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Merken   Drucken   28.01.2009, 19:19 Schriftgröße: AAA

Agenda: Geld-Not im Euroland

Dossier Die Krise verschärft die Kluft zwischen den Euro-Ländern. Seriöse Ökonomen fragen sich, wann der erste Staat bankrottgeht. Danach ist es nur noch ein kleiner Schritt zur Katastrophe: Dem Kollaps der Währungsunion. von Wolfgang Proissl (Brüssel), Mark Schrörs und André Kühnlenz (Frankfurt)
Früher konnte Joaquín Almunia seinen Arbeitstag ruhig angehen lassen. Ein kurzer Blick in die Wirtschaftspresse reichte, um zu sehen, dass der Preis der Staatsanleihen im Euroland in etwa dem der deutschen entsprach. Alles im Lot - entspannt legte Europas Währungskommissar dann die Pflichtlektüre erst mal beiseite und widmete sich dem Studium der Sportzeitungen.
Seit dem Ausbruch der Wirtschaftskrise leidet Almunias Morgenritual. Das Grundvertrauen der Anleger ist zerstört. Einige Euro-Länder leiden Not, und das treibt einen Keil in die Europäische Union. Erstmals seit der Euro-Einführung werden Anleihen aus Griechenland, Irland, Spanien, Italien und Portugal mit saftigen Risikoaufschlägen abgestraft. Sogar das ökonomische Schwergewicht Frankreich muss für seine Staatspapiere mehr bezahlen als Deutschland. Allein das Vertrauen in die Berliner Staatsfinanzen scheint ungebrochen.
Einige Euro-Länder leiden Not, und das treibt einen Keil in die ...   Einige Euro-Länder leiden Not, und das treibt einen Keil in die Europäische Union
Die Zinsdifferenzen zwischen den Ländern, die sogenannten Spreads, sind "ein Gegenstand ernster Besorgnis", warnt Almunia. Auch Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker, zugleich Chef der Euro-Finanzminister, spricht deshalb schon von einer "wachsenden Beunruhigung". Und Bundesfinanzminister Peer Steinbrück fürchtet, dass die Kluft zwischen einzelnen Ländern noch größer wird: "Ich glaube nicht, dass der Trend gestoppt ist." Die Ratingagentur Standard & Poor's hat jüngst die Kreditwürdigkeit Griechenlands, Portugals und Spaniens herabgestuft und Irland unter verschärfte Überwachung gestellt.
Europas Regierungschefs, Finanzminister und Zentralbankchefs haben Angst um den Euro. Erstmals ist die Währung wirklich in Gefahr. An den Märkten fragt man sich bereits, ob die Währungsunion dies überleben wird. Die Weltwirtschaftskrise ist eine schwere Prüfung für das beispiellose Experiment - 16 Staaten, die ihre Währung teilen, Wirtschafts- und Haushaltspolitik jedoch strikt trennen.
"Selbst besonnene Leute denken darüber nach, ob ein Euro-Mitglied wie Griechenland zahlungsunfähig wird", sagt der renommierte US-Ökonom Barry Eichengreen. Vom Staatsbankrott ist es nur ein kleiner Schritt zu einem Austritt aus dem Euro-Gefüge - und zum Zusammenbruch der Währungsunion. "An den Märkten ist das Auseinanderbrechen der Euro-Zone derzeit das heiße Thema", sagt Aurelio Maccario, Euro-Chefvolkswirt bei Unicredit. Und Frankreichs viel beachteter EU-Blogger Jean Quatremer notiert: "Die Märkte wetten auf eine Explosion der Gemeinschaftswährung." Investoren räumen dem Zerfallsszenario auf Wett-Websites eine Wahrscheinlichkeit von 30 Prozent ein.

Teil 2: Welche Folgen ein Staatsbankrott hätte

  • Aus der FTD vom 29.01.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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