Merken
Drucken
27.04.2009, 11:22
Schriftgröße: AAA
Sinkende Kurse:
Glanz der Goldminenfonds verblasst
Ist Gold in der Krise eine sichere Bank? Nicht unbedingt, denn auch bei steigendem Goldpreis sind Minenfonds keineswegs eine sichere Anlage. Dies zeigt die jüngste Kursentwicklung.
von Olaf Wittrock
Der Goldpreis hat in den vergangenen Jahren eine beeindruckende Performance hingelegt: Stand der Preis des Schmuck- und Industrierohstoffs bis Anfang 2005 noch bei rund 400 $ pro Unze (31,1 Gramm), so ist er in den Folgejahren kräftig gestiegen. Im März 2008 kostete die Unze erstmals mehr als 1000 $. Danach schwankte der Preis gemessen in Dollar heftig. Für Euro-Investoren ging die Rally dank günstiger Wechselkursentwicklung weiter. Im Februar 2009 erzielte Gold einen Rekordpreis von rund 770 Euro. Aktuell notiert Gold bei rund 912 $ (693 Euro) .
Das zeigt: In schlechten Zeiten ist Gold nach wie vor eine Bank. Wer sich rechtzeitig ein paar Barren in seinen Tresor gelegt hat, kann sich heute als Krisengewinner fühlen.
Minenfonds, die in Aktien Gold abbauender Unternehmen investieren, haben dagegen kräftig Geld verloren: Die Fonds liegen im Jahresvergleich zwischen 30 und 45 Prozent im Minus. "Bei Goldminenfonds bestimmt zuerst der Aktienmarkt und nicht der Goldpreis die Entwicklung", nennt Rohstoffanalyst Eugen Weinberg von der Commerzbank einen Grund für die schlechte Performance. Zwar sind die Umsatzerlöse der Minenbetreiber nahezu vollständig vom Goldpreis abhängig. An der Börse schlägt sich dieser unmittelbare Zusammenhang aber nicht unbedingt nieder. Gerade in Krisenzeiten geraten immer wieder auch Aktien solcher Unternehmen unter die Räder, die für sich betrachtet weitaus besser dastehen müssten.
Steckbrief
Diese Art von Sippenhaft erklärt die starken Schwankungen und Verluste der Fonds aber nur zum Teil. Dazu kommt eine enorme Hebelwirkung des Goldpreises auf die Geschäfte der Minen. Da nämlich die Kosten des Rohstoffabbaus nahezu unabhängig vom Goldpreis sind, beeinflusst dieser unmittelbar deren Gewinnaussichten. Als der Goldkurs zwischen Mitte und Ende des Jahres 2008 von über 1000 $ zeitweise auf 700 $ abrutschte - ein Verlust, den Euro-Anleger wegen der gegenläufigen Wechselkursentwicklung kaum spürten -, war der Hebeleffekt bei den Aktien der Minenbetreiber gut zu beobachten: Minenaktien fielen im selben Zeitraum um durchschnittlich 70 Prozent.
Hebel nur in eine Richtung
Leider wirkte der Hebel nur in die eine Richtung: "Minenaktien haben nicht so stark vom anschließenden Goldpreisanstieg profitieren können, um ihre alten Höchstkurse wieder zu erreichen", stellt Manuel Tenekedshijew, Manager bei der Fondsgesellschaft DWS, fest. In den ersten drei Monaten dieses Jahres machten Minenfonds zwar im Schnitt immerhin 20 Prozent Gewinn, würde ihre Entwicklung direkt mit dem Goldpreis zusammenhängen, hätte das Plus jedoch noch höher ausfallen müssen.
Teil 2: Wie sich die Minenkurse entwickeln könnten
-
Aus der FTD vom 27.04.2009
© 2009 Financial Times Deutschland,
Bookmarken
Drucken
Senden
Leserbrief schreiben
Fehler melden