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Merken   Drucken   05.11.2008, 08:03 Schriftgröße: AAA

Abgeltungsteuer: Die Tücken der Investmentfonds

Sind Investmentfonds Gewinner oder Verlierer der Systemumstellung an Neujahr 2009? Kommt drauf an. Ausschüttungsart und Herkunft bestimmen künftig stark über die Attraktivität eines Fonds. von Robert Kracht
"Durch die Abgeltungsteuer gewinnen Immobilienund Rentenfonds, während Aktien- und Zertifi - katefonds verlieren" sagt Manuela Wänger von der Kanzlei Ebner, Stolz & Partner aus Stuttgart. Aber selbst in der gleichen Anlageklasse kann die Bewertung unterschiedlich ausfallen - je nach Sitz des Fonds und Ausschüttungsmodalitäten.
Denn nicht immer kann man sich mit 2008 ins Depot gelegten Anteilen die Steuerfreiheit nach einem Jahr dauerhaft sichern. Und die Vereinfachung durch die Abgeltungsteuer wandelt sich für Auslandsfonds sogar in lästige Rechenarbeit. Damit die Abgabenlast möglichst moderat ausfällt, sind also einige Besonderheiten zu beachten. "Generell sind aus Steuersicht thesaurierende Fonds zu bevorzugen, die ihren Sitz im Inland haben", sagt Wänger.
Ein großer Vorteil ist, dass Umschichtungen im Fonds ab 2009 den Bestandsschutz nicht aushebeln. Trennt sich hingegen der Direktanleger von seinen Wertpapieren, fallen die anschließenden Neuinvestitionen sofort unter die Abgeltungsteuer.
Die Übergangsregel
Damit können Fonds realisierte Kursgewinne unabhängig von Haltefristen steuerfrei thesaurieren und brutto wieder neu anlegen. "Schüttet der Fonds allerdings seine Verkaufsgewinne aus, läuft der Bestandsschutz irgendwann aus und Anleger zahlen später Abgeltungsteuer", warnt Johannes Nölke von der Optegra-Steuerberatung aus Köln.
Denn die Übergangsregel gilt bei ausschüttenden Gesellschaften nur für Wertpapiere, die sich Ende 2008 im Fondsvermögen befi nden. Ein ausgeschüttetes Kursplus aus anschließend erworbenen Titeln unterliegt auch bei den Anlegern der Abgeltungsteuer, die ihre Anteile vor 2009 erworben haben.
"Für die Konservierung des Bestandsschutzes ist es daher sinnvoller, thesaurierende Aktienfonds auszuwählen", rät Steuerberater Nölke: Da den Fondsgesellschaften die Problematik bewusst ist, werden sie allerdings noch etliche Fonds bis Jahresende umstellen. Auch Sparplan-Anleger müssen aufpassen: Investieren sie kleines Geld langfristig über Sparpläne, müssen sie künftig zweigleisig rechnen und zwischen Erwerben bis und nach Silvester 2008 und damit Fonds mit und ohne Bestandsschutz unterscheiden.
Schwierigkeiten bei ausländische Fondsgesellschaften
Thesaurierte Kursgewinne laufen zwar für sämtliche Anteile erst einmal abgabenfrei auf, doch beim späteren Verkauf in Jahrzehnten schnappt die Abgeltungsteuer zu. Dann geht vom ab Neujahr 2009 angesparten Vermögen auf einen Schlag ein Viertel der Kursgewinne ans Finanzamt.
Zwar keine unterschiedliche Abgabenlast, dafür aber deutlich mehr Schwierigkeiten bringen ausländische Fondsgesellschaften, etwa aus Luxemburg oder der Schweiz. Denn Banken und Fondsgesellschaften nehmen ihren Kunden sämtliche fi skalische Arbeit ab 2009 nur dann ab, wenn Fonds von Deutschland aus verwaltet werden.
Dieses Privileg gibt es aber nicht für Besitzer von Fonds, die von jenseits der Grenze aus gemanagt werden. Hier potenziert sich die Arbeit für den Anleger sogar deutlich. "Sofern es sich um einen thesaurierenden Fonds handelt, sind die Steuerpfl ichten ohne mathematische und steuerrechtliche Kenntnisse kaum zu bewältigen", sagt Experte Nölke.

Teil 2: Eigenständige Ermittlung steuerpflichtiger Einnahmen

  • FTD.de, 05.11.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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