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Merken   Drucken   27.02.2008, 08:20 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Steuern sparen, ganz legal

Zur Zeit reißen sich Anleger um steueroptimierte Geldmarktfonds. Sie weisen zwar eine magere Rendite auf, dafür haben sie einen anderen schlagenden Vorteil. von Claus Hecking
Man sah es Rüdiger Ginsberg am Montag an: Die Bilanzpressekonferenz machte ihm Freude. "Trotz aller Schwierigkeiten, der Turbulenzen war es für uns ein gutes, in vielen Bereichen ausgesprochen erfolgreiches Investmentjahr", sagte der Chef von Union Investment, lächelte, holte Luft - und verkündete eine Traumzahl: 12,2 Mrd. Euro haben die Anleger 2007 der Union Investment netto neu anvertraut - ein historischer Rekord. Den allerdings verdankt die Investmentgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken einem einzigen Produkt: dem Uniopti4. In den steueroptimierten Geldmarktfonds flossen allein 12,4 Mrd. Euro. Ohne ihn hätten die Anleger netto Mittel von Union abgezogen.
Der Uniopti4 ist der Verkaufsschlager schlechthin an Deutschlands Bankschaltern. Rund 18 Mrd. Euro hat er in anderthalb Jahren seit dem Start eingesammelt. Damit ist er mit Abstand größter Publikumsfonds der Republik. "Netto fließen dem Uniopti4 jeden Monat mehr als 1 Mrd. Euro zu", sagt Peter Klingseisen, Gruppenleiter Produktmanagement bei Union Investment. "Ein Ende dieses Trends ist nicht abzusehen."
Zum Steuernsparen muss man nicht unbedingt nach Liechtenstein   Zum Steuernsparen muss man nicht unbedingt nach Liechtenstein
Dabei bot der Fonds seinen Inhabern in den vergangenen zwölf Monaten nur 3,46 Prozent Rendite. Nach Steuern, wohlgemerkt. Denn das ist der Clou beim Uniopti4: Fast der gesamte Ertrag ist für den Privatanleger steuerfrei - anders als etwa Einkünfte aus einer Liechtensteiner Stiftung. Und das macht legale Anlageformen wie den Uniopti4hochattraktiv.
"Steueroptimierte Geldmarktfonds verkaufen sich zurzeit wie geschnitten Brot", sagt Björn Drescher, Mitbegründer des Branchendienstes Drescher & Cie. Die Statistik des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI) gibt ihm recht: Während die Anleger 2007 zweistellige Milliardenbeträge aus Aktien- und Rentenfonds abzogen, investierten sie netto 24,6 Mrd. Euro in Geldmarktfonds - und dort wiederum fast ausschließlich in steueroptimierte Produkte.
Auswahl steueroptimierter Geldmarktfonds   Auswahl steueroptimierter Geldmarktfonds
Erfolgreichster Fonds des Jahres war der Uniopti4. Auch die Nummern zwei und drei auf der Gewinnerliste, der Deka Opticash TF und der DWS Rendite Optima Four Seasons, sind nach demselben Muster gestrickt: Das Fondsvermögen wird überwiegend in internationale, niedrigverzinsliche Anlagen mit kurzen Restlaufzeiten investiert. Dabei setzt das Management auf Papiere mit niedrigen Zinsen, die stattdessen Kursgewinne am Ende ihrer Laufzeit gewähren.
Das klappt meistens gut: Der Deka-Fonds etwa schüttete 2007 auf seinen Ausgabepreis von rund 1000 Euro insgesamt 33,70 Euro aus; nur 0,40 Euro davon mussten Privatanleger versteuern. Gegenüber konventionellen Anleihen, Geldmarktfonds oder Tagesgeld ist das ein enormer Vorteil. Denn Zinsen muss der Anleger voll versteuern, sobald sein Freibetrag von 750 Euro ausgeschöpft ist. Bei einem persönlichen Steuersatz von 40 Prozent etwa müsste der Anleger mehr als fünf Prozent Verzinsung erhalten, um auf die gleiche Nettorendite zu kommen.
Die Steuersparfonds sind die Antwort der Banken auf die Reduzierung der Sparerfreibeträge Anfang 2007. "Seither suchen die Kunden verstärkt nach solchen steueroptimierten Anlagekonzepten", sagt Thomas Lange, Fondsmanager des Cominvest Top 4.
Neu ist die Idee nicht. Seit 1994 gibt es den Apo Liquid, der bis heute gerade einmal 100 Mio. Euro zusammenkratzen konnte. "Der Boom ist erst losgegangen, als die Filialbanken mit der flächendeckenden Vermarktung begonnen haben", sagt Fondsexperte Drescher. Volksbanken, Sparkassen und auch die Deutsche Bank haben ihre Berater geschult, die Kunden gezielt auf Steuersparfonds anzusprechen.
Auch um 2008 muss sich Rüdiger Ginsberg wohl keine Sorgen machen: In den ersten acht Wochen des neuen Jahres steckten die Anleger schon wieder 2,6 Mrd. Euro in den Uniopti4. Dafür dürfte 2009 der Absatz einbrechen: Mit der künftigen Abgeltungsteuer lohnt sich die Anlage in spezielle Niedrigzinsprodukte steuerlich nicht mehr.
  • Aus der FTD vom 27.02.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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