Nur rund ein Drittel aller DAX -Aktien bescherten Anlegern in den vergangenen zwölf Monaten Verluste. Metro gehört mit einem Minus von 28 Prozent dazu. Schlechter als die Papiere des Handelskonzerns haben nur die Anteilscheine von ThyssenKrupp und der Commerzbank abgeschnitten. Ohne die jüngste Kursrally würde die Bilanz noch weitaus schlechter ausfallen: Rund 20 Prozent Plus in wenigen Tagen nähren bei Anlegern und Analysten allerdings neue Hoffnung.
Nach Ansicht von Wolfgang Vasterling, Analyst bei der Nord/LB, scheint die Strategie des neuen Vorstandschefs Olaf Koch erste Früchte zu tragen. Anfang 2012 war Koch mit dem Ziel angetreten, den Umsatz des Handelskonzerns anzukurbeln. Dazu ließ der Manager bei den Großhandelsmärkten Cash & Carry sowie den Elektronikketten Media Markt und Saturn kräftig die Preise senken. Mit Blick auf die Zahlen zum zweiten Quartal ist das Unterfangen gelungen, denn beide Sparten konnten ihre Erlöse steigern. Auch konzernweit legten die Umsätze um 1,8 Prozent auf knapp 15,85 Mrd. Euro zu.
Doch die Strategie ist riskant. Denn der erkaufte Umsatz geht zulasten des Gewinns: Während Metro im Vorjahresquartal noch 40 Mio. Euro verdient hatte, fiel nun ein Verlust von 20 Mio. Euro an. Allerdings belasteten auch die Kosten für den Konzernumbau. Bereinigt um diesen Sondereffekt steigerte Metro den Gewinn von 68 Mio. Euro auf 111 Mio. Euro und schnitt damit besser ab als erwartet. Zudem bekräftigte der Konzern die Jahresprognose: Trotz der anhaltend schwierigen volkswirtschaftlichen Lage in Europa rechnet Metro weiterhin mit einem Umsatzanstieg im Vergleich zu 2011. Das bereinigte operative Ergebnis soll auf dem Vorjahresniveau von rund 2,37 Mrd. Euro landen.
Die Bestätigung des Ausblicks sei grundsätzlich positiv zu werten, meint Nord/LB-Experte Vasterling. Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen könnte es aber schwer werden, den Ergebnisrückstand im zweiten Halbjahr wettzumachen. Deshalb kann sich der Analyst lediglich zu einer "Halten"-Empfehlung für die Metro-Aktie durchringen. Mit dieser Einschätzung steht Vasterling nicht allein da: 17 von 40 Analysten, die Metro regelmäßig analysieren, kommen zur gleichen Einschätzung. Laut Christoph Schlienkamp vom Bankhaus Lampe mangelt es bei Metro derzeit an Prognosesicherheit, da wie immer erst die letzten Wochen des Jahres - Stichwort: Weihnachtsgeschäft - über die Erreichung der Ziele entscheiden würden.
Positiv ist Manfred Jaisfeld von der National-Bank gestimmt. Nachdem die zurückliegenden Quartale von eher enttäuschenden Berichten sowie Umsatz- und Gewinnwarnungen geprägt gewesen seien, wirke allein das Ausbleiben solcher Negativnachrichten kurzfristig positiv auf den Kurs der Metro-Aktie. Jaisfeld geht davon aus, dass es dem Konzern auch im zweiten Halbjahr gelingen wird, dem auf wichtigen Absatzmärkten weiter schwachen Konsumumfeld sowie den anhaltenden strukturellen Problemen des klassischen Kaufhauskonzepts durch die laufenden Maßnahmen zur Kostensenkung und Erhöhung der Produktivität entgegenzuwirken. Er rät trotz des von 35 auf 32 Euro gesenkten Kursziels zum Kauf der Aktie.
Die aktuell niedrige Bewertung ließe durchaus höhere Kurse zu. Während der Titel in der vergangenen Dekade im Schnitt den rund 15-fachen Gewinn gekostet hatte, notiert sie aktuell mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der 2012er-Gewinnprognosen von 8,7. Die Dividendenrendite von 5,8 Prozent fällt im Vergleich zum Mittel der vergangenen zehn Jahre (3,2 Prozent) deutlich höher aus.
Letztlich steht und fällt der Börsenerfolg jedoch mit der Strategie des Vorstands. Gelingt es Koch, den Umsatz langfristig zu steigern, ohne die Profitabilität zu beeinträchtigen, könnte der Titel zur Aufholjagd ansetzen. Kurzfristig drohen jedoch Rückschläge. Nach dem Kursverfall der vergangenen Jahre dürfte die Metro-Aktie ihren DAX-Platz bei der nächsten Überprüfung des Index im September an Autozulieferer Continental verlieren.
Christian Scheid schreibt als freier Autor für die G+J Wirtschaftmedien.