Fondsbewertungen könnten für Investoren in den nächsten Jahren immer wichtiger werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Umfrage des Datenanbieters S&P Capital IQ unter 110 Finanzexperten. Insbesondere für Privatanleger nähmen Bewertungen bei der Fondsauswahl an Bedeutung zu, sind die Befragten überzeugt. Denn Investoren suchten immer gezielter nach Produkten mit überzeugenden Erfolgsgeschichten.
Ratings und andere Bewertungen sollen Investoren vor dem Fondskauf eine erste Vorauswahl ermöglichen. "Sie bieten Anlegern eine gewisse Hilfe dabei, sich im undurchdringlichen Produktdschungel zurechtzufinden", sagt Detlef Glow, Analyst beim Datenanbieter Lipper. Die Zahl der Fonds ist in den vergangenen drei Jahren trotz wackliger Märkte weiter gestiegen: Heute können deutsche Anleger nach Angaben des Branchenverbands BVI unter rund 10.700 Produkten wählen. "Ratings werden wichtiger für Investoren", urteilt auch Glow.
Um Fondsratings richtig nutzen zu können, sollten Anleger sich allerdings darüber im Klaren sein, was diese eigentlich aussagen - und was nicht. "Ratings sind nicht der Weisheit letzter Schluss, weil ihnen in der Regel die Prognosefähigkeit fehlt", sagt Glow. Das gilt insbesondere für quantitative Ratings, die von ihrer Natur her eher Rankings sind, also Rangfolgen. Sie zeigen, wie ein Fonds in Relation zu seiner Vergleichsgruppe dasteht. Viele Anbieter, darunter auch Lipper, beschränken sich auf diese Art der Bewertung. Sie speist sich aus Daten der Vergangenheit und berücksichtigt etwa die Wertentwicklung der vergangenen Jahre. Anleger sollten im Hinterkopf behalten, dass quantitative Ratings weder etwas über die zukünftige Performance aussagen noch in Stein gemeißelt sind. "Ratings haben eine gewisse Halbwertszeit", sagt Glow. "Es hängt stark vom Manager ab, wie lange ein Fonds sein Rating behält."
Immer mehr Agenturen setzen mittlerweile auf qualitative Ratings. Diese spiegeln die Meinung hauseigener Analysten über einen Fonds wider und sollen etwas darüber aussagen, wie wahrscheinlich es ist, dass dieser seine bisherigen Ergebnisse wiederholen wird. Die Fondsratingagentur Morningstar etwa bietet seit drei Jahren zusätzlich zum quantitativen Sternerating auch solche Vorhersagen an, für die sich die Analysten Management und Gesellschaft von Fonds, Investmentprozess, Gebühren und Performance anschauen. "Von Fonds mit einem guten qualitativen Rating erwarten wir, dass sie über einen gesamten Marktzyklus auf risikobereinigter Basis besser als ihre Vergleichsgruppe abschneiden werden", sagt Morningstar-Analyst Maximilian Kreitlmeier. Bislang bietet die Agentur allerdings nur für rund 1400 Fonds qualitative Noten an, darunter vor allem Produkte aus Standardkategorien.
Qualitative Ratings können für Anleger hilfreicher sein als quantitative. Aber nur, wenn sie aus unabhängiger Quelle stammen. "Anleger müssen sich klarmachen, woher ein Rating kommt und wer dafür bezahlt hat", sagt Kreitlmeier. Viele Analysefirmen, darunter auch Morningstar, erstellen Ratings auf eigene Faust und verdienen ihr Geld in der Regel durch den Lizenzverkauf. Manche Gesellschaften, vor allem kleinere, lassen sich die oft teuren und aufwendigen Ratings indes von den Fondsgesellschaften selbst bezahlen. Und setzen sich damit dem Vorwurf aus, nicht unbedingt objektiv zu urteilen. Ein Warnzeichen sei es, wenn eine Analysegesellschaft ausschließlich positive Ratings vorweise und lieber gar kein Rating vergebe als ein schlechtes, sagt Kreitlmeier.
Obgleich einer der großen Anbieter, hat sich auch S&P Capital IQ seine qualitativen Ratings bis vor Kurzem von Fondsgesellschaften bezahlen lassen. Im März kündigte die Gesellschaft an, ihr Research künftig unabhängig betreiben zu wollen. Bereits vor dem Abschied vom Auftragsmodell hat der Anbieter eine Vorauswahl anhand von Rendite und Risiko getroffen und nur die besten 20 Prozent der Fonds überhaupt für ein qualitatives Rating zugelassen. Diese Vorauswahl soll auch weiterhin stattfinden. "Eine wichtige Veränderung ist, dass Anregungen von Investoren, Marktkonditionen und aktuelle Themen bei der Auswahl der zu bewertenden Fonds eine größere Rolle spielen", sagt S&P-Analyst Damien Burleigh. "So rücken die Investoren deutlich mehr in den Mittelpunkt, denn sie erhalten nun Analysen der Fonds, die für sie aktuell von Interesse sind."
| Orientierungshilfe |
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| Anbieter Fondsratings werden von speziellen Dienstleistern erstellt. Die Methoden und auch die Noten der Analysegesellschaften können sich voneinander unterscheiden. Zu den in Deutschland bekanntesten Anbietern zählen Fitch, Moody’s, Sauren, Morningstar, Lipper, Feri, S&P und Scope. |
| Ziele Fondsratings sollen Anlegern einen groben Überblick über die etablierten Produkte verschaffen. Während quantitative Ratings nichts über zukünftige Entwicklungen von Fonds aussagen, sollen qualitative Ratings zeigen, wie ein Fonds künftig wahrscheinlich abschneiden wird. Institutionelle Investoren orientieren sich vorrangig an qualitativen Ratings. |