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Merken   Drucken   24.09.2012, 08:52 Schriftgröße: AAA

Aktien: Die Fallstricke der Dividenden

Dividenden sind das A und O beim Aktiensparen. Wer sie beiseitelässt, verschenkt langfristig eine Menge Geld. Um richtig abzukassieren, müssen Anleger unbedingt einige Fallen umgehen.
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Dividenden sind das A und O beim Aktiensparen. Wer sie beiseitelässt, verschenkt langfristig eine Menge Geld. Um richtig abzukassieren, müssen Anleger unbedingt einige Fallen umgehen.
von Patrick Schroth

Gefunden bei: boerse-online.de

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. Das gilt auch bei Aktien: Weil beliebte Anlageformen wie Tages- und Festgeld oder Bundesschatzbriefe nur noch Magerzinsen abwerfen, strömen deutsche Sparer zurück an die Börse. Im ersten Halbjahr 2012 stieg die Anzahl direkter Aktionäre um 19,3 Prozent auf 4,9 Millionen Personen - nach Angaben des Deutschen Aktien Instituts (DAI) das stärkste Plus seit der Jahrtausendwende. "Viele merken, dass nicht Staatsanleihen, sondern Aktien auskömmliche Ren­diten bieten", sagt DAI-Direktor Franz-Josef Leven. Auch Aktien liefern, wenn Firmen solide wirtschaften, regelmäßige Geldbeträge im Depot ab. "Dividenden sind die Basis einer guten Rendite. Die Kursentwicklung ist nur das Sahnehäubchen", stellt Börsenprofessor Max Otte fest.

Mit der Zeit kommt ordentlich was zusammen, wie eine Studie der Investmentbank JP Morgan zeigt: Wer im Jahr 1926 Geld an den globalen Börsen anlegte und geduldig blieb, erzielte bis Ende 2011 inklusive Dividenden eine jährliche Rendite von 9,8 Prozent. Ohne Ausschüttungen, also nur dank Kurssteigerungen, lag das Resultat bei 5,2 Prozent pro Jahr. Langfristig stammt also knapp die Hälfte des Gesamtertrags bei Aktien ausschließlich aus Dividenden. Sie tragen wesentlich zum Vermögensaufbau bei.

Dividenden sind essentiell für den Vermögensaufbau

Für Deutschland ergibt sich ein ganz ähnliches Bild. Wer 1992 rund 10.000 Euro in einen DAX-Indexfonds investierte, hatte zu Silvester 2011 inklusive Dividenden 37.350 Euro auf dem Depotauszug stehen. Ohne Ausschüttungen kamen bloß 23.480 Euro zusammen, also 13.900 Euro ­weniger - ein Renditeverzicht von satten 2,5 Prozentpunkten pro Jahr!

Dividenden für altmodisch zu halten ist töricht. In Zeiten schwacher Kurse funktionieren sie wie Überbrückungsgelder. In der wenig lukrativen Börsendekade der 70er-Jahre stammten die Aktien­erträge ausschließlich aus dem Dividendentopf. Und in der vergnügungsarmen Börsenphase seit dem Beginn des neuen Jahrtausends sorgten Dividenden ebenfalls dafür, dass Anleger nicht völlig leer ausgingen.

Bei der Suche müssen Bargeldfans ein paar Faktoren beachten. So sind Dividenden, im Gegensatz zum festen Kuponzins bei Anleihen, nicht in Stein gemeißelt. Je nach Höhe des Unternehmensgewinns, aus dem die Dividende abgezweigt wird, kann der Ausschüttungsbetrag pro Aktie mal steigen und mal fallen. Schlimmstenfalls sinkt er auf null. Die Höhe hängt außerdem davon ab, wie großzügig der Aufsichtsrat des betreffenden Unternehmens ist, der die Dividende festlegt. Im Schnitt gilt unter Investmentprofis als angemessen, wenn Firmen die Hälfte ihres Jahresgewinns als Dividende weiterreichen.

Mehr ist nett, aber nicht ungefährlich. Liegt die Ausschüttungsquote markant über 50 Prozent, kann aus fairer Gewinnverwendung leicht Verschwendung werden. Vielleicht wäre das Geld besser in die Erschließung neuer Absatzmärkte oder die Entwicklung innovativer Produkte geflossen. Kritische Aktionäre haken nach - erst recht, wenn Konzerne an die Reserve gehen, um überhaupt Dividenden zahlen zu können. So wie die Deutsche Telekom: Der Konzern gibt an Aktionäre seit Jahren mehr, als er verdient. Mittelfristig geht das auf Kosten der Wettbewerbsfähigkeit. Kommt es hart auf hart, fehlt das Geld in der Kasse - beispielsweise um feindliche Firmenjäger abzuwimmeln.

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Auch Anleger, die per Fonds, Zertifikat oder ETF in Indizes oder Aktienkörbe investieren, müssen aufpassen. Oft setzen sie stillschweigend voraus, dass die Dividenden tatsächlich bei ihnen ankommen. Doch das muss nicht so sein, denn bei der Indexberechnung werden Ausschüttungen nicht automatisch berücksichtigt. Es kommt auf den Bauplan des Barometers an, und der kann seine Tücken haben.

Von den meisten Indizes existieren zwei Ausgaben: eine mit und eine ohne Dividenden. Bei der dividendenlosen Preis- oder Kursvariante bleiben die Ausschüttungen außen vor. Wie stark es mit dem Index auf- oder abwärts geht, hängt allein von den Kursänderungen der zugehörigen Aktien ab. Alle Mitglieder der europäischen Stoxx-Indexfamilie sind beispielsweise so konstruiert. Wer hier nicht aufpasst, hat das Nachsehen.

Bei einem Performanceindex hingegen sind die Dividenden stets mit an Bord. Alle Barometer, die die Deutsche Börse unter ihrer Dachmarke DAX  berechnet - also der DAX selbst sowie die Familienmitglieder M-, S- und TecDAX -, folgen diesem anlegerfreundlichen Prinzip. Andere, ebenso populäre Indizes wie der globale MSCI Welt und der altehrwürdige Dow Jones sind indes als Preisindex konstruiert.

Das hat Folgen: Wer versehentlich die schlechtere Original- und nicht die um Dividenden nachgerüstete Total-Return-Version erwischt, verschenkt, wie beim Euro Stoxx 50, eine Rendite von immerhin drei Prozentpunkten pro Jahr, die der Herausgeber des Indexpapiers oder Zertifikats einsackt. Zwar müssen die Emittenten im Produktprospekt darüber aufklären, ob es sich bei dem zugrunde liegenden Index um die Kurs- oder die Performancevariante handelt. Selbst bei speziellen ­Dividendenbarometern wie dem deutschen DivDAX gibt es dreiste Anbieter, die auf die Gutgläubigkeit der Anleger bauen und klammheimlich die Kursversion wählen.

Weil Dividenden bei Anlegern wieder in sind, haben Banken in den vergangenen Jahren maßgeschneiderte Barometer für Bargeldfans entworfen, die nur die spendabelsten AGs berücksichtigen. Was gut klingt, kann floppen. Denn alle diese Spezialindizes sind rückwärtsgewandt. Konkret heißt das: Bei der Auswahl der Mitglieder wird nur geprüft, wer im vergangenen Jahr die üppigsten Dividenden zahlte.

Für die Neuzusammensetzung der Dividendenbaro­meter im Folgejahr kann das fatal sein. So wie 2007: Europas Finanzkonzerne waren dank der kräftig sprudelnden Gewinne aus dem Investmentbanking bei der Dividende damals besonders großzügig. Übermäßig stark war die Bankenbranche daher zu Beginn der 2008er-Saison in den entsprechenden Bargeldbarometern vertreten. Und entsprechend heftig zog es die speziellen Dividendenindizes in die Tiefe, als die US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 kollabierte und Finanztitel rund um die Welt mit sich riss.

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