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Merken   Drucken   15.02.2012, 11:00 Schriftgröße: AAA

Agenda: Millionenjagd auf Spekulant Homm

Er hat Anleger um zig Millionen geprellt. Seit 2007 ist Florian Homm auf der Flucht, verfolgt von der US-Börsenaufsicht und vom Privatermittler Josef Resch. Der hat ein Kopfgeld von 1,1 Mio. Euro ausgesetzt. Die Jagd ist auch ein Wettrennen der Jäger. von Jens Brambusch  Hamburg
Die Welt ist aufgeteilt in zwei Schattierungen. Dunkel sind die Länder, in denen Florian Homm nach seinem Verschwinden gesichtet worden ist. Hell sind die, in denen er sich vermutlich nicht versteckt. Daneben eine Legende, wie viele Hinweise es pro Land gibt. Auffallend dunkel ist Südamerika: Panama, Venezuela, Brasilien. Aber auch in Afrika hat der flüchtige Hedge-Fonds-Manager Spuren hinterlassen, etwa in Marokko oder in Äthiopien. Ebenso in Asien und selbst in Europa. Nur kurz gewährt Josef Resch einen Blick auf die Karte in seinem Smartphone, dann steckt er es wieder in seine Jackentasche. Betriebsgeheimnis.
Resch ist Privatermittler. Manch einer würde sagen: Kopfgeldjäger. Der 62-Jährige sitzt in der schicken Lobby irgendeines Hotels irgendwo an der Ostsee. In seinem weißen Segelpullover sieht der Oberbayer aus wie ein Urlauber. Braun gebrannt, relaxt, unauffällig. Abwechselnd nippt er an Cappuccino und Wasser.
Viele Mosaiksteinchen der Flucht von Florian Homm hat Resch schon zusammengefügt. Nur noch wenige Teile fehlen, dann, glaubt Resch, weiß er, wo Homm sich aufhält. Reisedokumente des Flüchtigen hat er vorliegen, Kontakte geknüpft in dessen Umfeld - Mitarbeiter und Helfer vor und nach der Flucht, Bekannte und Banker, die ihm bei seinen Deals halfen.
Börsenspekulant Florian Homm im November 2004   Börsenspekulant Florian Homm im November 2004
Den letzten, alles entscheidenden Hinweis will Resch jetzt gut bezahlen: mit sagenhaften 1,1 Mio. Euro. Das hohe Kopfgeld stammt von Reschs Auftraggebern, die selbst anonym bleiben wollen. Denn die Suche nach dem Flüchtigen ist auch ein Wettrennen der Jäger.
Seit viereinhalb Jahren ist Florian Homm verschwunden. Der Großneffe des verstorbenen Versandhauskönigs Josef Neckermann war einst das Enfant terrible der Finanzbranche, die Verkörperung der skrupellosen Heuschrecke. Arroganz machte er zu seinem Markenzeichen. Er tingelte von Talkshow zu Talkshow, paffte dicke Zigarren und erklärte immer wieder, was für ein toller Typ er sei. "Ich war eine wichtige Figur bei 60 Börsengängen." Frühere Mitarbeiter beschreiben ihn als aufbrausend und vulgär.
Mit Leerverkäufen scheffelte er Millionen, vergoldete fallende Kurse. Doch dabei ging es nicht immer mit rechten Dingen zu. Die Kursverluste redete er herbei, streute Gerüchte und negative Analysen, etwa beim Autovermieter Sixt oder beim Immobilienkonzern WCM. Die Börsenaufsicht BaFin schritt ein, maßregelte Homm und verhängte Bußgelder. "Inkompetente Regulierer", schimpfte der und lächelte die Strafe weg.
Über Nacht wurde er bekannt, als er 2004 beim Bundesligisten Borussia Dortmund einstieg. Mit 25 Prozent Aktienanteil fühlte er sich als Mr Borussia. "Ohne mein Investment wäre der Verein reif für die Regionalliga", tönte er damals. Den Verein sah er als sein Eigentum, mischte sich immer wieder in das Tagesgeschäft ein.

Teil 2: In die Flucht von der Tanzfläche

  • Aus der FTD vom 15.02.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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