Risikostreuung vermag Verluste höchstens zu begrenzen, verhindert sie aber nicht. Das zeigt die Wertentwicklung der Multi-Asset-Fonds, die auf verschiedene Anlageklassen wie Aktien, Renten oder Rohstoffe setzen. Einige dieser Portfolios haben in den vergangenen vier Wochen mehr als 20 Prozent an Wert verloren, zeigt eine Auswertung der Ratingagentur Lipper.
Multi-Asset-Fonds haben oft damit geworben, die lange Jahre erfolgreiche Strategie der US-Stiftungsuniversitäten umzusetzen. Das konnte nie gelingen, weil die Hochschulen anders als die Publikumsfonds auch illiquide Anlageklassen wie Wälder oder Private-Equity-Investments kaufen dürfen. Doch inzwischen haben sogar die Vorzeigestiftungen mit Problemen zu kämpfen. Harvard-Präsidentin Drew Faust räumte vor einigen Tagen ein, der 36,9 Mrd. $ schwere Stiftungsfonds der Universität stehe vor "noch nie da gewesenen " Verlusten.
Mit einer breiten Streuung der Gelder über verschiedene Anlageklassen lässt sich das Risiko von Aktieninvestments eigentlich deutlich abfedern. In jedem der vergangenen zehn Jahre brachten zumindest zwei der vier Anlageklassen Aktien, Renten, Immobilien oder Rohstoffe positive Erträge. In diesem Jahr sieht es anders aus: Der Weltaktienindex MSCI World hat bislang 44 Prozent verloren, das Rohstoffbarometer Reuters-CRB 33 Prozent. Die Immobilienpreise halten sich nur auf wenigen Märkten stabil, bei Rentenpapieren war bloß mit Staatsanleihen bester Qualität Geld zu verdienen.
"In den letzten Wochen haben viele Hedge-Fonds-Manager vorsorglich Kasse geschaffen", sagt Christian Roch, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Rheinische Portfolio Management. "Sie befürchten hohe Mittelabflüsse und haben ihr Geld deshalb auch aus recht illiquiden Märkten, etwa den Schwellenländern, abgezogen. Weil die Käufer für diese Anlagen fehlten, sind die Kurse stark gefallen." Der Gleichlauf der Anlageklassen nahm zu, überall ging es bergab.
Trotzdem ist Roch überzeugt, dass eine konsequente Streuung der Gelder über verschiedene Anlageklassen auch in diesem Jahr das Risiko begrenzt. Im RP Global Diversified Portfolio II wird das Gewicht von Aktien, Renten, Immobilien und alternative Investments zu Jahresbeginn immer auf 25 Prozent gesetzt. Der Fonds hat in diesem Jahr elf Prozent verloren - ein relativ moderates Minus. "Unsere Kunden, darunter viele Pensionskassen und Versicherungen, wollen eine klare Vermögensstruktur und keinen Fondsmanager, der in die Glaskugel blickt", sagt Roch.
Christian Gruben, Manager des NV Strategie Quattro Plus, der zu den ersten deutschen Multi-Asset-Fonds gehört, pflichtet Roch bei: "Den wichtigsten Beitrag zur Performance eines Depots liefert die Portfoliostruktur. Die taktische Gewichtung der Anlageklassen kommt erst an zweiter Stelle. Den letzten Schliff bringt die Suche nach Spezialisten für diese Anlageklassen, also die Auswahl der Zielfondsmanager." In seinem Fonds hält er immer Aktien, Renten, offene Immobilienfonds, Immobilienaktien und Rohstoffe. Die Gewichtung der einzelnen Anlageklassen kann er in recht engen Bandbreiten steuern.
Andere Manager nehmen sich größere Freiheiten heraus. "Einige Fonds werben mit der Risikoreduzierung als Vorteil beim Multi-Asset-Ansatz, gehen dann aber doch große Wetten auf einzelne Anlageklassen ein", sagt Detlef Glow, Leiter der Fondsanalyse bei Lipper in Frankfurt. So mancher Anleger sei daher enttäuscht worden: "Wenn der Aktienmarkt seit Jahresbeginn 44 Prozent verloren hat, der Fonds aber 'nur' 38 Prozent, dann ist das keine große Leistung", sagt Glow.
Zu den Anhängern der Risikostreuung über viele Anlageklassen gehört auch Martin Weber, Professor für Finanzwirtschaft an der Universität Mannheim. Er hat auf wissenschaftlicher Basis den "Weltfonds" Arero konstruiert: In ihm liegen über Indexinvestments immer 60 Prozent Aktien, 25 Prozent Renten und 15 Prozent Rohstoffe. Ein Ausgabeaufschlag fällt nicht an, die jährlichen Kosten betragen lediglich 0,45 Prozent. Im Schnitt liegt die Gesamtkostenquote von Multi-Asset-Fonds bei gut zwei Prozent.
Hätte es den Arero schon vor 35 Jahren gegeben, wären aus 100 Euro inzwischen mehr als 5000 Euro geworden - doppelt so viel wie bei einem Investment in den MSCI World. Zu viel versprechen will Weber den Anlegern aber nicht: "In den vergangenen 35 Jahren hat es funktioniert. Was die Zukunft bringt, weiß nur Frau Schlotterbeck, die Wahrsagerin bei Räuber Hotzenplotz."