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Merken   Drucken   21.01.2008, 08:49 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Nur ein Fall für mutige Kenner

Die Krise um forderungsbesicherte Bonds hält an. Mutige Anleger können sich jedoch durch die verführerisch hohen Kursabschläge bei den ABS-Fonds wieder angelockt fühlen. von Hubert Beyerle und Bernd Mikosch
Eine solche Aktion mutet man Anlegern nur im Notfall zu: Vor ziemlich genau einem halben Jahr hatten einige Fondsgesellschaften Käufer ihrer ABS-Fonds mit der Ankündigung schockiert, diese vorerst nicht mehr zurückzunehmen. Was als kurzfristige Notlösung angekündigt wurde, entwickelt sich inzwischen zum Dauerzustand.
Mutige Investoren können sich jedoch durch die hohen Abschläge wieder angelockt fühlen. ABS-Fonds investieren ganz oder teilweise in forderungsbesicherte Anleihen, sogenannte Asset Backed Securities (ABS), denen häufig Hypotheken zugrunde liegen. Bis zum Ausbruch der Kreditkrise im Sommer 2007 hatten vor allem institutionelle Investoren, zum Teil aber auch Privatanleger Gefallen an den rund 40 ABS-Fonds in Deutschland gefunden. Da den Anleihen reale Sicherheiten zugrunde liegen, erschienen sie Renten- oder Geldmarktfonds vergleichbar und boten zudem noch ein Renditeplus. In der Vertrauenskrise um ABS im August 2007 haben die Fonds allerdings deutlich an Wert verloren.
Einige Gesellschaften wie Union Investment, Frankfurt Trust und WestLB Mellon haben ihre Fonds damals eingefroren. Andere nahmen Anteile weiter zurück, allerdings zum Preis hoher Kursverluste.
Ausgewählte ABS-Fonds   Ausgewählte ABS-Fonds
"Bei vielen ABS-Produkten bester Qualität ist der Renditeaufschlag inzwischen so hoch, dass sich ein Investment mittelfristig lohnen sollte", sagt Christoph Hott, Chief Investment Officer Asset Allocation der Privatbank Sal. Oppenheim. "Ein breit gestreutes ABS-Engagement mit einem soliden Durchschnittsrating von ,A‘ erwirtschaftet eine Rendite von sieben Prozent ohne ein Zinsänderungsrisiko."
Noch hat sich die Vertrauenskrise um die forderungsbesicherten Anleihen nicht beruhigt. BNP Paribas hatte zwar schon im August, rund zwei Wochen nach der Schließung dreier Fonds, wieder Fondsanteile zurückgenommen. Daraufhin hatten Beobachter gehofft, die Kreditkrise sei bereits überstanden. Doch die Mittelabflüsse dauerten an, und die Vertrauenskrise setzte sich fort. So hat beispielsweise der für institutionelle Investoren gedachte DWS ABS Fund knapp zwei Drittel seines ursprünglichen Volumens von rund 3 Mrd. Euro eingebüßt. Andere Fonds haben etwa die Hälfte ihrer Mittel verloren. Einige Gesellschaften zahlen inzwischen die Investoren aus eigener Tasche aus, um ABS-Papiere nicht unter Wert abstoßen zu müssen.
Obwohl bislang bei den in Deutschland zugelassenen Fonds keine Ausfälle bekannt sind, notieren sie mit Abschlägen von teilweise mehr als zehn Prozent seit dem Höchststand. "Ein Problem ist, dass bedeutende Marktteilnehmer wie die Investmentbanken, die sonst als Käufer der ABS-Papiere auftreten, derzeit gar nicht handeln oder nur zu inakzeptablen Preisabschlägen", sagt Christian Lienke von Union Investment. In seinem Haus entschied man sich dafür, den Fonds eingefroren zu lassen: zum Schutz der Investoren, so die offizielle Begründung.
Ein Engagement in diesem Segment setzt sehr hohes Wissen voraus, das Privatanleger in der Regel nicht haben. "Bei vielen Produkten kann man als Privatanleger gar nicht beurteilen, was sich dahinter verbirgt", sagte Thomas Züttel von der Finanzberatung IFund Services in Zürich. Ob die Kursverluste der Fonds gerechtfertigt sind, lässt sich für den Außenstehenden kaum einschätzen. Züttel rät daher zur Vorsicht. Ist es in einem Fonds bereits zu hohen Mittelabflüssen gekommen, sollte das besonders misstrauisch machen. Denn in der Regel werden die Papiere hoher Bonität zuerst liquidiert, übrig bleiben Papiere schlechter Qualität.
  • FTD.de, 21.01.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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