Die SEB ist mit ihrem eingefrorenen Immobilienfonds Immoinvest ein hohes Risiko eingegangen – das dem Management prompt auf die Füße gefallen ist. Bis zum Stichtag am Montag wollten zu viele Anleger ihre Anteile an dem 6 Mrd. Euro schweren Produkt zurückgeben, das vorhandene Bargeld reichte dafür nicht. Nun wird keiner der Investoren ausgezahlt, und der Fonds geht in die Abwicklung.
Die Anleger in diese besondere Entscheidungsposition zu bringen, war also offenbar nicht nur eine wagemütige Idee, sondern auch noch eine, die nicht mit Vertrauen in den Fonds und dessen Management honoriert wurde. Denn so schön die Idee auch sein mag, Anleger selbst über die Fortführung eines Investmentprodukts entscheiden zu lassen: Sie funktioniert nicht. Zumindest nicht bei einem offenen Immobilienfonds. Denn viele Anleger haben die Fondsanteile einst erworben, weil sie sich davon Sicherheit und Stabilität versprachen. Der Immobilienfondsanleger an sich ist in der Regel keiner, der gerne pokert.
Doch genau die Pokermentalität war gefragt. Die große Unbekannte in dem Spiel, die weder Investoren noch der SEB bekannt war, war die Zahl der Anleger, die ihre Anteile im Ernstfall tatsächlich loswerden wollten. Diese Zahl war die entscheidende. Das "Abstimmungsergebnis" zeigt somit nur, was auf Sicherheit bedachte Anleger tun, wenn sie mit einer Entscheidung unter derartiger Unsicherheit konfrontiert werden: Sie flüchten. Da helfen alle Beteuerungen, dass das Produkt gut und solide sei, herzlich wenig.
Die SEB muss nun alles tun, um nicht den Anschein zu erwecken, dass das einzige Ziel dieser Aktion war, die Schuld für die Abwicklung auf ihre Investoren zu laden. Denn unabhängig von den Rückgabebewünschen der Anleger ist es immer Aufgabe eines Fondsmanagements, Chancen am Markt zum Vorteil ihrer Kunden zu nutzen und Klippen zu umschiffen. Welche Chancen und Gefahren beim Abverkauf der einzelnen Fondsobjekte bestehen, konnten Anleger bei ihrer Entscheidung kaum einschätzen.
Doch auch die direkte Konkurrenz sollte aus dem Ergebnis Konsequenzen ziehen. Bis Mitte Mai muss noch das Management des CS Euroreal über die Zukunft ihres ebenfalls rund 6 Mrd. Euro schweren Produkts entscheiden. Die Credit-Suisse-Verantwortlichen haben sich bis jetzt mit Äußerungen zurückgehalten. Doch Anleger bis zur letzten Sekunde warten zu lassen, dürfte auch bei dem letzten großen offenen Immobilienfonds, der noch nicht abgewickelt wird, die Überlebenschancen deutlich schmälern.
Die Emotionen kann ich zwar verstehen, aber alles dem Management vorzuwerfen, halte ich für falsch. Größter Vorwurf ist - wie ich bereits geschrieben habe - die Akzeptierung von Großanlegern, zu denen nebenbei bemerkt auch Genossenschaftsbanken und Sparkassen gehören.
Wer jetzt noch auf Fondsanteilen sitzt, ist selbst Schuld. Bereits 2005 waren die ersten Warnzeichen zu erkennen, als die DWS den Grundbesitz Invest dichtmachte. Ich habe mich damals umgehend aus dieser Anlageklasse verabschiedet. Es war für mich klar erkennbar, dass Rückforderungen von Großanlegern auch andere Fonds - unabhängig von der Qualität des Portfolios - in Schwierigkeiten bringen könnten. Und genauso ist es eingetroffen.
Also sollte man sich jetzt nicht beschweren, sondern sich lieber für die eigene Dummheit an den Kopf fassen, immer noch investiert zu sein.