Angesichts des Aufwärtstrends beim Goldpreis möchte man meinen, die Betreiber von Minen schwimmen im Geld und sind frei von Sorgen. Weit gefehlt. Rund um den Globus haben Bergbauunternehmen mit einer Reihe von Problemen zu kämpfen. Entsprechend stehen sie an der Börse im Abseits - anders als die von ihnen produzierten Rohstoffe. Beispiel Barrick Gold : Der größte Minenbetreiber der Welt büßte in den ersten drei Quartalen 2012 mehr als ein Zehntel seiner Marktkapitalisierung ein. Fundamental machen dem Sektor steigende operative Kosten zu schaffen.
Gleichzeitig herrschen an den Abbaustätten extreme soziale Spannungen. "In Südafrika stehen aufgrund von zahlreichen Streiks mittlerweile rund 39 Prozent der gesamten Goldminenproduktion des Landes still", schreiben die Rohstoffexperten der Commerzbank in einem aktuellen Kommentar. Als hätten die Kanadier nicht schon genügend Probleme, läuft auch noch die Erschließung des derzeit wichtigsten Projekts, Pascua-Lama, alles andere als rund. Im Grenzgebiet von Argentinien und Chile erwartet Barrick Gold riesige Edelmetallreserven. Gleichwohl ist es sehr aufwendig, an diesen Schatz heranzukommen. Mittlerweile sollen die Kosten 50 bis 60 Prozent über den erwarteten bis zu 5 Mrd. Dollar (3,9 Mrd. Euro) liegen. Zudem verschob das Management die Produktionsstart um ein Jahr.
Die Fülle an operativen Problemen in Kombination mit der schwachen Aktienperformance führte Anfang Juni zu einem Wechsel an der Konzernspitze. Der bisherige Finanzchef, Jamie Sokalsky, wurde neuer Konzernchef. Zunächst hatte er wenig Erfreuliches zu berichten. Für den Zeitraum April bis Juni verbuchten die Kanadier einen Gewinnrückgang von mehr als 30 Prozent und verpassten damit die Erwartungen des Marktes deutlich.
Sokalsky nutzte den Zwischenabschluss für Veränderungen: Er erklärte nicht nur Pascua-Lama zur Chefsache. Der neue CEO möchte zudem bei der Kapitalallokation verstärkt auf Qualität und Cashflows achten. "Meiner Ansicht nach sollte die Rendite die Produktion steuern und nicht umgekehrt", so Sokalsky. Die Maxime könnte bald zum Verkauf der 74-Prozent-Beteiligung an African Barrick Gold führen. Die Kanadier stehen hier in Verhandlungen mit China National Gold. Bei den Investoren konnte der neue Topmanager mit der rigorosen Vorgehensweise punkten. Seit der Vorlage des Zwischenberichts gewann die Barrick-Aktie annähernd ein Viertel an Wert.
Nach Meinung von John Bridges, Analyst bei JP Morgan, gibt Sokalsky "eine neue Richtung für Barrick und vielleicht den Goldsektor vor". Gleichzeitig rät der Experte, die Aktie im Vergleich zum Index stärker zu gewichten. "Barricks neue Kapitalallokation dient der Maximierung der Anlagenrendite, was zusätzliche Mittel für die Investoren sowie die Schuldentilgung bedeutet", meint Bridges. Mit der optimistischen Einschätzung ist JP Morgan nicht allein. Das Gros der Analysten rät derzeit zum Kauf. Steigende Kurse erwartet auch die Deutsche Bank. Analysten verweisen auf die Bewertung. In der Tat liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis im einstelligen Bereich. Als weiteres Argument nennt die Deutsche Bank ihre Prognose für den Goldpreis. So könnte der Kurs der Feinunze 2013 über die Marke von 2000 Dollar klettern.
Wer auf eine Trendwende der Barrick-Aktie setzen möchte, sollte dieses optimistische Szenario teilen. Denn das Geschäft bei Barrick sei zu 85 Prozent von dem Edelmetall abhängig, so die Deutsche-Bank-Analysten. Auch spielen die Fortschritte beim Strategiewechsel eine große Rolle. Insofern sollten sich Anleger den 1. November vormerken. Neben den Zahlen zum dritten Quartal möchte der neue Chef dann ein Update zur Entwicklung in Pascua-Lama präsentieren.
Wolfgang Hagl schreibt als freier Autor für die G+J Wirtschaftsmedien.