Wer sagt, Elefanten können nicht tanzen? Lou Gerstner behauptet das jedenfalls nicht. Der frühere IBM -Chef veröffentlichte unter diesem Titel einen Beststeller, in dem er beschreibt, wie er den IT-Konzern in den 90er-Jahren aus der Krise geführt hat. Damals steckte die Ikone der amerikanischen Wirtschaft tief in den roten Zahlen, galt als schwerfällig und schien hoffnungslos den Innovationszug verpasst zu haben. Gerstner leitete einen radikalen Kurswechsel ein. Das Unternehmen, das mit Geräten zur Datenverarbeitung groß geworden war und den PC erfunden hatte, wurde agiler und widmete sich fortan verstärkt dem lukrativen Geschäft mit IT-Dienstleistungen. Die Wende gelang, und Gerstner konnte den Konzern vor der Zerschlagung retten.
Zum 100. Geburtstag am 16. Juni präsentiert sich das Unternehmen in Bestform: Die Geschäfte laufen, die Gewinne sprudeln, und erstmals seit 1996 ist es gelungen, in puncto Börsenwert mit Microsoft wieder gleichzuziehen. "Der aus meiner Sicht große Verdienst von IBM ist, dass sie sich angepasst und verändert haben, indem sie die Kunden verstanden und sie als Partner gewonnen haben," sagt Judith Hurwitz von der Marktforschungsfirma Hurwitz & Associates.
Seinem Nachfolger gab Gerstner mit auf den Weg, den IT-Riesen beweglich zu halten und sich nicht auf den Lorbeeren auszuruhen. Samuel Palmisano, seit 2002 am Ruder, baute die Servicesparte konsequent aus und trieb die globale Integration voran. Heute ist Big Blue kaum wiederzuerkennen: Vom Hardwaresektor ist nach dem Verkauf der PC-Sparte an Lenovo im Jahr 2004 nur das Geschäft mit Servern geblieben. Es steht heute für gerade einmal acht Prozent des operativen Ergebnisses. Der Löwenanteil (83 Prozent) entfällt auf Software und IT-Dienstleistungen, vor zehn Jahren waren es lediglich 65 Prozent.
Auch in seiner globalen Ausrichtung hat sich IBM den Erfordernissen der Zeit angepasst. Stammten 2005 erst 16 Prozent der Umsätze aus Schwellenländern, kam vergangenes Jahr bereits jeder fünfte Dollar aus den aufstrebenden Märkten. Bis 2015 soll dieser Anteil auf rund ein Drittel ausgebaut werden. "Afrika ist heute der neue Markt für IBM", sagt Mamadou Ndiaye, der das Geschäft für die Amerikaner im Senegal verantwortet. Für 2015 werden insgesamt 35 Niederlassungen auf dem Kontinent angepeilt.
Neben der Expansion in Schwellenländer hat IBM drei weitere Wachstumsfelder definiert: den Ausbau der IT-Infrastruktur, Cloud-Computing und die Datenanalyse. Hier hat Palmisano in den vergangenen Jahren Milliarden für Spezialisten wie Cognos oder SPSS ausgegeben. Sie verfügen über spezielle Software, mit deren Hilfe sich die wachsenden Datenberge in den Firmen auswerten lassen. So kann IBM für seine Kunden Analysen erstellen, wo sich der Markteintritt lohnt oder wie sie ihr Unternehmen noch effizienter gestalten können. Wie Cloud Computing gilt Business Intelligence und Analytics als Markt der Zukunft.
Teil 2: Der Elefant muss nicht immer tanzen