Vor drei Jahren erreichte die weltweite Finanzkrise mit dem Zusammenbruch der Lehman Brothers einen ersten Höhepunkt. Die Bank ist längst insolvent, die Aktie wertlos. Bei einer Versteigerung von historischen Wertpapieren ist die erste Lehman-Aktie dennoch unter den Hammer gekommen. von Hannes Vollmuth
Eigentlich ist sie nicht mehr das Papier wert, auf dem sie gedruckt wurde: die erste Aktie der Pleitebank Lehman Brothers. Ein grüner Rand ziert das Papier, rund 20 mal 30 Zentimeter ist sie groß. Als Auktionator Matthias Schmitt endlich die Losnummer 77 aufruft, geht ein Raunen durch den Saal auch wenn die Sammel schon älter sind. 30 Sammler sind nach Würzburg gekommen, Interessenten für die erste Lehman-Aktie sind nicht darunter. "18.000 Euro hier am Telefon", ruft Schmitt aufregt. Am Ende wechselt die wertlose Aktie für 24.000 Euro ihren Besitzer.
Demonstranten halten Schilder hinter Richard Fuld, den letzten Chef von Lehman Brothers, hoch
Ein Stück Finanzgeschichte ist am Samstag in Würzburg unter den Hammer gekommen. Einst hing die Aktie mit der Nummer "0001" im Büro von Lehman-Chef Richard Fuld, 1994 wurde sie ausgegeben. Dann ging die Bank 2008 pleite und erschütterte mit ihrem Zusammenbruch die ganze Finanzwelt. "Es ist das Belegstück der Finanzkrise schlechthin", sagt Schmitt, dessen Auktionshaus die Versteigerung ausrichtet.
Insgesamt wurden 900 historische Wertpapiere versteigert. Neben der ersten Aktie der Lehman Brothers sind 100 weitere Papiere der Pleitebank darunter. Auch die Gründeraktie der ersten Eisenbahngesellschaft der Welt, der Derby Canal Company, wechselt den Besitzer. Ebenso ein Wertpapier aus dem Jahr 1606, das als die älteste Anleihe der Welt gilt. 1000 Gulden kostete sie einmal.
Vor allem die Geschichte der mittlerweile wertlosen Aktien reizt die Sammler von historischen Papieren. "Es gibt immer wieder Stücke, mit denen wurde was bewegt", sagt Auktionator Schmitt. Erst im Frühjahr 2011 wurde die schon historische Lehman-Aktie gemeinsam mit Möbeln der Bank auf einer Auktion versteigert. Ein Sammler erkannte den Wert des Papiers an der Seriennummer "0001".
"Früher habe ich selbst mit Aktien gehandelt", sagt ein 73-jähriger in Würzburg. Mittlerweile begnüge er sich mit dem Sammeln. Das macht er seit 40 Jahren. Eisenbahn, Theater, Stierkampfarenen - wer wie der Mann aus Düsseldorf schon seit Jahren sammelt, hat längst ein Spezialgebiet für sich entdeckt. Flecken und Knicke auf den Sammlerstücken interessieren niemanden.
Überhaupt geht es in der Sammlerwelt für historische Wertpapiere sehr familiär zu. "Man kennt sich, hatte früher geschäftlich miteinander zu tun und steht jetzt im regen Austausch", sagt ein Sammler.
Rund 2000 aktive Sammler historischer Wertpapiere gibt es weltweit. Die Hälfte von ihnen kommt aus Deutschland, schätzt Auktionator Schmitt. Neben seinem Auktionshaus mit Sitz im oberbayerischen Zorneding gibt es zwei weitere in Europa. Schmitt tritt bei Auktionen nur als Vermittler auf. 15 Prozent Provision streicht er jeweils von Käufer und Verkäufer ein. An den Börsen sind die Papiere wertlos. Bei den Sammlern ist dafür noch Geld zu holen.
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