Die massiven Kapitalzuflüsse aus den Industrieländern werden für viele Schwellenländer zu einem großen Problem. Einige Länder, darunter Brasilien, haben bereits Kapitalverkehrskontrollen eingeführt. Andere, etwa Indien, erwägen es. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF), der sich in der Vergangenheit stets gegen solche Beschränkungen ausgesprochen hat, befürwortet sie inzwischen.
Während die wirtschaftliche Erholung in den Industrieländern nur langsam vorangeht, boomen viele Schwellenländer bereits. Die Folge: Die Zinsen steigen in diesen Volkswirtschaften, während sie in den Industrieländern auf absehbare Zeit niedrig bleiben. "Brasilien, Indien und andere Emerging Markets haben ihre Leitzinsen bereits erhöht", sagte Schwellenländerexperte Mauro Toldo von der Dekabank. "Weitere Länder werden nachziehen." Ökonomen rechnen damit, dass China bereits in den nächsten Monaten die Zinsen erhöhen könnte.
Der Zinsunterschied zu den Industrieländern sowie die besseren Wachstumsaussichten machen Anlagen in den Schwellenländern attraktiv für ausländische Investoren. Für die Empfängerländer birgt dies aber Nachteile: "Der Aufwertungsdruck auf die Währungen wird weiter wachsen", sagte Toldo. Zudem fürchten die betroffenen Regierungen in Asien und Lateinamerika Spekulationsblasen an den Aktien- und Häusermärkten. Auch kann kurzfristiges Kapital im Fall einer Krise schnell wieder abgezogen werden und so die Stabilität der Märkte gefährden.
Brasilien und Taiwan haben daher bereits erste Gegenmaßnahmen ergriffen. Seit November vergangenen Jahres erhebt Brasilia eine Steuer von zwei Prozent auf den Kauf von Aktien und Anleihen. Taiwan hat Ende 2009 ausländischen Investoren sogar verboten, Kapital in Termingeldern zu parken. Russland und Indonesien haben bereits ähnliche Schritte öffentlich in Erwägung gezogen.
Konkreter wurde vergangene Woche der indische Zentralbankchef Duvvuri Subbarao bei einem Besuch in Washington. Man wolle vor allem den Zufluss auf dem Anleihenmarkt kontrollieren, sagte er. Angesichts der robusten Entwicklung der indischen Wirtschaft sowie den gestiegenen Zinsen rechnet die Regierung in Neu-Delhi mit Zuflüssen von 80 Mrd. $ für das laufende Fiskaljahr, das am 31. März 2011 endet.