Nachahmer haben Konjunktur: Generikahersteller machen Pharmakonzernen wie Sanofi das Geschäft schwer. 2012 gilt als Höhepunkt einer Entwicklung, in der viele bekannte Medikamente ihren Patenschutz verlieren.
Sanofi sieht dem Treiben aber nicht tatenlos zu. Die Franzosen befinden sich bereits seit Längerem in einem Umbauprozess. Ein zentraler Punkt dabei ist die verstärkte Entwicklung von neuen Arzneimitteln.
Bereits 2011 hat der Konzern mit der Übernahme der US-Biotechfirma Genzyme einen großen Schritt in diese Richtung gemacht. Zudem hat Konzernchef Christopher Viehbacher ein milliardenschweres Sparprogramm ausgerufen. Damit nicht genug: Kürzlich wurde bekannt, dass die Forschung und die Herstellung von Impfstoffen neu aufgestellt werden soll. Damit möchte Sanofi seine Wettbewerbsfähigkeit verbessern und letztlich auch mehr neue Medikamente entwickeln.
Das ist dringend nötig, denn die jüngst in den USA ausgelaufenen Patente für den Blutverdünner Plavix und dem Rezeptorblocker Avapro drücken auf das Ergebnis. Im zweiten Quartal belastete der Verlust der Exklusivrechte das Betriebergebnis mit 331 Mio. Euro .
Dennoch kann sich das frisch vorgelegte Zahlenwerk sehen lassen: Auf der Umsatzseite schaffte der Konzern mit 8,9 Mrd. Euro sogar einen leichten Zuwachs von 0,4 Prozent. Zwar rutschte das bereinigte Nachsteuerergebnis um ein Zehntel auf 1,9 Mrd. Euro ab, doch hatten Analysten im Schnitt mit einem schlimmeren Einbruch gerechnet.
Vor allem in den von Sanofi auserkorenen Wachstumsfeldern wie der Diabetessparte oder allgemein den Schwellenländer konnten die Franzosen ihre Stärke unter Beweis stellen. Die Erlöse legten in diesen Segmenten von April bis Juni um 7,6 Prozent zu. Insgesamt entfallen bereits knapp zwei Drittel der Umsätze auf die Wachstumsplattformen. Überproportional nahm das Geschäft in den Schwellenmärkten zu mit einem Plus von einem Zehntel. Auch das Geschäft mit Diabetesmedikamenten brachte zweistellige Wachstumsraten.
Selbst wenn viele Teilbereiche erfolgreich agieren, wird es Sanofi 2012 nicht gelingen, die Verluste aus den ausgelaufenen Medikamentenbestsellern wettzumachen. Vorstandschef Viehbacher rechnet mit einem Rückgang des Ergebnisses je Aktie um zwölf bis 15 Prozent. Der Gewinnschwund scheint aber im Kurs eingepreist. Die langfristige Entwicklung des Titels malt sogar ein ganz anderes Bild: Die Aktie steht kurz vor ihrem Fünf-Jahres-Hoch. Allein im laufenden Jahr verteuerte sich die Aktie des Konzerns um knapp 16 Prozent.
Anleger wie auch Analysten trauen dem Pharmakonzern also viel zu. "Durch die verschiedenen Zukäufe hat Sanofi ein viel diversifizierteres Portfolio sowie eine breitere Umsatz- und Gewinnbasis als jemals zuvor", meint Stephen McGarry von der Société Générale. Der Pharmaexperte traut dem Konzern durchschnittliche Gewinnsteigerungsraten von acht Prozent pro Jahr zwischen 2012 und 2020 zu. Seiner Ansicht nach verfügen die Franzosen über eine glaubwürdige und relativ breite Pipeline von verschiedenen Mitteln in allen Entwicklungsphasen.
"Das Unternehmen hat das Potenzial, im laufenden Jahr sechs neue Medikamente auf den Markt zu bringen, von denen drei ein beträchtliches wirtschaftliches Potenzial vorhergesagt wird", argumentiert der Societé-Générale-Analyst, der zum Kauf der Aktie rät. Die Bewertungskennzahlen lassen erkennen, dass der Titel trotz Rally noch nicht teuer ist. Mit einem 2013er-Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10,7 liegt Sanofi im Schnitt der Vergleichsgruppe. Auf Basis von Kurs-Buchwert-Verhältnis, das günstige 1,4 beträgt, und einer erwarteten Dividendenrendite von 4,6 Prozent sind die Aktien der Franzosen jedoch preiswerter als die vieler Wettbewerber.
Christian Ingerl schreibt als freier Autor für die G+J Wirtschaftsmedien.