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28.06.2009, 14:57
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Angst vor Nachfrageschub:
Rohöl hält Märkte in Atem
Öl ist das Schiermittel der Weltwirtschaft. Der Rohstoff hält Konzerne und Verbraucher in Atem. Die Angst vor einer anziehenden Nachfrage könnte den Preis wieder kräftig anziehen lassen - und das schon bald.
von Thomas Koch
Brasiliens wertvollster Schatz hat einen unerbittlichen Wächter: Mutter Natur. 300 Kilometer vor der Küste, bedeckt von 2000 bis 5000 Metern Wasser und einer bis zu 2000 Meter dicken Salzschicht lagern mindestens fünf Milliarden Barrel feinstes, schwefelarmes Erdöl. Vielleicht sind es sogar 25, 70 oder 110 Milliarden Fass (je 159 Liter) - die Geologen sind völlig ahnungslos. Denn der Ölkonzern Petrobras tut sich schwer damit, seine Vorkommen zu untersuchen.
Die Natur macht den Ausbeutern das Leben schwer. So ist die Salzschicht stellenweise nicht nur mehrere Hundert Grad heiß, sondern auch so instabil, dass sie beim Bohren immer wieder ins Loch nachrutscht.
Um den Schatz zu heben, müsste Petrobras neue Spezialmaschinen und Techniken entwickeln. Das wird teuer. 600 Mrd. $, so schätzte kürzlich die Schweizerische Bankgesellschaft, werde es kosten, die Vorkommen über 30 Jahre hinweg zu erschließen. Was es am Ende einbringt, weiß aber niemand.
Folgen des PreisverfallsWie soll das auch gehen bei diesem verrückten Ölmarkt? Im Juli 2008 kostete ein Fass zeitweise mehr als 147 $. Fünf Monate später wurde es für 34 $ verramscht. Bei so einem Spottpreis lohnen sich aufwendige Tiefseebohrungen vor Brasilien ebenso wenig wie die Erdölgewinnung aus Sänden oder an anderen schwer zugänglichen Orten.
So sehr sich viele Autofahrer über die gesunkenen Benzinpreise gefreut haben - mittelfristig könnte sie der Crash am Ölmarkt teurer zu stehen kommen. "Der abrupte Preisverfall legt die Grundlage für einen Schweinezyklus", sagt Christoph Eibl, Chef des auf Rohstoffe spezialisierten Investmenthauses Tiberius Asset Management.
"Jetzt fahren viele Hersteller ihre Investitionsprogramme zurück. Und das bedeutet Engpässe am Ölmarkt, sobald die Weltkonjunktur und die Nachfrage wieder anziehen." Bereits in den vergangenen Wochen war das zu spüren: Kaum machte sich wieder etwas Optimismus in der Wirtschaft breit, ging der Preis wieder steil nach oben.
| Saudi-Arabien ist wichtigster Ölproduzent |
| Sonderstellung Saudi-Arabien und Russland sind vor den USA die beiden größten Fördernationen. Saudi-Arabien kommt bei der Steuerung der weltweiten Ölproduktion eine sehr wichtige Rolle zu. Das arabische Land ist als einziger Förderstaat in der Lage, die Förderquote massiv zu erhöhen. Andere Ölproduzenten wie Mexiko, der Iran, China oder Venezuela schöpfen ihre Kapazität dagegen weitgehend aus. |
Saudi-Arabien ist wichtigster Ölproduzent
Wachsender EnergiebedarfUnd stürzt die Wirtschaft nicht in eine dauerhafte Depression, so wird der globale Ölverbrauch nach einer Prognose der Internationalen Energieagentur (IEA) weiter wachsen - von derzeit gut 85 Millionen auf weit über 100 Millionen Barrel pro Tag bis 2030. Doch schon jetzt fällt es den Anbietern schwer, ihren Ausstoß konstant zu halten.
Gerade bei den großen Feldern sinkt die Ausbeute rasant: Laut IEA geht die Förderung der 500 weltgrößten Vorkommen pro Jahr um neun Prozent zurück. Gab es 1990 noch 15 "Super Giant Fields" mit einem täglichen Ausstoß von mehr als einer Million Barrel, sind heute nur noch vier Giganten übrig. Und sie alle degenerieren seit Jahren.
Um das auszugleichen, müssen nun sehr viele neue kleine Felder erschlossen werden. Und das ist richtig teuer, gerade weil die Zeiten des "einfachen" Öls vorbei sind. Nur an wenigen Orten der Welt wie etwa in Kuwait sprudelt es noch ohne allzu aufwendige technische Hilfen aus dem Boden. 1 Mrd. $ müssen nach Berechnungen der IEA bis 2030 investiert werden, um den Weltmarkt in der Balance zu halten. 1 Mrd. $ pro Tag wohlgemerkt.
Teil 2: Gründe für die Defensive der Anbieter
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FTD.de, 28.06.2009
© 2009 Financial Times Deutschland,
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