Außerplanmäßig früh kommt es in der Schweiz zu einem Stühlerücken im Leitindex SMI. Als Nachfolger für die vom US-Konzern Johnson & Johnson übernommene Medizintechnikfirma Synthes hat sich nun Geberit für eine Notiz im Index qualifiziert.
Dass der Sanitärspezialist seit dem 14. Juni einen Platz im SMI hat, ist auch der guten operativen Leistung geschuldet. Die sorgt auch dafür, dass die Geberit-Aktie im laufenden Jahr noch im Plus notiert, während der Gesamtmarkt bereits im Minus ist. Die niedrigen Zinsen sowie die Angst vor einer Geldentwertung halten die Bauwirtschaft weiterhin in Schwung. Eine Entwicklung von der die Eidgenossen profitieren. Im ersten Quartal konnte der Spezialist für Armaturen und Spülsysteme den Umsatz um ein Prozent steigern, in Lokalwährungen hätte das Plus sogar 6,6 Prozent betragen. Der operative Gewinn ging zwar leicht zurück, allerdings ist das ebenfalls dem starken Franken geschuldet. Auf rund 10 Mio. Franken (8,3 Mio. Euro) beliefen sich die Währungsverluste allein in den ersten drei Monaten. Dennoch: Mit den Ergebnissen konnte Geberit die Analystenerwartungen übertreffen. Dass das kein Ausreißer war, zeigt ein Blick zurück: Zwischen 2005 und 2011 lag das durchschnittliche Erlöswachstum bei 1,7 Prozent.
Mit 7,1 Prozent wiesen Geberits Geschäfte in Europa die höchsten Steigerungsraten auf. Während auch in Übersee die Umsätze zulegen konnten, kam es im Fernen Osten zu Einbußen. Das Management rechnet jedoch in China außerhalb des Wohnbausektors mit einem weiterhin robusten Geschäftsverlauf. Den Wohnungsbau in den USA sieht der Sanitärprofi dagegen weiter in der Krise - allerdings mit langsamen Erholungstendenzen. Der Vorstand glaubt weiterhin daran, auch fürs Gesamtjahr solide Ergebnisse erzielen zu können. Zudem möchte Geberit weitere Marktanteile hinzugewinnen.
Eine positive, aber eher unpräzise Prognose. Das Gros der Analystenzunft steht der Geberit-Aktie derzeit neutral gegenüber. Mit Blick auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2013 scheint die Aktie mit 15 tatsächlich derzeit hoch genug bewertet zu sein. Vergleicht man diese Zahl allerdings mit historischen Werten, hat sich das Bewertungsniveau deutlich reduziert. Zwischen 2009 und 2011 lag das durchschnittliche KGV bei 19,5. Dabei war die Phase geprägt durch Erlös- und Gewinneinbußen.
Nach Ansicht der Analysten soll das Wachstum bei Geberit weitergehen. Das Ergebnis je Aktie soll von 9,82 Franken in 2011 auf 12,43 Franken in 2014 steigen - ein Plus von mehr als einem Viertel. Aus Bewertungssicht könnte es für die Geberit-Aktie also noch nach oben gehen. Mit knapp 40 Prozent Umsatzanteil an den Gesamterlösen nimmt das Deutschland-Geschäft eine entscheidende Rolle im Konzern ein. Sollte der Run auf Immobilien weitergehen, spielt das Geberit in die Hände. Falls es in der Euro-Krise zu einer Entspannung kommt, würde das den überbewerteten Schweizer Franken sinken lassen. Das könnte die Ergebnisseite der Eidgenossen spürbar anschieben.