfonds wieder stärker in den Fokus. Auch der renditeschwache Anleihemarkt spricht für sie. von Julia Groth und Christoph Hus
Mussten im vergangenen Jahr Unternehmen am laufenden Band ihre Gewinnprognosen nach unten korrigieren, so sehen viele jetzt Licht am Ende des Tunnels und das Ende der Krise nahen. Der Pharmakonzern Sanofi-Aventis etwa kündigte in der vergangenen Woche sogar an, die Dividende um 20 Cent auf 2,40 Euro pro Aktie anheben zu wollen.
Diesem Beispiel dürften von den großen Aktiengesellschaften im laufenden Jahr allerdings kaum mehr viele folgen, erwarten Beobachter. Aber immerhin: Bei den meisten Unternehmen werden die Dividenden stabil bleiben. Die Firmen schütten ähnlich viel Geld an ihre Aktionäre aus wie im vergangenen Jahr. "Es wird kaum Dividendenkürzungen geben", ist sich Thomas Schüssler, Fondsmanager bei DWS, sicher. Seiner Meinung nach werden Gewinnausschüttungen im Jahr 2010 einen größeren Teil am Gesamtertrag von Aktieninvestments ausmachen als in den Vorjahren.
Steckbrief Dividendenfonds   Steckbrief Dividendenfonds
Noch deutlich optimistischer ist Nicolas Simar, Value-Experte der Fondsgesellschaft ING Investment Management. Die Dividenden werden im laufenden Jahr weltweit um zehn Prozent höher ausfallen als im vergangenen, prophezeit er.
Da die Zeit rasanter Kursgewinne am Aktienmarkt ohnehin vorbei zu sein scheint, dürften Dividendenfonds für Anleger wieder interessant werden. Sie sind auf hohe Ausschüttungen der Unternehmen an Aktionäre ausgerichtet und haben deshalb in seitwärts tendierenden Märkten bessere Chancen als Produkte, die eher auf Kursgewinne setzen. Branchenprimus DWS hält diese Strategie aktuell offenbar für so Erfolg versprechend, dass er einen neuen Dividendenfonds auf den Markt gebracht hat. "2010 dürfte für die Dividendenstrategie ein relativ gutes Jahr werden", sagt Fondsmanager Schüssler, der bei DWS den Klassiker Top Dividende verwaltet.
Indes an vielen Privatinvestoren könnte diese Entwicklung vorbeilaufen. "Die meisten Anleger unterschätzen die Bedeutung von Dividenden und setzen zu stark auf Kursgewinne", warnt Schüssler. In den vergangenen Jahren sind Anleger damit allerdings oft gut gefahren. Die Aktienkurse stiegen rasant, viele Dividendenfonds entwickelten sich nur unterdurchschnittlich. Im Jahr 2008 waren etliche sogar regelrecht abgestürzt, weil sie stark in Bankenaktien investiert waren, die gleich zu Beginn der Krise arg in Mitleidenschaft gezogen wurden.
Das laufende Jahr sehen Dividendenfondsmanager vor allem auch deshalb optimistisch, weil eine entscheidende Kennzahl ihre Zuversicht stützt. "Dividendenrenditen sind im Moment deutlich attraktiver als Anleiherenditen", sagt Jörg Uhlendorf, Anlagestratege der Dresdner Bank. Die Ausschüttungskennziffer beschreibt das Verhältnis zwischen der Dividende und dem Kurs einer Aktie. Je niedriger der Aktienkurs und je höher die Dividende, desto höher fällt die Dividendenrendite aus. Spitzenreiter unter den Dax-Titeln ist hier mit rund acht Prozent derzeit die Deutsche Telekom. Viele Dividendenfondsmanager setzen deshalb auf dieses Papier, genauso wie auf die Aktien anderer Telekommunikationskonzerne.
Das größte Risiko für Dividendenfonds geht in den kommenden Monaten von dem Double-Dip-Szenario aus, vor dem Ökonomen warnen: Dahinter verbirgt sich die Annahme, die Konjunktur könnte nach der ersten Erholung noch einmal einbrechen. Sollte es dazu kommen, könnten Unternehmen möglicherweise ihre Dividenden doch kürzen müssen, um erneute Gewinneinbrüche zu kompensieren. Und selbst wenn die Firmen ihre Gewinne erst einmal wie geplant ausschütten sollten, bedeutet das für Anleger keineswegs eitel Sonnenschein. Fällt der Aktienkurs nämlich wegen eines erneuten Konjunktureinbruchs, kann es passieren, dass die Dividende nicht einmal ausreicht, um Aktionäre für den Kursverlust zu entschädigen.
  • FTD.de, 15.02.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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