"Die Kreditmarktschwäche ist kein kurzer Ausreißer, sondern eine strukturelle Veränderung, die der Private-Equity-Branche das Leben erschweren wird", sagte Guy Hands, Chef der britischen Beteiligungsfirma Terra Firma, auf der Konferenz Super Return in München. Das Geschäft wird daher das Niveau der Boomjahre 2005 bis 2007 lange nicht wieder erreichen. "Es dauert nach dem Überschreiten des Höhepunkts gewöhnlich drei Jahre, bis sich die Kreditvergabe erholt", so David Rubenstein, Mitgründer des US-Investors Carlyle.
Deswegen ist die Branche gezwungen, ihr Geschäftsmodell zu überdenken. Zur Finanzierung ihrer Firmenkäufe sind die Beteiligungsfirmen auf Fremdkapital angewiesen. Da die Investmentbanken noch lange ausfallen und die Gesellschaften weiter unter Anlagedruck stehen, denken die großen Buyout-Häuser über Alternativen nach. "Weil die Banken nicht in der Lage oder willens sind, müssen wir selbst Fremdkapital aufnehmen bei Pensionskassen, Staatsfonds und am Kapitalmarkt", sagte Hands.
Direkter Kontakt zu neuem Fremdkapital
Der direkte Zugang zu Fremdkapitalgebern wird großen Private-Equity-Firmen zugetraut - wenn auch unter Mithilfe der Banken. "Es ist nichts Neues, dass Private-Equity-Firmen Fremdkapital von Pensionskassen, Versicherern und Staatsfonds einsammeln", sagte Thomas Kubr, Chef des auf Private Equity spezialisierten Schweizer Vermögensverwalters Capital Dynamics, der FTD. Es sei ein Zeichen des Booms gewesen, dass Banken die Kredite auf die eigenen Bücher nahmen und damit das gesamte Platzierungsrisiko trugen. "Jetzt klappern Käufer und Bank wieder die Anleger ab, und je nach Nachfrage wird der Kredit platziert."
Die Direktansprache ohne Banken könnte aus Sicht von Hands auch lohnen, da das große Geld künftig aus Nah- und Fernost komme. Dort seien die Banken weniger stark vertreten. Für einen solchen Alleingang müssten die Gesellschaften ihre hausinternen Teams jedoch noch ausbauen. Derzeit reichen Banken für Private-Equity-Deals allenfalls Kredite bis zu 1 Mrd. Euro aus. Hands schätzt, dass auch in zwei bis drei Jahren erst wieder Kredite von 2 bis 3 Mrd. Euro erhältlich sind. TPG-Chef David Bonderman rechnet 2008 mit einem Einbruch der Private-Equity-Deals um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 715 Mrd. $.
Dabei steht die Branche unter dem Druck zu investieren, da sie Schätzungen zufolge auf Zusagen von 400 Mrd. $ sitzt. Wie es bei einigen institutionellen Geldgebern hieß, wollen sie trotz der Kreditkrise ihre Engagements keinesfalls stutzen. So berichtete Joseph Dear vom Washington State Investment Board, dass der Pensionsfonds den Anteil von Private Equity an seinen gesamten Anlagen von 17 auf 24 Prozent erhöhen will.
Neue Rekordfonds kommen
Damit könnte sich die Welle neuer Rekordfonds trotz Krise fortsetzen. Der weltgrößte Finanzinvestor Blackstone steht nach Investoreneinschätzung davor, abermals einen Weltrekordfonds aufzulegen. Mitgeteilt wurde den Investoren zwar eine angestrebte Größe von bis zu 20 Mrd. $. "Aber wenn sie 20 Mrd. schreiben, meinen sie 30 Mrd.", so ein Kenner der Szene. Finanzkreisen zufolge steht zudem
TPG kurz davor, einen neuen Fonds mit 18 Mrd. $ zu schließen. Dass die Renditen sinken werden, schreckt erfahrene Geldgeber nicht. "In den vergangenen drei Jahren waren die Renditen durch den Kreditboom aufgebläht. Jetzt werden sie sich normalisieren", so Kubr. Die besten Fonds schaffen auch in schlechten Zeiten 20 Prozent und mehr.
Die Mega-Fonds ändern ihre Investitionsstrategie, um ihre Abhängigkeit von Krediten zu verringern. So heißt es bei
Blackstone , Apax und
Carlyle , man weiche verstärkt auf Minderheitsbeteiligungen, auch an börsennotierten Firmen, und auf unterbewertete Kredite aus. Blackstone und
KKR forcieren zudem Minderheitskäufe in China und Indien. Es gibt aber auch Häuser, die ihr Fundraising verschieben, da sie fürchten, nicht genug Kaufziele zu finden. Laut Finanzkreisen geht KKR für den nächsten Europafonds mit angestrebten 8 Mrd. Euro nun doch erst 2009 auf Sammeltour statt wie geplant 2008.