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08.03.2011, 08:30
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Der Jäger der Wall-Street-Insider
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2011 AP/dapd
Der New Yorker Staatsanwalt Preet Bharara will den größten Insiderskandal aller Zeiten aufdecken. Hat er Erfolg, könnte das die Finanzbranche für immer verändern - und ihm den Weg zu einer politischen Karriere ebnen.
von Zacharias Zacharakis, New York
Keine zwei Monate ist Preet Bharara im Amt, da stößt der Staatsanwalt von New York eine ungeheure Drohung aus. Er werde jeden Finanzbetrüger hinter Gitter bringen, der nicht nach den Regeln spiele, droht er den Bankern und Börsenhändlern im Oktober 2009, als er erstmals vor die Presse tritt. Er werde dabei auch auf Mittel zurückgreifen, die sonst eher bei der Verfolgung von Schwerverbrechern und Terroristen eingesetzt werden. "Zum ersten Mal überhaupt haben wir eine gerichtlich zugelassene Abhöraktion gegen Insiderhandel an der Wall Street gestartet", sagt Bharara. Jeder in der Branche solle sich fortan ganz genau überlegen, ob er das Gesetz brechen wolle. Und sich zuerst eine wichtige Frage stellen: "Hören die Ermittler mit?"
Seit seinem Amtsantritt verfolgt Bharara eine Mission: Er will in der Finanzindustrie aufräumen und mit einer Mannschaft aus 200 Ermittlern und Anwälten den Insiderhandel an der Wall Street ausrotten. Seit Jahrzehnten munkelt man in der Branche über zwielichtige Netzwerke, die geheime Informationen von Börsenunternehmen untereinander austauschen und damit illegale Aktiengeschäfte machen. Spektakuläre Ermittlungen hat es auch früher schon gegeben, der ehrgeizige Ankläger will aber das ganze System entlarven. "Leider sehe ich, dass der illegale Insiderhandel weitverbreitet ist und sogar zunimmt", sagt Bharara im Oktober 2010 vor der New Yorker Anwaltskammer. Nun muss er beweisen, dass er seine Drohung wahr machen kann. Gelingt ihm dies, wird er Geschichte schreiben.
Raj Rajaratnam
An der Pearl Street 500 in Downtown Manhattan liegt das Gerichtsgebäude für den südlichen Bezirk des Bundesstaats New York. Immer wieder halten dort seit Bhararas Amtsantritt dunkle Limousinen. Frauen und Männer mit blauen Jacken und der Aufschrift FBI steigen aus. Sie begleiten Frauen und Männer mit meist leicht zerzausten Haaren und einem meist steifen Gesichtsausdruck zum Eingang des Justizgebäudes. Es sind Manager und Aktienhändler, Spekulanten der Finanzindustrie, die der Staatsanwalt bisher angeklagt hat. Mehr als 46 Personen mussten diesen Gang gehen. Und noch viele weitere hat Bharara verhört.
Der wichtigste Angeklagte in diesem System ist Raj Rajaratnam. Am Dienstag beginnt in Manhattan der Prozess gegen den Milliardär und Gründer des früher außerordentlich erfolgreichen Hedge-Fonds Galleon. Er soll der Kopf eines weitverzweigten Netzwerks von Finanzbetrügern sein, des größten, das jemals aufgedeckt worden ist. 173 Bänder voller abgehörter Gespräche zwischen dem Angeklagten und seinen Komplizen will der Staatsanwalt bei der Verhandlung als Beweismaterial vorlegen und selbst den
Goldman-Sachs -Chef Lloyd Blankfein in den Zeugenstand rufen.
Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass der Verwaltungsrat der Bank, Rajat Gupta, hochbrisante Geschäftsgeheimnisse an Rajaratnam ausgeplaudert und dafür mitkassiert haben soll. Bharara muss nun beweisen, dass sich der Anführer der Insiderclique mit dem Austausch von geheimen Informationen tatsächlich strafbar gemacht hat. Dass ihm dies gelingt, bezweifeln seine Kritiker, die oft den Republikanern nahestehen: Die Gesetzeslage sei viel zu ungenau, um harte Strafen zu verhängen. Zwar gebe es eine lange Tradition von Insiderprozessen, letztlich seien die meisten Angeklagten aber mit Bewährungsstrafen davongekommen. Denn einen Straftatbestand "Insiderhandel" gibt es in den USA nicht. Die Kritiker unterstellen Bharara politische Motive für seinen Feldzug gegen die Wall Street.
Der Staatsanwalt aus dem demokratischen Lager bietet seinen Gegnern reichlich Angriffsfläche. Er wettert gegen die Spekulanten, die den Menschen in der Finanzkrise "den Glauben an die amerikanischen Institutionen" geraubt haben. Er bedauert, dass bisher kein Spitzenmanager der Branche strafrechtlich verurteilt wurde. Geschäftsleute, die ihre Fähigkeiten nutzten, um andere zu betrügen, "untergraben die Integrität unserer Wirtschaft und mindern das Vertrauen in unser Finanzsystem", sagt er. Deshalb müsse Wirtschaftkriminalität hart bekämpft werden. Soll heißen: härter als bisher.
Teil 2: "Ein demütiger und ein bescheidener Kerl"
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Aus der FTD vom 08.03.2011
© 2011 Financial Times Deutschland,
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