In normalen Börsenzeiten ist Cash nur ein Beiprodukt zur Geldanlage: Wer gerade keine attraktiv bewerteten Anlagen findet oder ein bisschen Geld zur Seite legen will, um womöglich auch einmal eine kurzfristige Kaufgelegenheit ergreifen zu können, verwahrt Bargeld sinnvoller Weise dort, wo es nichts kostet.
Das ist gar nicht so trivial, wie es scheint, da die Kaufkraft ja von Tag zu Tag durch allgemeine Preiserhöhungen ein wenig nachlässt. Zum Glück zahlen die Zentralbanken Anlegern einen Zinsausgleich dafür. Der Handelsplatz dafür heißt Geldmarkt, und die Leistung, die man dort bekommt, Inflationsausgleich. Jedenfalls in normalen Zeiten.
Angesichts des weltweiten Börsencrashs kommt der Geldmarkt aber zu ganz neuen Ehren. "Anleger können auf dem Geldmarkt zwar keinen realen Wertzuwachs erwarten, zumal wenn sie Steuern auf die Zinserträge einkalkulieren", sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. "Aber darum geht es den meisten derzeit auch gar nicht." Und angesichts der gegebenen Marktverwerfungen sei es für die meisten Privatleute auch durchaus sinnvoll, auf Wertsteigerungen zu verzichten und besser garantierte Zinsen einzunehmen.
Staatsgarantie setzt Geldmarktfonds zu
Einer der populärsten Wege für Privatleute, die sich dem Geldmarkt nähern wollten, waren in den vergangenen Jahren Geldmarktfonds: Über 104 Mrd. Euro hatten die Deutschen nach Angaben des Branchenverbands BVI Ende August in Produkten der Fondskategorie investiert, fast 30 Mrd. Euro kamen seit Anfang des vergangenen Jahres dazu. Dabei versprechen die Fonds abgesehen vom Inflationsausgleich nur wenig, und nicht einmal diesen konnten sie zuletzt garantieren (
siehe Rating).
Seit die Regierung vor die Presse trat, trennen sich Kunden vermehrt von ihren Geldmarktfonds, ist von Branchenvertretern zu hören. Dahinter steckt allerdings weniger der Frust über allzu geringe Renditen als vielmehr die Suche nach der Sicherheit: Denn die Kanzlerin verbürgte sich zwar für Sparguthaben, nicht aber für Fonds. Diese sind allerdings auch gar nicht gefährdet, wie der BVI erklärt. Denn als Sondervermögen bleiben Fondsgelder den Sparern selbst dann erhalten, wenn die zugehörige Investmentgesellschaft zahlungsunfähig wird. "Die Risiken stecken nur in der Anlage selbst", sagt Nauhauser: "Bei Geldmarktfonds sollten Anleger deshalb darauf achten, dass sie nicht in Unternehmensanleihen investieren, sondern nur in Staatspapiere. Dann sind die Fonds auch ohne Staatsgarantie sicher." Liquiditätsprobleme drohen dagegen kaum, auch wenn viele Anleger ihr Geld zeitlgeich abziehen. Denn die Geldmarktfonds sind - anders als etwa Immobilienfonds - in der Regel selbst nur kurzfristig investiert.