Angesichts mickriger Renditen in vielen Bereichen des Anleihemarkts entdecken Investoren forderungsbesicherte Wertpapiere (Asset-Backed Securities, ABS) wieder. Dies gilt insbesondere für Auto-ABS, die innerhalb des Segmentes der Verbriefungen als sicherste Anlage gelten. Nicht nur in den USA, auch in Europa belebt sich der Markt wieder.
Jüngstes Beispiel für die Jagd nach Rendite ist der US-Konzern Google . Der Suchmaschinenbetreiber hat laut einem Bericht des "Wall Street Journal" einige Hundert Millionen Dollar aus seinem auf 40 Mrd. Dollar (32,5 Mrd. Euro) geschätzten Bargeldbestand in mit Autokrediten und Kreditkartenforderungen besicherte ABS-Anleihen investiert. Am Markt überraschte dies, wie die FTD erfuhr, nicht allzu sehr, nachdem sich Finanzexperten des Konzerns kürzlich auf einer großen Verbriefungskonferenz in den USA umgetan hatten.
Google kaufte dem Bericht zufolge unter anderem Papiere von Honda und Hyundai. Auch andere große US-Unternehmen wie der Mischkonzern 3M und der Arbeitsmarktdienstleister ADP haben schon auf diese Art ihr Geld geparkt. "Auto- und Kreditkarten-ABS haben sich während der Krise gut entwickelt", zitierte die Zeitung Scott Krohn, Vizepräsident im 3M-Finanzbereich.
ABS waren in Misskredit geraten, weil mit minderwertigen US-Hypotheken besicherte Anleihen und die davon abgeleiteten synthetischen Produkte als ein Auslöser der Finanzkrise gelten. Unternehmen parkten ihr Geld daher lieber in Staatsanleihen, so wie dies etwa jüngst der Ölkonzern Shell ankündigte.
US-Staatspapiere gelten trotz der ausufernden Schulden der Vereinigten Staaten noch immer als sicherer Hafen. Allerdings gibt es für sie kaum noch Rendite. Sie beträgt für zweijährige Titel 0,25 Prozent, Neuemissionen von US-Auto-ABS kommen mindestens auf das Doppelte. Zudem realisieren inzwischen viele Investoren, dass insbesondere Auto-ABS liquide sind und gut durch die Krise kamen. Ihnen steht ein wachsendes Angebot zur Verfügung. Laut dem Bericht des "Wall Street Journal" wurden von Januar bis Juli mit Auto- und Kreditkartenforderungen besicherte ABS über 60,7 Mrd. Dollar verkauft, 50 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
| Neuer Anlauf |
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| Geldsuche China hat erstmals drei Kommunalregierungen erlaubt, Verbriefungen zu begeben. Damit schiebt das Land ein Pilotprogramm wieder an, mit dem ein Markt für forderungsbesicherte Wertpapiere (Asset-Backed Securities, ABS) in der Volksrepublik geschaffen werden soll. Während der Finanzkrise hatte das Projekt auf Eis gelegen. Für die Kommunalregierungen öffnet sich nun ein neuer Finanzierungsweg. Viele von ihnen sind finanziell angeschlagen. |
Ähnlich ist die Entwicklung in Europa. "Mich würde es nicht überraschen, wenn auch große europäische Unternehmen einen Teil ihrer Bargeldbestände in ABS anlegen würden", sagte Dietmar Helms, Wirtschaftsanwalt bei der Kanzlei Baker & McKenzie in Frankfurt. "Die Amerikaner gehen mit dem Thema aber offener um, sodass Europa langsam folgen wird. Aber auch hier besteht bei Firmen der Bedarf, ihre Finanzanlagen zu diversifizieren, um eine höhere Rendite zu erzielen."
Deutschland spielt am europäischen ABS-Markt mit einem Anteil von vier Prozent zwar eine untergeordnete Rolle, hat aber wegen der Dominanz der hiesigen Pkw-Hersteller eine große Bedeutung bei Autoverbriefungen. So platzierte BMW Ende Juli Leasingforderungen von 800 Mio. Euro - und dies wegen starken Investoreninteresses sehr günstig zu einem Zins von gut 1,2 Prozent.